St. Pauli IX konnte am Anfang der Saison zwei der ersten drei Mannschaftskämpfe gewinnen. Nach diesem unerwartet erfolgreichen Saisonstart wurde bei St. Pauli sogar von einem möglichen Aufstieg gesprochen. Mittlerweile ist der Aufstieg kein Thema mehr. St. Pauli hat nach dem kurzen Aufstiegstraum alle folgenden Mannschaftskämpfe verloren und steht nun im unteren Tabellendrittel. Der Aufstieg ist unerreichbar. Aber auf der anderen Seite hat St. Pauli auch nichts mit dem Abstieg zu tun. Im Gegensatz zu uns, die wir vor der jetzigen letzten Runde auf dem letzten Platz und somit eben auf einem Abstiegsplatz stehen. Wir müssen gegen St. Pauli IX gewinnen, um noch die Klasse zu halten. Gleichzeitig benötigen wir vom zeitgleich spielemden Großhansdorf III insofern Schützenhilfe, als dass Großhansdorf gegen unseren direkten Konkurrenten Sasel IV gewinnen muss. Die Schützenhilfe Großhansdorfs ist schon fest eingeplant. Das wird klappen. Es muss also nur noch heute gegen St. Pauli gewonnen werden.
In der sechsten Runde der HMM müssen wir das dritte mal auf einen Ersatzspieler bzw. eine Ersatzspielerin zurückgreifen. Nicht optimal, aber ich bin froh, dass wir mit Andrea Schulz eine sehr willkommene Ersatzspielerin gefunden haben. Bereits in der letzten Saison hatte sie bei uns ausgeholfen.
Mit dem gegnerischen Mannschaftsführer werden entspannt die Aufstellungen ausgetauscht. Insgesamt wurden wir freundlich empfangen und am Millerntor lässt sich auch gut spielen. Unsere Spielberichtskarte zeigt folgende Aufstellung:
- Jonny Skibb
- Jörg Spreu
- Linus Advani
- Dieter Wichmann
- Rolf Lohkamp
- Horst Feis
- Volker Krause
- Andrea Schulz (Ersatz)
Nach ungefähr einer Stunde ist in Horst Feis‘ Stellung jedes Licht erloschen. Feis gibt sich seinem Gegner Wolfgang Klausberger geschlagen. Früh liegen wir somit 0 zu 1 zurück.
Linus Advani spielt mit Weiß und muss sich mit dem Englund-Gambit auseinandersetzen (1.d4 e5). Advani lehnt das Gambit ab. Nach Advanis frühem a4 und g4 kommt mal wieder eine wilde Stellung aufs Brett. Es ist aber eher seine Gegnerin Christine Tetzlaff, die die Initiative hat und die Advani unter Druck setzt. Die Damen kommen vom Brett und es wird etwas ruhiger. Advani verbleibt nach dem Scharmützel mit Minusbauern. Seine Gegnerin bietet Remis und Advani nimmt in wohl leicht nachteiliger Stellung an. 0.5 zu 1.5 gegen uns.
Rolf Lohkamp steht mit Weiß im Endspiel. Wenn ich das richtig gesehen habe, spielt Lohkamp im Endspiel mit Qualität mehr, sein Gegner Jörn Kreuzer dafür aber auch mit zwei extra Bauern im Gepäck. Am Ende die Punkteteilung. Remis und damit 1 zu 2 gegen uns.
Jonny Skibb spielt auch gegen DWZ-stärkere Gegner offensiv und furchtlos. In dieser Partie hat sein Gegner im Zentrum einen raumgreifenden schwarzen Bauern auf d4. Skibb dafür mit am Damenflügel weit vorangeschrittenen weißen Bauern. Auf der sich geöffneten b-Linie wird ein Turmpaar abgetauscht. Sein Gegner Ingo Krüger bietet Remis. Skibb lehnt ab. Ein weiteres Turmpaar tauscht sich auf der offenen Linie. Wenige Züge später wird im Damen- und Springerendspiel dann doch das Remis vereinbart. 1.5 zu 2.5 gegen uns.
Volker Krause steht mit Qualität weniger im schwierigen Endspiel. Er kann es aber noch irgendwie halten und geht gegen seinen Gegner Klaus-Dieter Tetzlaff ebenfalls ins Remis. 2 zu 3 gegen uns.
St. Pauli lässt am achten Brett Tera Siregar auflaufen. Letzte Saison spielte Siregar noch am ersten Brett. Dieses Jahr steht er auf der Reserveliste und ist dementsprechend am achten Brett zu finden. Für unsere Andrea Schulz wird es durch den DWZ-starken Gegner ein schwieriges Spiel. Sie kann sich lange gut halten, aber irgendwann fallen ein paar Bauern und am Ende auch die Partie. 2 zu 4 gegen uns.
Dieter Wichmann spielt mit Schwarz. Katalanisch kommt aufs Brett (Weiß u.a. mit d4, c4 und fianchettiertem Königsläufer). Der gegnerische katalanische Läufer auf Lg2 und die Vereinnahmung der offenen d-Linie durch den gegnerischen Turm machen Wichmann zu schaffen. Aber Wichmann hat dafür einen Mehrbauern und dadurch ist wohl noch alles gut. Wichmann kann die Schwierigkeiten bereinigen und steht dann entspannt mit Mehrbauern im Turmendspiel. 4:3 Bauernmehrheit für Wichmann am Königsflügel. Der Damenflügel ist leer. Also vermutlich Remis, aber mit Knetpotential für Wichmann. Das sind die Endspiele, die Spaß machen. Vielleicht bekommt man noch was zurechtgeknetet, ansonsten geht man ins Remis. Sollte man meinen. Wichmanns Gegner Thomas Hopmann kann die Partie drehen. Wichmann verliert taktisch seinen Turm und kassiert eine Niederlage der unangenehmeren Art. 2 zu 5 gegen uns.
Ich (Jörg Spreu) gehe mit Schwarz in die Skandinavische Verteidigung (1.e4 d5). Mein Gegner Michael Knaak spielt etwas überraschend mit 2.Sc3 weiter. Ungewohnt und noch nie in einer meiner Partien gesehen, aber kann nicht schlecht für Schwarz sein. Ich bekomme dann auch eine angenehme Stellung. Ich mache Schwächen in der gegnerischen Stellung aus und kann meinen Springer gut platzieren. Aber ich kann das nicht ausnutzen. Der Gegner lässt seine Bauern am Damenflügel vorpreschen. Auch dem gegnerischen Springer winken mittlerweile aussichtsreiche Felder. Zudem besetzt Weiß die offene b-Linie, über die seine Türme zu infiltrieren versuchen. Wohl noch alles ausgeglichen, aber der Gegner gewinnt irgendwie ein wenig die Initiative. Notbremse gezogen. Springer werden abgetauscht. Sämtliche Schwerfiguren tauschen sich größtenteils auf der b-Linie. Ich stehe im gleichfarbigen Läuferendspiel mit recht symmetrisch verteilten Bauern. Der Mannschaftskampf ist bereits entschieden und das Remisangebot meines Gegners nutze ich, um die Saison auf meinem Brett friedlich ausklingen zu lassen. Endstand 2.5 zu 5.5.
Wie ich später erfahren habe, war mein Optimismus bezüglich der Großhansdorfer Schützenhilfe nicht angebracht. Sasel IV konnte überraschend gegen Großhansdorf III ein Unentschieden holen, sodass wir selbst bei einem Sieg gegen St. Pauli abgestiegen wären. Schön ist der Abstieg nicht, und wir haben während der Saison einige Partien in hanebüchener Weise verschenkt; uns damit selbst um den Lohn gebracht. Aber auf der anderen Seite gab es gegen starke Gegnerschaft auch beachtliche individuelle Erfolge. Diverse Spieler haben ein DWZ-Plus erspielt. Allen voran Harald Meyer mit einem zu erwartenden DWZ-Gewinn von ungefähr 70 DWZ-Punkten. Linus Advani, Jörg Spreu, Astrid von Holten, Rolf Lohkamp sowie Volker Krause mit zu erwartenden DWZ-Gewinnen von 20 bis 30 DWZ-Punkten. Also so schlecht kann die Saison nicht gewesen sein. Es gab trotz des Abstieges viele Lichtblicke. Auch die Stimmung in der Mannschaft ist trotz des Abstieges meines Erachtens nach wie vor sehr gut.
Als Ersatzspieler und Ersatzspielerinnen kamen bei uns Ute Holinka (HSK 26), Hauke Blix (HSK 27) sowie Andrea Schulz (HSK 27) zum Einsatz. Alle drei sehr sympathische Spieler bzw. Spielerinnen und sehr gern bei uns gesehen.
Anmerkung der Redaktion:
Der Dank des Klubs geht an Mannschaftsführer und Berichterstatter Jörg Spreu, der nicht nur seit vielen Jahren sein Team liebevoll begleitet, sondern auch noch über jedes Spiel spannende Artikel verfasst! Und durch seine positive Art wird selbst in einer Abstiegssaison noch das Positive gesehen und der Zusammenhalt gestärkt. Das Team startete auf Platz 7 der Setzliste nach DWZ und landete auch am Ende auf diesem Platz: der Gang in die Kreisklasse steht an und dementsprechend können wir uns im nächsten Jahr auch wieder auf Berichte über gewonnene Mannschaftskämpfe dieses sympathischen Teams freuen!
In der Kreisliga D wird am 7. Mai der erste Platz in diese Gruppe ausgespielt: Da es zwei Aufsteiger in die Bezirksliga geben wird und Großhansdorf 3 schon alle Wettkämpfe bestritten hat, geht es im Finale zwischen HSK 23 und Stadtpark Barrio um den Staffelsieg! Dem Team von Gunnar Klingenhof würde ein 4:4 reichen, weil sie zwei Brettpunkte Vorsprung haben.
