Erkenntnisse eines etablierten Herren oder Niendorf ist immer eine Reise wert
HMM 2026, Stadtliga A, 4. Runde: Niendorf TSV vs. HSK 8
Freitagabend, 19 Uhr. Dauerregen. Trotzdem fahren wir frohen Mutes nach Niendorf.
Dort werden wir wie alte Freunde begrüßt. Schon vor Jahren habe ich an dieser Stelle das schöne Spiellokal gerühmt, das haben mir die Niendorfer, allen voran Carlo Zamboni, nicht vergessen.

Niendorf spielt im AWO Seniorentreff Schach. Dort finden sich, neben einer Kassetten- und CD-Sammlung, einige Regale voller Bücher. Zu den in Niendorf gehüteten Preziosen zählen Titel wie: „Erkenntnisse eines etablierten Herren“, „Kleine Kunstreise von Aachen bis Zürich“, „Die dritte Weiblichkeit“ oder auch „Mit Kind und Kater“. Mit größtem Entzücken haben wir den abgebildeten Titel entdeckt – nomen est omen!
Die Niendorfer sind mit nahezu ihrer besten Aufstellung angetreten, natürlich auch mit dem Hamburger Meister von 1974: Gerd Putzbach, den wir auch oft im HSK sehen. Irgendwie wirklich schön und gemütlich hier.
Dann beginnt der Wettkampf. Heute wollen wir etwas erreichen. Unser Captain fährt Ski im Harz. Er hat wie immer eine gute Mannschaft aufgestellt, und wir wollen es ihm danken.
Am sechsten Brett spiele ich mit Schwarz gegen Matthias Weiß. Ich weiß genau, dass Matthias mit Weiß das Vierspringerspiel liebt, das will ich ihm verderben und wähle Russisch. Nach 3. Sc3 spiele ich heute 3. … Lb4. Nun bleiben es drei Springer. Matthias ist ein bisschen irritiert und findet nicht die beste Fortsetzung. Ich gewinne den Bauern auf e4 und stehe nach 2 Stunden deutlich auf Gewinn. Bis hierhin eine wirklich gute Partie von mir. Doch dann leiste ich mir einen groben Schnitzer. Ich büße meinen Vorteil ein und biete, bevor mir noch mehr passiert, Remis an. Matthias willigt ein.

Armin hat an Brett 6 nicht nur einen Bauern mehr, sondern zudem eine dominante Stellung erreicht. Wie setzt er nach dem letzten Zug seines Gegners (33. b3) am besten fort?

Noch eine Stellung aus derselben Partie. Wie spielt Schwarz hier weiter?
Kurze Zeit später gewinnt Ivan Ahryzkov an Brett drei gegen Peter Schneider. Ivan hat sein jugendliches Feuer diesmal gegen Peter abgeschossen. Er spielt eigentlich immer die gleiche Partie: alle Figuren entwickeln, dann die Schwäche des Gegners ausfindig machen und konsequent dagegen spielen. Heute war es der schwarze König, und so hatten wir schon nach gut zwei Stunden einen Punkt Vorsprung.

Stellung nach 15. … h6. Was macht Ivan mit dem angegriffenen Läufer?

Finale an Brett 3: Ivans Gegner versucht, mit 25. … Lg7 den eigenen Monarchen zu schützen. Wie setzt Weiß fort?
Am fünften Brett spielte unser Christian Wolf gegen Gerd Putzbach. Gerd spielt nicht mehr so scharf wie vor 50 Jahren, aber Turmendspiele beherrscht er immer noch. Christian musste dies anerkennen. Unser Vorsprung war dahin.

Christian ist vorteilhaft aus der Eröffnung gekommen. Gerade hat er seine Dame auf e2 gezogen, und Gerd antwortet mit 13. … Db4, wohl um den ersten der beiden Bauern auf d4 oder d6 einzusammeln. Wie reagiert Weiß am besten darauf?
Weitere zehn Minuten später beendeten am achten Brett Michel Zeides und unser Marius Müller ihre Partie mit Remis. Marius hatte fast seine gesamte Zeit verbraucht. Es war ein Endspiel entstanden, beide hatten noch ihre Läufer und sieben Bauern. Bewegen konnte sich keiner mehr, Remis war in Ordnung. Jetzt stand es 2:2.
Ein Blick auf die Bretter verriet mir, heute würden wir gewinnen. Florian und Philipp standen deutlich auf Gewinn und Davyd hatte einen Bauern mehr. Bei Samuel war die Stellung doch sehr gedrückt, das würde schwierig werden.
Um 22 Uhr gewann dann zunächst Davyd Derhay gegen Eggert Lindschau an Brett vier. Er hatte aus einem Mehrbauern im Doppelturm-Endspiel inzwischen zwei gemacht und weitere würden folgen. So schön hatte es hier zunächst gar nicht ausgesehen, aber Davyd hatte sich mit Schwarz geschickt verteidigt und immer auf Konterchancen gelauert. Das Endspiel war dann eine reine Freude.

In dieser Stellung hat Davyd bereits einen Bauern mehr. Wie setzt er nach 33. Tc3 seines Gegners fort?
3:2 für uns und wir hatten noch zwei klare Gewinnstellungen. In unserer teaminternen WhatsApp-Gruppe wurde bereits gefeiert.
Sodann wurden zwei Partien im Zehnminutentakt beendet. Philipp Cramer gewann gegen Mi Gafeng am siebten Brett. Philipp hatte schon lange einen Läufer mehr, da nun aber auch alle anderen Figuren getauscht waren und Philipp begann alle Bauern zu gewinnen, sah Mi die Hoffnungslosigkeit seiner weiteren Bemühungen ein.

In dieser Stellung hat Philipp nicht nur einen Bauern gewonnen, sondern ist bereits entscheidend in die gegnerische Stellung eingedrungen. Nach dem schwarzen Versuch, mit 25. … b6 die eigenen Steine zu konsolidieren, kommt Philipp deutlich in Vorteil. Wie?
Kurze Zeit später verlor Samuel Wiethüchter am zweiten Brett gegen Jan Westphal. Die Verteidigung der gedrückten Stellung war immer schwieriger geworden und gelang schließlich nur durch Verlust eines Springers, der dann natürlich sehr fehlte. Das Endspiel wollte sich Samuel nicht antun. Wir führten 4:3 und nur noch Florian spielte.

Der entscheidende Moment an Brett 2. Samuel will seine Festung mit 19. … b6 verstärken. Mit welchem überraschenden Zug, der ihm Vorteil sichert, ergreift sein Gegner nun die Initiative?
Florian Kugler hatte seine Gewinnstellung souverän ins Endspiel König, Läufer, vier Bauern gegen König, Springer, zwei Bauern überführt. Schließlich um 22.45 Uhr sah Michael Raddatz ein, dass es vorbei war. Dieser Sieg am ersten Brett beendete unseren Wettkampf. Wir waren voller Glückseligkeit: 5:3, das lässt uns weiter auf den Klassenerhalt hoffen!
Als Nächstes steht unser Bruderwettkampf gegen HSK 7 auf dem Programm. Am 06.03. ist es so weit, wir sind bereit und freuen uns darauf.