Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Die Corona Einschränkungen im Sport sind beendet!
Für Spieler, Gäste und Zuschauer gibt es keine Auflagen mehr!

Einen offenen Spielbetrieb auch für Gäste gibt es jeden Freitag von 18:30 – 22:00 Uhr. Wir freuen uns über alle Interessierten , die uns kennenlernen möchten. Wir bitten um Anmeldung über schachklub@hsk1830.de.

HSK XVI – Großhansdorf II

Meine Annahme, dass mit dem Sieg des jungen Bergstedter Dreamteams HSK 15 endlich auch der HSK in den HMM 2022 angekommen ist, korrigiere ich mit Freude. Unsere Ankunft in den HMM hatte schon am Tag vor diesem Sieg im Match des älteren Bergstedter Dreamteams HSK 16 stattgefunden, wie es Sebastian Weihrauchs schöner Bericht deutlich macht. Wer folgt seinem Beispiel und bietet mehr als meine zwar regelmäßigen, aber kargen Notizen zu unseren Wettkämpfen?

HSK XVI – Großhansdorf II

Nach mehr als zwei Jahren wieder ein echter HMM-Mannschaftswettkampf an acht Brettern! Die Vorfreude bei den Überbleibseln von dem, was früher mal von Christian als „Bergstedter Dreamteam“ tituliert worden war, war groß. Inzwischen sind wir die übriggebliebenen Väter, die durch eine Reihe gelungener Transfers ergänzt worden sind und eigentlich nicht mehr und nicht weniger als ein ganz normales HSK-Team sind – allerdings mit viel Mannschaftsgeist. Und der hat sich auch bei unserem ersten Auftritt wieder gezeigt. wozu sowohl unsere Debütantin Annica Garny als auch unsere Ersatzspieler Chad Smith, Artur Lerm und Colin Hildebrandt großen Anteil hatten.

An sich dachten wir, als Favoriten in den Mannschaftskampf zu gehen, aber einige Corona-bedingte und sonstige Ausfälle haben uns stark geschwächt, sodass wir ohne unsere ersten drei Bretter in das Spiel gehen mussten. Dafür hat unser Kaptein Nico allerdings hervorragenden spielstarken und sympathischen Ersatz besorgt.

Womit wir allerdings nicht gerechnet haben war, dass unser Gegner auch „geschwächt“ war und die Ausfälle mit drei Spielern an den letzten drei Brettern ergänzte, die zwischen knapp 1800 bis rund 1900 DWZ auf die Waage brachten und damit die stärksten Spieler beider Mannschaften waren. Das entschied letztlich den Mannschaftskampf, was aber angesichts der Freude, wieder gemeinsam echte Figuren schieben zu dürfen, letztlich nebensächlich war.

Frederik Fuhrmann, von dem ich vor dem Spiel noch gesagt hatte, dass er normalerweise nicht vor 24:00 Uhr sein Partieformular unterschreibt, war heute als erster fertig – und das mit dem schönsten Erfolg des heutigen Abends: er konnte nämlich an Brett 5 einen 200 Punkte stärkeren Gegner bezwingen. Wie das vonstatten ging? Keine Ahnung, denn als ich relativ spät meine erste Runde drehte, um mal einen Blick auf die anderen Bretter zu werfen, war Frederik schon fertig. Das nenne ich mal einen gelungenen Saisonstart nach langer Pause! 1:0.

Colin Hildebrandt, unser jüngster Spieler, ist für uns aus seinem Schach-Ruhestand zurückgekehrt und hat sich gegen seinen mehr als 900 Punkte (!) stärkeren Gegner wacker geschlagen, musste aber mit einem Isolani spielen, der ihm bald verloren ging, ohne dass er Kompensation dafür bekommen konnte. Nachdem der zweite Bauer verloren ging, entglitt ihm die Partie, bis auch ein Springer gefangen wurde und alles auseinanderfiel. 1:1. Als sehr gutes Zeichen werte ich es, dass Colin später noch seine Partie analysieren wollte und wir zusammen mit Jones gemeinsam überlegten, wie man vielleicht mehr aus der Stellung hätte holen können. Ich habe die Hoffnung, Colin künftig wieder häufiger im Klub zu sehen.

Meine (Sebastian Weihrauch) Partie am ungewohnten Spitzenbrett verließ nie die Remisbreite, bis ich mich mit einer Zugwiederholung zufrieden gab, weil ich fürchtete, anderenfalls in ein nachteiliges Endspiel gezwungen zu werden. Wahrscheinlich wäre das allerdings auch eher remislich gewesen und hätte ich gewusst, wie sich der Abend noch entwickeln würde, hätte ich mich auf das Abenteuer einlassen müssen. Im Nachhinein ärgerlich! 1,5 : 1,5.

Mark Bölke stand an Brett 2 recht gut, als er mit der richtigen Einstellung ein gegnerisches Remisangebot ablehnte. Nur kurze Zeit später ging ihm allerdings ein Bauer verloren und jetzt musste er um den halben Punkt bangen. Nun wollte sein Gegner nichts mehr von Remisangeboten wissen und Mark musste kämpfen, was er auch unverdrossen machte. Mit viel Geschick schaffte Mark es in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern abzuwickeln, in welchem der Minusbauer bedeutungslos wurde. 2:2.

Artur Lerm ergriff in seiner Partie an Brett 7 früh die Initiative und konnte einigen Druck auf die gegnerische Stellung ausüben, sodass ich sehr lange mit viel Zuversicht auf diese Partie schaute. Letztlich gelang es seinem Gegner allerdings, seine Stellung zu konsolidieren und zudem noch mit einer starken Bauernkette, Arturs Dame auf a8 und den Läufer auf b7 zur Wirkungslosigkeit zu verdammen. Zu allem Überfluss blieb Artur auch keine Zeit mehr, diese Figuren wieder anderweitig in das Spiel zu bringen, weil er sich am Königsflügel eines Angriffs erwehren musste, der letztlich spielentscheidend war. Artur stemmte sich mit vollem Einsatz gegen die Niederlage, die allerdings gegen einen der sehr starken Großhansdorfer Nachrücker letztlich nicht allzu sehr schmerzte. 2:3

Annica Garny spielte bei ihrem Debüt für unser Team an Brett 3 vielleicht die interessanteste Partie des Abends. Sie konnte mit sehr aktiven Figuren viel Druck auf die gegnerischen hängenden Bauern am Damenflügel ausüben. Vor allem ihr fianchettierter Läufer auf g7 machte dabei einen guten Job. Die Situation am Damenflügel spitzte sich zu und wurde extrem kompliziert, sodass ich als Kiebitz große Schwierigkeiten hatte zu überblicken, was auf beiden Seiten alles drohte. Erst spät entlud sich die Spannung und Bauern und Figuren flogen vom Brett. Als der Rauch sich lichtete, sah es allerdings nicht mehr so vielversprechend aus wie zuvor: Mit Turm gegen zwei Figuren und v. a. gegen einen gegnerischen Freibauern war das entstehende Endspiel mindestens schwierig. Folge der lange komplizierten Stellung war, dass Annica nur noch zwei Minuten bis zur Zeitkontrolle übrig hatte und in dieser Zeit noch zehn Züge zu überstehen waren. Ihr Remisangebot war deshalb sicher eine gute Idee. 2,5: 3,5

Chad Smith spielte an Brett 6 eine gute Partie, in der er lange gut stand. Doch der Wind drehte sich und als Chad sich in einem Doppelspringerendspiel wiederfand, bei dem die eigenen Springer kaum Felder hatten und an die Verteidigung von Bauern gebunden waren, während die gegnerischen Springer Angst und Schrecken verbreiten konnten, wurde die Sache schwierig. Es gingen zwei Bauern verloren, dafür bekam Chad wieder mehr Initiative und einen Freibauern, der – auch weil Chad jetzt wieder sehr dynamisch spielte – uns wieder Hoffnung brachte. Doch eine Ungenauigkeit kostete letztlich diesen Bauern und die einzige Hoffnung bei einem gegen drei Bauern am Königsflügel und jeweils zwei Springern bestand letztlich darin, dass sich beide Springer gegen die drei gegnerischen Bauern opferte. Dies verhinderte Chads starker Gegner allerdings gekonnt, sodass Chad nach großem Kampf, in dem er gezeigt hat, dass er mit seinem 300 Punkte stärkeren Gegner mithalten kann, die Waffen strecken musste. 2,5 : 4,5.

Als Nico Müller seine schöne Angriffspartie an Brett 4 siegreich beenden konnte, war die Messe also bereits zu unseren Ungunsten gelesen. Trotzdem: Käpt’n Nico dominierte seinen Gegner heute sehr überzeugend und schon früh sah es für ihn sehr gut aus. Durch sein druckvolles Spiel konnte er nicht nur einen Bauern gewinnen, sondern weitere Schwächen im gegnerischen Lager schaffen, die er dann konsequent ausnutzte. Im Turmendspiel führte das dann zu weiteren Bauerngewinnen und schließlich zu einem sehr schönen Start-Ziel-Sieg.

Am Ende stand also ein 3,5 : 4,5 gegen einen durch seine Einwechslungen deutlich gestärkten Gegner. Letztlich war das Ergebnis für uns allerdings heute eher eine Randnotiz, weil es sich so schön anfühlte, mal wieder als Mannschaft zusammen zu kämpfen. Und wenn an einem Donnerstag-Abend alle acht Spieler nicht nur bis zum Schluss des Spiels vor Ort bleiben, sondern danach noch bis halb eins zusammensitzen, um über große Kämpfe und verpasste Chancen zu plaudern – und Mark dadurch auch noch ein Geburtstagsständchen bringen können – dann zeigt das doch, dass hier wieder ein echtes Team zusammenwächst!

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