Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Das Vereinsleben läuft langsam wieder an. In unserem HSK-Schachzentrum bieten wir an: Montag (ab 5.10.) 19.00 – 21.00 freie Partien und Training für Senioren, Mittwoch 10.00 – 12.00 freie Partien und Training für Senioren, Donnerstag 19.00 – 21.00 Training für Erwachsene und ältere Jugendliche, Freitag 18.00 – 22.00 freie Partien. Für Jugendliche diverse Trainingsgruppen an verschiedenen Wochentagen. Weitere Informationen unter den Reitern Aktuelles, Training und Termine. Nachfragen unter schachklub@hsk1830.de erforderlich. Genaue Bedingungen hier.

5. Runde HSK 4 in der Landesliga: Wir können es doch noch!

Eva Maria Zickelbein, Jürgen de Voogt, Bernhard Jürgens und Jakob Weihrauch 
(bitte Jacke beachten!) bei der Analyse! | Foto: Eva Maria Zickelbein
Eva Maria Zickelbein, Jürgen de Voogt, Bernhard Jürgens und Jakob Weihrauch (bitte Jacke beachten!) bei der Analyse! | Foto: Eva Maria Zickelbein

Nach einem wirklich gebrauchten Saisonstart mit dem Weißen Ballett mit vier Niederlagen traten wir am 19.01. in Fischbek zum ersten von fünf Endspielen an! Wir brachten ein starkes Team auf die Platte und nahmen die Herausforderung an.

Unser Jugendwart und Top-Scorer Bernhard Jürgens spielte sogar an seinem Geburtstag, wodurch er sich natürlich einen persönlichen Chauffeurservice und einen Kuchen verdiente:

Bernhard Jürgens | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Hier guckt Bernhard noch etwas sparsam, aber wahrscheinlich nur, weil er sich nur auf Carina Brandt und nicht auf seinen Gegner Alexander Schneider vorbereitet hatte. Dieser kleine Fauxpas rächte sich aber keineswegs, denn es kam genau die gleiche Französisch-Variante aufs Brett! Und in dieser wusste Bernhard einfach mehr als sein Gegner und dieser opferte dann harakirimäßig eine Figur für einen Königsangriff, den Bernhard elegant abwehren konnte.

Die Berichterstatterin war in der Zwischenzeit eine Runde in der herrlichen Fischbeker Heide gelaufen, ein mir bis dahin noch unbekanntes Naturschutzgebiet – wunderschön, das wird bestimmt wiederholt (auch wenn der Weg aus Eilbek weit ist):

Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Als ich wiederkam, hatte Bernhard das 1:0 schon geschossen und nachdem auch Jakob Weihrauch einige Zeit später in eine Zugwiederholung eingewilligt hatte, entstand dieses Bild bei der Analyse:

Eva Maria Zickelbein, Jürgen de Voogt, Bernhard Jürgens und Jakob Weihrauch
(bitte Jacke beachten!) bei der Analyse! | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Nachdem wir Bernhards Partie gechafft hatten – das Figurenopfer ging einfach nicht, guckten wir natürlich auch noch Jakobs Weißpartie gegen Jürgen de Voogt an (der hier leider abgeschnitten ist): Aus einem Paulsen-Sizilianer heraus hatte ich eigentlich das Gefühl, dass Jakob im Mittelspiel Vorteil hatte, einen wunderschönen Springer auf d5 und eine etwas schwächelnde schwarze Königsstellung nach der langen Rochade, nur noch Bauern auf a6 und b7. Es erwies sich jedoch als ziemlich schwer zu sehen: einen Moment lang hätte Jakob auf a6 einen Läufer opfern können und dann mit einem Turmschwenk von Th-g1, Tg5 gefolgt von massiven Drohungen auf der dritten Reihe, klaren Vorteil erziehen können, aber das ging wirklich nur einen Moment lang und in der Partiefortsetzung erhält Schwarz Ausgleich.

Etwa später gab es die zweite Punkteteilung, diesmal an Brett acht: Helge Cope musste sich als Schwarzer gegen Nikolas Egelriede mit dem schottischen Vierspringerspiel auseinandersetzen und alles am Brett finden. Dafür benötigte er viel Zeit und als er nach vielen Abtäuschen das Gefühl hatte, seine Stellung konsolidiert zu haben, bot er Remis an. Das wurde auch dankenswerterweise angenommen, denn die Engine sagte uns später, dass Weiß durchaus noch Vorteil und Ideen hatte.

Insgesamt blickten wir aber zuversichtlich auf den Wettkampf: sehr gute Stellungen bei David Meier gegen Carina Brandt und bei Edeljoker Stefan Schnock gegen Philip Reichhardt, eine etwas dubiose Stellung von Oliver Frackowiak gegen Jakob Kneip und völlig offene Stellungen von Sergius Kirsch gegen Denis Schermer und Thore Posske gegen Thomas Peters. Den Anfang machte dann Sergius mit einem Remis aus einer königsindischen Struktur:

Sergius Kirsch | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Hier hatte Sergius grad e3 gespielt, doch Weiß verteidigte sich genau und hätte vielleicht noch bei sehr genauem Spiel Vorteil erzielen können: Punkteteilung sehr in Ordnung für uns!

Dann spielte sich aber ein mittleres Drama am Nebenbrett ab: Stefan Schnock hatte in einem Sizilianer mit 3. b3 seinen Gegner ziemlich an die Wand gespielt:

Stefan Schnock | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Hier hatte Stefan bereits eine Figur geopfert und spielte e6! Nach dem only move Lf8 entschied sich Stefan für exd7, laut Engine immer noch +4,5 (etwas strenger wäre noch e7 gewesen). Leider lief er nach Td8 Sf4 (besser: Tc7) d4! Lxd4 Txd7 Tc5? Dd2 in einen fiesen Grundlinientrick hinein und die Stellung war hoffnungslos. Das war natürlich richtig großes Pech und am allermeisten tat es uns für Stefan leid, der so eine makellose Partie gespielt hatte, bis er mit knapper Zeit den Faden verlor…

Ein Lichtblick war aber nach dieser frustrierenden Niederlage die klare Gewinnpartie von David: auch hier eine königsindische Struktur, aber mit großen Problemen für Carina in der g-Linie und einer Fesslung des Springers auf e5, die sehr unangenehm war. David spielte sehr ruhig und sauber und baute seinen Vorteil kontinuierlich aus. Es fiel erst ein Bauer, dann noch einer und schließlich ein dritter. Ein, zwei kleine Drohungen musste er noch abwehren und dann stand sein Sieg fest:

Wenige Züge vor dem 1:0: David Meier zog Dxh7+ und der Vorteil wird erdrückend. | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Kurz vor diesem Sieg am dritten Brett hatte auch Oliver Frackowiak sein schlechteres Turmendspiel gegen Jakob Kneip Remis gehalten, so dass wir auf eine 4:3-Führung blicken konnten. Das war ja schon einmal etwas, denn einen Mannschaftsprunkt hatten wir in dieser Saison noch nicht erreicht! Jedoch würde das angesichts der angespannten Tabellensituation etwas dünn sein, so dass wir alle auf die letzte verbleibende Partie von Thore Posske mit Weiß gegen Thomas Peters hofften!

Und eigentlich gingen wir auch erst einmal ziemlich entspannt an die Sache heran, denn Thore hatte wie immer eine kreativ-interessante Stellung aufs Brett gezaubert, die Chancen auf beiden Seiten ermöglichte, die ihn aber auch wieder sehr viel Zeit gekostet hatte. In der ersten Zeitnot vor dem 40. Zug begannen wir langsam, uns Sorgen zu machen. Doch dann konterte er trotz unsicherer Königsstellung gekonnt mit Schwerfigurendrohungen auf b5 und e7 gegen den schwarzen König und konnte einen Generalabtausch mit mehreren Bauerngewinnen in eine remises Doppelturmendspiel erzwingen. Erleichterung! Doch kurz danach: Panik! Thore verschmähte diese Option, behielt die Damen auf dem Brett und wurde dann noch superfair bei runtertickenden 5 Sekunden von seinem Gegner darauf hingewiesen, dass er die Uhr nicht richtig gedrückt hatte (Fairnesspokal, vielen Dank!). Nach überstandener Zeitnot und 50 Minuten frischer Zeit versenkte sich Thore natürlich abermals mehrere Male sehr, sehr tief in die Stellung, die aber auch wirklich unglaublich ideenreich war. Schließlich musste er einen Turm im Schwerfigurenendspiel geben, hatte aber unglaublich viele Dauerschachtricks. Und irgendwie schaffte er es mit Übersicht und dem viel gerühmten puren Rechnen (das aber immer so viel Zeit kostet), den Gegner vor so viele Probleme bezüglich der drohenden Dauerschachs zu stellen, dass dieser Material zurückgab. Nun hatte Thore die Dame und seinen f-Bauern gegen zwei Türme des Gegners, der dann irgendwann auch nur noch seinen b-Bauern hatte. Und hier wurde es anscheinend auch für Thomas zu aufregend; als Thores Bauer bis nach f7 vordrang, unterbrach er die Verbindung seiner Türme. Diese Chance ließ sich Thore nicht entgehen und er erzwang die Zugwiederholung:

Nach 6,5 langen Stunden das 4,5 für die Galacticos: Thore Posske und Thomas Peters geben sich die Hand nach einem großen Fight! | Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Thore Posske mit Helge Colpe und Oliver Franckowiak| Foto: Eva Maria Zickelbein

 

Die Erleichterung war natürlich unendlich groß, auch bei Helge Colpe und Oliver Frackowiak hier mit Thore auf dem Foto, denn damit war der erste Saisonsieg eingefahren und der Anschluss an andere abstiegsgefährdete Teams ist hergestellt! Das Weiße Ballett lebt noch und wir werden bis zur letzten Runde alles geben, um die Klasse zu halten! Weiter geht’s am 9. Februar wieder auswärts gegen die Schachfreunde 2!

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