Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Da müssen wir durch. Vom 2. bis zum 30. November schließen wir unser Klubheim wieder. Es besteht ein absolutes Betretungsverbot. Ausnahmen, um z.B. wichtige Unterlagen aus dem Klub zu holen, müssen bei unserem Hygienebeauftragten Manfred Stejskal beantragt werden.

HSK 12 springt siegreich an die Spitze

In der zweiten Runde stand der erste Auswärtskampf der Saison an. Auf der anderen Seite der Elbe erwartete uns der SC Schwarz-Weiß Harburg. Die Rollen waren vor Beginn des Vergleichs klar verteilt, die Gastgeber hatten im letzten Jahr, durch eine starke kämpferische Leistung, gerade so die Klasse gehalten und werden auch in diesem Jahr um jeden MP kämpfen müssen. Für uns zählte also nur ein Sieg.

Der Spieltag begann aber mit einem Rückschlag, Philip musste kurzfristig absagen und ich befürchtete schon eine kampflose Niederlage. Doch Christian schaffte es mit seiner unvergleichlichen Art doch noch schnell Michael Schönherr als Ersatzspieler zu organisieren. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an beide für ihren kurzfristigen Einsatz. So gingen wir mit folgender Aufstellung in den Mannschaftskampf: Kevin Weidmann, Tom Wolfram, Constanze Wulf, Boriss Garbers, Marvin Machalitza, Felix Ihlenfeldt, Diana Garbere, Michael Schönherr.

Eröffnet wurde das Duell am achten Brett. Michael und sein Gegenüber tauschten schnell viele Figuren und auch wenn Michael es noch etwas probierte, schlussendlich war beiden klar, dass diese Partie keinen Sieger finden würde und so einigten sie sich auf ein Remis.

Deutlich spektakulärer ging es dagegen am Nachbarbrett zu. Diana konnte aus der spanischen Eröffnung heraus einen Vorteil für sich erringen. Doch anstatt zu versuchen diesen langsam zu verwerten, entschied sie sich für den direkteren Weg und opferte eine Figur, um einen Königsangriff zu starten. Das hatte zur Folge, dass in den nächsten Minuten alle 16 Augenpaare fast ausschließlich auf Brett sieben gerichtet waren. Ihr Gegner konnte dem entstehenden Druck nicht standhalten und war nicht in der Lage, Dianas zu optimistisches Figurenopfer zu bestrafen. Im Gegenteil, Diana schaffte es bald das Material zurückzugewinnen und mit einem Bauern mehr ins Turmendspiel zu gehen. Dort bewies sie gute Technik und verwandelte den Mehrbauern in den ersten vollen Punkt des Tages.

Ein Brett weiter ließ ich mich von der sehr ungewöhnlichen Eröffnungswahl meines Kontrahenten in die Irre führen und fand mich plötzlich in einer unangenehmen Stellung wieder. Glücklicherweise bestrafte mein Gegner dies nicht und ich schaffte es mich zu konsolidieren. Als ich schon begann mich mit einem Remis abzufinden, leistete sich mein Gegner einen Fehler, welcher es mir ermöglichte, die Kontrolle über die Stellung zu gewinnen. Auf dem Weg die positionelle Überlegenheit in materiellen Gewinn zu verwandeln, war es nun aber wieder an mir fehlzugreifen. Ich übersah ein folgenschweres Zwischenschach und musste nun alle meine Siegchancen begraben und ins Remis einwilligen, um Schlimmeres zu verhindern.
Am vierten Brett sah sich Boriss dem eher seltenen b3 Sizilianer gegenüber. Aber ihm gelang es problemlos Ausgleich herbeizuführen. Weiß wählte insgesamt einen sehr passiven Aufbau und ermöglichte es Schwarz einen Königsangriff zu starten. Dieser wurde jedoch zu zögerlich vorgetragen, sodass Schwarz schaffte es nicht schaffte, den nötigen Durchbruch herbeizuführen, um die weiße Königsstellung entscheidend zu schwächen. Bei einem eigentlich ungefährlichen Abtausch schlug Boriss dann vorschnell mit dem falschen Bauern zurück und sorgte für eine gefährliche offene Linie. Über jene entwickelte Weiß aktives Spiel und konnte dieses mit dem Gewinn einer Qualität veredeln. Die erwies sich als spielentscheidend und Boriss musste aufgeben.

Nach der Hälfte der gespielten Partien stand es damit nur 2:2 und ich wurde etwas nervös. Nach einem längeren Blick auf die verbliebenen Partien legte sich meine Nervosität jedoch wieder. An Brett Nummer 5 konnte Marvin, aus seinem geschlossenen Sizilianer heraus, viel Initiative am Königsflügel entwickeln. Um dem mit eigenem Gegenspiel am Damenflügel zu begegnen entschied sich Schwarz zu einem Bauernopfer. Diese Hypothek erwies sich jedoch als zu hoch und Marvin brachte den Mehrbauern souverän ins Ziel. Damit gingen wir wieder mit 3:2 in Führung.

Und auch an den anderen Brettern entwickelten sich die Stellungen in unsere Richtung. Tom hatte seinen Gegner mit dem Blumenfeld Gambit auf dem falschen Fuß erwischt und konnte schnell eine sehr angenehme Stellung erreichen. Bei einer langen Abwicklung ins Endspiel verrechnete sich sein Gegner dann entscheidend und Tom konnte per Zwischenschach eine Figur gewinnen. Der Rest war dann nur noch Formsache und wir konnten erstmalig auf zwei BP davonziehen.

Besonders gespannt war ich auf Kevins Partie am ersten Brett. Nicht nur weil es Kevins erste Partie in diesem Jahr für uns war, sondern auch weil er mir vor Beginn verriet, dass dies die erste spanisch Turnierpartie seines Lebens werden würde. Dafür lief die Eröffnung sehr gut, er profitierte allerdings auch von einer Ungenauigkeit seines Gegners. Davon leistete er sich eine weitere als er eine Fesselung übersah und einen Bauern geben musste. Der Bauer war jedoch nicht das Schlimmste, Kevin konnte nun sehr aktives Spiel gegen den schwarzen König entwickeln. Nach langer Belagerung kollabierte schließlich die schwarze Stellung und Kevin konnte den benötigten 5. Punkt einfahren. Einen Schönheitsfehler hatte die Partie allerdings, da er zwischenzeitlich ein hübsches Matt übersah, vielleicht seid ihr ja besser als Kevin.

Für den erfolgreichen Abschluss sorgte Constanze am dritten Brett. Ihr Gegner leistete sich in der Eröffnung einige sehr zeitaufwändige Damenmanöver. Dies führte zu einem beträchtlichen Entwicklungsnachteil. Schnell wurde klar, dass diese Partie nur in eine Richtung gehen würde und als Conny es dann noch schaffte einen isolierten Doppelbauern zu kreieren, war allen klar, dass der Sieg nur noch eine Frage der Zeit war. Am Ende schaffte es Conny einen Freibauern durchzubringen und der Gegner musste eine Figur opfern, um ihn aufzuhalten. Das sorgte für den 6:2 Endstand.

Schlussendlich sind wir unserer Favoritenrolle gerecht geworden und konnten souverän zwei MP ans andere Elbufer entführen. Durch den Sieg schafften wir sogar den Sprung an die Spitze der Tabelle. Diese gilt es in den kommenden Runden zu verteidigen, dann werden auch die Gegner zunehmend stärker werden.

HSK 12 6:2 SW Harburg
Kevin Weidmann 1-0 Siyuan Lu
Tom Wolfram 1-0 Hans-Jürgen Steiner
Constanze Wulf 1-0 Reinhard Decker
Boriss Garbers 0-1 Niels Mauch
Marvin Machalitza 1-0 Malte Turski
Felix Ihlenfeldt 0.5-0.5 Edmund Szczepanski
Diana Garbere 1-0 Valeriy Ilyanoj
Michael Schönherr 0.5-0.5 Max Timm

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