Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Offener Spielbetrieb, auch für Gäste zum Reinschnuppern in den Klub: Jeweils Dienstag & Freitag von 19:00 – 22:00 Uhr bieten wir einen offenen Spielabend an! Wir freuen uns über alle Interessierten, die uns kennenlernen möchten. Wir bitten um Anmeldung über schachklub@hsk1830.de.

Bericht zum Blankenesener Schachturnier 2026 (B-Gruppe): Die Leiden des jungen Bendix

Hallo lieber Leser! Hiermit darf ich nach einer langen Wartezeit endlich mal wieder redaktionell aktiv werden. Schließlich wartet die Schachwelt sehr gespannt darauf, dass ihr ein U1800-Spieler mal wieder von den Weisheiten des Spiels erzählt.

Weisheiten, die er vermutlich bis heute selbst nicht vollständig durchdacht hat 😉 Insofern gibt es bestimmt den ein oder-anderen, der bei meinen Zeilen mit dem Kopf schüttelt, und sich denkt

„Ach Junge, so stimmt das aber nicht!“ und das vollkommen zurecht! Bei der Lektüre meiner Berichte ist jede Reaktion erlaubt 😉

Also, Zurücklehnen, Lesen und den Text nicht zu ernst nehmen. Sich was rauspicken, wenn man will.  Sonst eben nicht.

Vorab: Ich zeige hier vor allem, wie man NICHT spielen sollte, wenn man ein Schachturnier gewinnen will 😉 Wenn du aber lernen willst, wie man in der Tat spielen SOLLTE, dann frage Malte Colpe, oder den Schachlehrer deines Vertrauens 😉

Auch vorab, ein Zitat von Steve Jobs: „Manchmal trifft dich das Leben wie ein Ziegelstein auf den Kopf. Verliere deinen Glauben niemals!“

Du wirst gleich sehen, warum dieses Zitat bei mir zutrifft, wie die Faust aufs Auge – oder eben wie der Ziegelstein auf den Kopf 😉

Einleitung – Schach ist (leider oder zum Glück?) Emotion pur

Schach ist ein psychologisches Spiel: Schon Sigmund Freud spielte im Wiener Café Landtmann gerne Schach. Dass Schach gerne von Psychologen gespielt wird und wurde, meine ich aber nicht. Sondern, dass Schach emotionale Aspekte in uns berührt, zum Leben erweckt, teils auch neue Empfindungen zu Tage fördert.

Nun gut, freilich kennt jeder von uns gewisse Emotionen bereits nur zu gut, ohne sich des Schachspiels zu betätigen:

  • Freude über einen großartigen Sieg oder eine schöne Partie à Kennt jeder, der schonmal einen herrlichen Kopfball oder einen Fallrückzieher beim Fußball geschafft hat. Man ist für einen kurzen Moment der Held, und kostet diesen Honigtopf immer gerne mal hinterher. Gerade wenn man ich, was Motorik auf dem Rasenplatz angeht, eher der Kategorie „Verwirrter Elefant auf einer winzigen Eisscholle“ zuzuordnen ist.
  • Angstgefühl, wenn man positionell zusammengeschoben wird à Dieses Gefühl ist ja fast schon Urinstinkt. Der Gegner wagt einen Bauernvorstoß? Dann ist das vielleicht als Analogie eine Wespe, die uns stechen möchte. Der Gegner steht kurz vor eine hübschen Mattkombination mit Dame und Springer? So ist dies evolutionstheoretisch wohl der Säbelzahnltiger, der sich kurz vor unserer Höhle befindet! Schach spricht definitiv auch das Angstzentrum im Gehirn an. Abhängig von der Position.
  • Wut über einen Blunder à Vergleichbar mit einem Fehler beim Autofahren. „Mann, ich Idiot hätte eben gar nicht abbiegen dürfen!“, denkt man sich. Man ärgert sich über sich selbst, ist gar peinlich berührt, das eigene Fehlverhalten bahnt sich über Neuronen seinen Weg hinein in Emotionen. Aus der Außenwelt werden über elektrische Impulse in unserem Gehirn schließlich

Verhaltensweisen. Diese äußern sich mal mehr, mal weniger kontrolliert. Meditieren kann (mir, Anmerkung meiner Frau) da sicherlich helfen.

So ist Schach ein Potpourri an Gefühlen, eine Vermischung und Verquickung von Ehrgeiz und Mut, von Angst und Reue, von Siegessicherheit und peinlicher Realisation. Manch Schachspieler fühlt sich nach einer langen gewonnenen Schachpartie wie neu geboren!

Und das Schöne: Man weiß nie, welcher Cocktail an Gefühlen einem das Leben bei der nächsten

Partie bescheren wird.

Fakt ist aber: Man muss für alles bereit sein. Schach ist für die wenigsten nur locker-flockiges Siegen, selbst für einen Magnus Carlsen nicht.

Das Blankeneser Open Turnier dieses Jahres jedoch war ein schwarzer, finsterer Cocktail, mit einer ordentlichen Prise Blunder serviert.

Es ist mir wichtig, zu betonen, wie sehr mein zu 100 Prozent selbstverschuldeter Blunder, der mir den Turniersieg dieses Jahr gekostet hat, mich verletzt hat, wütend über mich selbst gemacht hat, traurig und nachdenklich gestimmt hat.

Entgangen sind mir dadurch nämlich 500 € Preisgeld (*) und (vermutlich) der erste Platz.

Du, lieber Leser, kannst von mir eventuell lernen, noch viel mehr darauf zu achten, wirklich ausnahmslos (!!!!) nach jedem Zug (!!!!!) denselben auf Fehler und versteckte Fallen des Gegners zu überprüfen!

Egal, ob diese offensichtlich (sog. „One-Mover“, also Drohungen, die aus nur einem Zug bestehen), oder versteckt sind (tiefe Taktiken, die sich kaum verteidigen lassen).

Der Blunder, der mich am gestrigen Sonntag in den Wahnsinn getrieben hat, hat, so gemein es auch ist, etwas Gutes: Einen Lerneffekt. Dinge des Lebens niemals arrogant und überheblich machen, achtsam sein, kein Schnell-Schnell. Und die 500 € entgangenen Moneten braucht es auch – ohne Schmerz kein Lerneffekt. Odysseus ist an den Sirenen erfolgreich vorbeigefahren, weil er seinen Soldaten Wachs in die Ohren geschmiert hat – also eben nicht den süßen Klängen und dem süßen Honig erlegen ist. Heißt: Weniger Fokus auf den schnellen Sieg, mehr Fokus auf den Prozess und auf das eigene Spiel!

Das Setting

Das Turnier wurde dieses Jahr wirklich unglaublich gut organisiert. Es gab einen Online-Check-In, der einen an den Hamburger Flughafen erinnert. Bei mir, metaphorisch gesprochen, ging es um den letzten Flug nach Blunderhausen, mit einem Zwischenstopp in Patzberg.

David Schacht war mit dabei als Schiedsrichter. Qualifizieren tun ihn ein fairer Auftritt, eine gute Kenntnis der Regeln und Abläufe und sein Nachname.

Alexander von Gleich war da. Er ist wie ich mit einer Georgiern verheiratet, hat ein sehr hohes

Rating (ohne zu googlen schätze ich > 2300 Elo) und ist nach wie vor ein irre guter Schachspieler. Qualifizieren tut ihn seine Spielstärke, sein guter Ruf in der Schachwelt und sein Nachname – denn sogleich nach seiner Rede durfte er am Spitzenbrett des Opens den ersten Zug machen. Wohlgemerkt: Ich spielte in der B-Gruppe. Die A-Gruppe war mit Aljoscha Feuerstack, Malek Koniahli, Malte Colpe etc. so stark besetzt, als würde ein Amateur-Boxer erst Mike Tyson, dann Muhammad Ali am gleichen Tag herausfordern. Nein danke. Mein guter Freund Nacho, bekannt vom Blitzschach in der Sternschanze, spielte jedoch im Open mit. Sein klares Ziel: 3 von 7 Punkten! Es ist bezeichnend, dass ein Turnier so stark ist, dass man sich als Ziel setzt, weniger als die Hälfte der insgesamt möglichen Punkte zu erwirtschaften. Allerdings wurde natürlich im Schweizer System gespielt, was die Schwierigkeit natürlich entspannt.

Einige nette Damen (natürlich allesamt höher geratet als ich) waren ebenso da. Außerdem Teilnehmer aus verschiedenen Ländern, alte und junge Spieler. Wie immer hat Schach auch hier volle Power seine inklusive Kraft entfaltet. Bravissimo!

Der Turnierbeginn

Ich begann das B-Open mit einem Schwarzsieg gegen Dietrich Krüger in einer langen Ben-Oni Partie. Hierbei war es mir möglich, insbesondere meinen weißfeldrigen Läufer auf dem Brett zu halten. Es ging eigentlich nur um Ausdauer, und darum, ohne Fehler die Figuren einigermaßen sinnvoll hin- und herzuschieben. Ein Kampf, bei dem ich die Oberhand behielt.

Der zweite Tag war öde. Ich spielte zweimal Remis, wie hier mit Weiß gegen Ranvir Khattar:

Foto: Bendix Perschk

Übrigens dachte Ranvir nach meinem d4?! In folgender Position 20 Minuten nach!

Ich hatte sehr ernsthaft überlegt, hier auf das Nakhmanson-Gambit zu spielen. Das erfolgt nach 4. …exd4 ODER 4. … Sxe4, 5. 0-0, in den Zügen 6 und 7 opfert Weiß seinen Springer auf c3 und seinen Läufer auf f7. Einfach mal reinschauen, eine tolle aggressive Variante!

Später verteidigte Ranvir jedoch mit einer Qualität für ihn aber extremen Druck von 2 Springern meinerseits souverän. Respekt an ihn! Remis!

Am dritten Tag gewann ich beide meine Partien gegen Kinder, die mich nicht wirklich herausforderten. Und so hatte ich nach 5 Partien 3 Siege und 2 Remis – also 4 Punkte – und war geteilter Erster!

Partie Nummer 6 brachte dann das Unheil. Daher auch der Name dieses Beitrages über die Kunst des Blunderns! Eine Kunst, die ich virtuos beherrsche. Ich bin sehr versiert darin, auch in den „gewonnensten“ Stellungen geschickt die Dame oder das Matt herzuschenken. Dies tue ich auch nicht gerne, nein, stattdessen suhle ich mich lieber im eigenen Leid wie ein Schweinchen im Schlamm. Der Artikelname ist daher auch eine Hommage an Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ von 1774. Eine Briefsammlung, in der Werther sein unglückliches Verliebtsein an die verheiratete Lotte schilderte. Auch mir scheint es manchmal so, als sei ich in Schach verliebt, verheiratet ist das Spiel aber mit jemand anderen… Vielleicht mit Magnus Carlsen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Schach mich fasziniert. Und meine Liebe nicht (immer) erwidert.

Meine Schmerzpartie

Ich spielte die besagte sechste Partie mit Weiß gegen Kelly Liau, gewertet knapp unter 1800 Elo, und wählte die ungarische Eröffnung.

Der Punkt ist simpel: Auch Kelly musste gewinnen, um ernsthafte Chancen auf Platz 1 zu haben. Ich verfrachtete die psychologische Verantwortung für den Sieg also auf ihn.

Und das ist gar nicht so leicht. 1. g3 ist ein unglaublich flexibles System, welches Katalanisch, einen königsindischen Angriff, Englisch und noch einen Haufen anderer Eröffnungen per Transposition erlaubt. Kelly dachte auch 4 Minuten über seine Antwort, Sf6, nach. Danach entwickelte sich eine symmetrische Stellung, bis ich c4 spielte:

Was mich wirklich sehr überraschte, war, dass Kelly diesen Bauern sofort nahm! Schließlich hat Schwarz alternativ … c6, auch Rochade sieht gesund aus für Schwarz, denn Schwarz hat nach 6. cd Sxd5, 7. e4 Sb6, 8. 0-0 Lg4 keinerlei Probleme.

Nachdem er aber auf c4 schlug, antwortete ich mit a4?! Dubios, aber spielbar, wegen des Raumvorteils am Damenflügel. Ich war glücklich über die frühe Dysbalance in der Position. Dann aber überraschte er mich erneut: Statt mich mit Zügen wie Dc2 oder Se4 den Bauern auf c4 abholen zu lassen, verteidigte er hartnäckig mit … Sc6 nebst … Sa5!

Ich dachte, er würde dann einfach auf Materialvorteil spielen, und den Bauern möglichst lange halten. Stattdessen benutzte er ihn als sicheren Ast für seinen Springer, auch noch nach b3 zu hopsen und schließlich meinen Läufer auf c1 zu schlagen.

So investierte er 4 (!) Springerzüge, die Engine mochte jedoch, was er tat:

Schwarz steht hier hauchzart besser. Man sieht aber deutlich, dass ich die 3 Tempi, die er für seinen wackeren C-Bauern investiert hatte (ich zähle … Sc6 nicht mit, da normaler Entwicklungszug), sehr gut genutzt habe: Rochade, Springer- und Turmentwicklung. Auch meine Dame auf c1 mochte ich; drohte sie doch nach Springerabzug den c4.

Ich finde diese Stellung aus strategischer Sicht überragend. Weiß hat klare Pläne: A5 spielen für Platz auf der Damenseite. Se5 um den C4-Bauern abzuholen. Td1 für mehr Stabilität. Und so weiter. Diese Position spielt sich fast von selbst. Ich war frohen Mutes! 🙂

Wir schauen im 18. Zug wieder rein, und die vorab genannten Motive sind sehr schön ersichtlich:

Schwarz schlug den Springer auf e5. Weiß hat es geschafft, seinen A- für den B-Bauern des Schwarzen zu tauschen. Auf Td4 war ich stolz, denn dieser Zug unterstreicht das Angriffsmotiv Th4, Dh6, Dxh7#!

Seine Bauern hingegen wirken schwach und angreifbar. Außerdem mindern sie die Mobilität des weißfedrigen Läufers. Ich muss erwähnen, dass die Engine Schwarz bevorzugt, da sie alle Bauern akribisch gut verteidigen kann.

Dennoch, ich denke, für einen Menschen hat Weiß hier die angenehmere Stellung.

Den Angriff am Königsflügel wehrte er zwar schön ab. Allerdings kam meine Dame wunderbar über g6, h4 und a4 ins Spiel, und drückte ihm auf der A-Linie (Aljechins)-Pistole auf die Brust!

Weiß steht hier mindestens +2. Der Druck auf a7 ist immens. Ohne den Läufer würde Sd6+ (Gabel!) lauern mit sofortigem Gewinn. Und angenommen, Schwarz macht nichts. Dann liegt doch auch Sxd7!! In der Luft. Schwarz nimmt mit der Dame. Weiß nimmt dann seinen Springer. Schwarz kann aber nicht zurückschlagen, da der C-Bauer dann gefesselt sein würde.

Diese Stellung sieht nach „geschnitten Brot“ aus, wo alles automatisch funktioniert.

Er spielte dann jedoch sehr zu meiner Überraschung und erstaunlich schnell den besten Zug: 28.…Sb6!

Nachdem ich geprüft hatte, ob ich mich nicht trotzdem auf a7 bedienen kann (meine Dame hängt aber seine auch!), spielte ich korrekt: 29. Dd1.

Es kam zu einem Scharmützel auf dem D7-Feld mit anschließendem starken Vorteil für Weiß:

Nun musste ich nur noch ein klar gewonnenes Endspiel abwickeln. 6 zu 4, und Läufer gegen Springer einem offenen Feld, das kann so schwer nicht sein!

Oder doch?

Hier, im 50. Zug, kann ich mit b4 einfach gewinnen. Jap, so ist das. Der B-Bauer rennt durch. Ich habe mich aber nicht getraut 🙁

Stattdessen habe ich auf das völlig unnötige Konzept Lg8?! gespielt. Die Idee war natürlich Th7 mit Matt. Allerdings spielte er den einzigen Zug 50. … g5! 51. hxg5+ Kxg5 und Weiß hat seine Bauernstruktur erfolgreich ruiniert.

Er spielte dann jedoch, nachdem er extrem akkurat verteidigt hatte (die Engine liebt seine Züge vom 36. bis 57. Zug), im 58. Zug dann Tb6??, was erneut die Partie einstellt:

Weiß ist hier am Zug. Weiß spielt offensichtlich Ta6! und schwarz müsste eigentlich aufgeben! Denn der A-Bauer läuft durch.

Begriffe wie „Schach-Weltmeister“ und „Turniergewinn“ flogen mir durch den Kopf. Ich plante bereits, von den 500 € Preisgeld mit meiner Frau schick essen zu gehen. Meine Vorstellungskraft hatte keine Grenzen und ich sonnte mich im Licht meines Sieges.

Bis der Ziegelstein (Steve Jobs!) mich am Kopf traf!

Der absolute Worst Case.

Hier gewinnt jeder Zug. Ein Dreijähriger kann diese Position gewinnen. Warum? Weil ein Dreijähriger es vermutlich schafft, die Dame hochzuheben, und auf ein Feld nebenan zu platzieren. Also z.B. von A8 zu B8. Was mache ich? Ich spiele natürlich den Jahrhundert-Blunder: 63.Dxf3?????????????????????????????????????

Ich spielte diesen Zug in meiner unachtsamen, arroganten, wohlstandsfetten Bräsigkeit, die einen an den Kater Garfield erinnert, der an Lasagne nascht. Rein GAR NICHTS daran war durchdacht. Das, was mal mein Gehirn war, fühlt sich an wie eine kaputte alte Fritteuse.

Es war wirklich absolut grauenvoll, diabolisch und schrecklich.

Ich lasse bei mir selbst auch keine Ausreden gelten. „Ja ich habe schon fast 5 Stunden gespielt, da darf man auch mal patzen.“ Nee, darf man eben nicht. Sonst ist die zuvor investierte Lebenszeit nämlich einfach weg. Für die Katz. Die nächste Garfield-Referenz.

Dieser Zug verschlechtert die Position auf +66 (lol!) auf 0.

Wohlgemerkt, 0.0! Denn obwohl dieser Zug natürlich grauenhaft schlecht ist, und Stoff für einen Horrorroman á la Stephen King bietet, so ist es dennoch Remis!

Moment mal – Remis? Also nichts verloren? Spiel um Platz 1 nach wie vor möglich?

Nein.

Denn ich war tilt.

Nicht so six sevennnn, sondern 10 von 10 til des Todes.

Aber objektiv war es zu diesem Zeitpunkt noch Remis.

Soweit die Theorie. Nun, wir erreichen folgende Stellung:

Weiß will nicht mit der Deutschen Bahn fahren, aber er ist hier am Zug.

Ich habe mal den Bewertungsbalken mit aufgeführt, um zu zeigen, dass die Stellung in der Tat Remis ist. Ich hatte, nach 04:35:00 Spieldauer, und nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr, jedoch ein Blackout. Und spielte 71. Kg1????????????????

Ich möchte anmerken, dass Läufer nach c6 (oder b7 oder a8) sofort remisiert! Denn h2 ist keine Drohung! Auf h2 einfach Lg2! Und Schwarz hat kein Springer-Schach. Ich sah jedoch Lg2 einfach nicht.

Übrigens: Nach … Sf3 schlägt Weiß einfach den Springer, und auch das ist Remis. Lernt eure Endspiele, Kinder!

Eine furchtbare, schwarze, bösartige Partie.

Und genau deswegen auch eine so tolle, herrliche Lehrstunde.

Eine Lehrstunde, die mich den ersten Platz (500 € Preisgeld!) kostete. Und ja, ich weiß, dass noch eine Partie zu spielen war, aber ich räumte mir mit Schwarz gegen einen geringer-geratenen Gegner gute Chancen ein.

Ihr Lieben, wenn ihr eine Dame habt, nehmt euch immer immer, IMMER Zeit für 30 Sekunden Due Diligence. Schaut, ob sie geschlagen werden kann. Manchmal nicht direkt, aber zwei- bis dreizügig. Seid achtsam.

Und nun lasst uns den Sommer genießen! ☀️

Herzlich, euer Bendix aus Wellingsbüttel

 

PS: (*) nochmal zu den 500 € Preisgeld.

Am Abend erreichte mich eine WhatsApp-Nachricht vom Kumpel Ignacio („Nacho“). Er sagte, dass ich zwar nicht auf dem Siegertreppchen stand, aber den 100€-Zufallspreis gewonnen hatte. Dies ist wirklich so geschehen. Da ich aber zu dem Zeitpunkt nicht mehr anwesend war, sondern wutschnaubend das Turnier verließ, erhielt ich auch dieses Geld nicht. Schach erlaubte mir keine Sekunde der Entspannung. Es war, bis zu allerletzt, eine Qual, ein Salz-Streuen-in-die-Wunde. Manchmal trifft euch das Leben mit einem Ziegelstein. Verliert niemals euren Glauben.

 

Anmerkung der Redaktion:

Alle Details und Sieger, Tabellen etc. zum tollen Open in Blankenese gibt es hier. IM Malte Colpe wurde guter Dritter, Hartmut Zieher bester Senior und Aras Kutlar (10 Jahre) machte tolle 4 Punkte im A-Open.

 

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