Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Unser HSK-Schachzentrum wird langsam wiederbelebt!

Am 25. Juni beginnen wir in kleinen Schritten und eröffnen den Spielbetrieb. Jeden Freitag ist dann von 18.00 – 22.00 geöffnet. Eine Anmeldung ist noch erforderlich.

Ab sofort dürfen geschlossene Trainingsgruppen wieder im Schachzentrum trainieren. Dazu müssen die Trainer die Bedingungen und Zeiten mit unserem Vorstand und Hygienebeauftragten Manfred Stejskal abklären.

Unsere Online Aktivitäten laufen weiter.

Zum Abschied von Claus Langmann (5)

Schon am 19. April ist Claus Langmann im „Begräbniswald Küstenfrieden Eckernförde“ im Kreis der Familie und engster Freunde beigesetzt worden: unter einem Baum, den er schon vor langem als Ort seiner letzten Ruhestätte ausgewählt hatte. Nach seinem Tod in einem Volksdorfer Hospiz, in das ihn sein Sohn Christian für die letzten vier Monate seines Lebens geholt hatte, ist Claus in die Landschaft zurückgekehrt, die er nach seiner Pensionierung als seinen Lebensraum gewählt hatte. Über zwanzig Jahre hat Claus in einem Haus direkt an der Schlei gelebt, „auf dem Holzhof“ nahe Rieseby, um nach dem Arbeitsleben in der Stadt ein freies und doch geregeltes Leben in der Natur zu führen. Ob Sommer oder Winter, die Schlei, die er nach wenigen Schritten erreichte, war ihm immer wichtig und hielt ihn gesund. Hier konnte er im Sommer schwimmen und bis in den Herbst surfen, aber selbst die im Winter vereiste Schlei zog ihn für ein kurzes Erfrischungsbad in ein ins Eis geschlagenen Loch.

Meine Sorge, dass Claus nun 140 km ins HSK Schachzentrum fahren musste und sich weniger für den Klub engagieren könnte, erwies sich schnell als unbegründet. Claus fand zwar im näheren Eckenförder SC v. 1921 eine zweite schachliche Heimat, baute dort die Jugendarbeit auf und wurde auch Mitglied des Vorstands, aber er blieb auch dem HSK treu, Das Ziel unserer großen Jugendreise im Mai/Juni 2000 war nicht zufällig die Jugendherberge Borgwedel an der Schlei. Claus half bei der Vorbereitung und besuchte unsere Kids regelmäßig: zu Wettkämpfen und gemeinsamem Training brachte er auch Eckernförder Kinder mit. Auch einige seiner neuen erwachsenen Schachfreunde waren bei uns, um einen Vortrag von Karsten Müller zu verfolgen und ein großes Blitzturnier mit uns zu spielen, das Claus moderierte. Der Holzhof nahm uns Claus nicht weg, sondern wurde eher zu einer HSK-Außenstelle. Besuch von Freunden war immer willkommen, und der Höhepunkt jeder Saison für Claus‘ Stadtliga-Mannschaft, die er weiterhin als Kapitän führte, war eine Feier an der Schlei mit einem Blitzturnier im Rutschsystem im Garten des Holzhofs.

Claus Langmann im Elbe EKZ (2002) | Foto: HSK Archiv

Claus kam aber nicht nur zu Wettkämpfen nach Hamburg, sondern er half uns auch bei unseren Schachwochen in Hamburger Einkaufszentren. Fuhr er nach den Turnieren regelmäßig um Mitternacht noch Hause, blieb er dann die ganze Woche über in Hamburg und wohnte bei mir in Rahlstedt. Diese Wochen mit einem täglichen gemeinsamen Programm vom frühen Morgen – von 10 bis 20 Uhr dauerten unsere Angebote in den Zentren – bis Mitternacht werde ich nicht vergessen. Eigentlich waren wir schon geschafft, wenn wir in Rahlstedt ankamen, aber ein schnelles Abendbrot brachte uns wieder in Form und dann machten wir Tag für Tag bis in die Nacht unsere „Center-Zeitung“, ich schrieb, Claus las Korrektur, und wir hielten uns gegenseitig wach. Besonders im Elbe-Einkaufs-Zentrum fand diese Zeitung viele Leser – sie gehörte einfach zum Standard unserer Schachwochen.

Claus Langmann mit seinem HSK Jubiläumsgeschenk; daneben Christian Zickelbein | Foto: Arthur Hofmeier

Doch dies war nicht die einzige „Schreibarbeit“, an der Claus beteiligt war. Das Foto von Arthur Hofmeier zeigt, was er ganz allein geleistet hat: die Transkription der handschriftlich niedergeschriebenen Dokumente aus dem Schachleben des Hamburger Schachklubs seit 1830 bis 1945, festgehalten in zwei in Leder gebundenen Bänden. Andreas Schild hat im Vorwort zur 2. Auflage Claus‘ unschätzbare Leistung in einer fast fünf Jahre dauernden Arbeit gewürdigt. „Allein 700 Seiten mit dem Computer zu schreiben, bedeutet einen erheblichen Zeitaufwand.“ Die in Deutscher Schrift verfassten Dokumente ließen eine einfache Abschrift nicht zu, sondern verlangten eine z.T. mühsame Entschlüsselung unterschiedlicher Handschriften und Formate. Claus hat diese große Arbeit in unserem Jubiläumsjahr 2005 abgeschlossen, Andreas Schild hat dann für den Druck der Chronik gesorgt, schon 2006 gab es eine zweite Auflage. Das ganze Werk ist auch auf unserer alten Homepage aufzurufen; hier ist der Link.

Claus Langmann mit der Jubiläumstorte von Wilfried Mordhorst | Foto: Arthur Hofmeier

Ein Höhepunkt in der Geschichte des Klubs war das „Claus Langmann 60Plus Turnier“, das im Format des traditionellen Schnellturniers für Senioren zur Feier von Claus‘ 60jähriger Mitgliedschaft einmal nicht im Mai, sondern im Oktober stattfand. Theo Gollasch, der das Turnier vor Gisbert Jacoby, und Eberhard Büker gewann, berichtet in aktuell 5/2007 (zu finden über das Archiv) über die zweitägige Veranstaltung mit vielen Mitgliedern und Gästen. Arthur Hofmeiers Foto zeigt Claus mit der Jubiläumstorte, einem Geschenk von Elke Mordhorst, deren Mann Wilfried im Mai 2011 sein 60jähriges HSK-Jubiläum feiern konnte. Zum „Claus Langmann 60Plus Turnier“ entwickelte Arthur Hofmeier ein Poster, das viele Momente von Claus‘ langer Mitgliedschaft im HSK zeigt, von den Festen, die Alice Fischer veranstaltete, über frühe Jugendturniere bis hin zu Claus‘ eigener Tätigkeit als Turnierleiter.

Das Poster zu Claus Langmanns 60 jährigem HSK-Jubiläum | Foto: HSK Archiv

2011 entwickelte Andreas Schild die „HSK Seniorentriade“, die bis 2019 mit einem Blitz- und einem Schnellturnier das „HSK CLPlus Turnier“ mit fünf langen Partien an gemütlichen Nachmittagen einrahmte. 2020 verhinderte Corona ihre Austragung, aber wir hoffen, 2022 nach zwei Jahren Pause das Turnier wiederbeleben zu können, auch wenn wir zurzeit keinen Seniorenreferenten haben. Als besondere zusätzliche Preise könnte es für alte Freunde bei dieser Seniorentriade klassische Titel aus dem Nachlass von Claus Langmann geben. Ich baue darauf, dass sich auch in Erinnerung an Claus‘ vielfältiges Engagement jemand finden wird, der diese wichtige Aufgabe übernehmen wird – auch wenn Claus selbst niemals „Seniorenreferent“ war, sondern in vielen anderen Ämtern gewirkt und an vielen Seniorenturnieren teilgenommen hat, von der Europa-Mannschaftsmeisterschaft in Dresden 2008 in einem HSK Team bis zur Meisterschaft von Schleswig-Holstein in Büsum, zuletzt in 2017, wo er mit einem starken Endspurt mit 5 aus 9 noch an seinem Freund Werner Schirmer vorbeizog. Auch nachdem Claus seine Stadtliga-Mannschaft an den inzwischen auch verstorbenen Ralph Oelert abgegeben hatte, nahm er noch einige Jahre lang in verschiedenen Mannschaften an den HMM teil, um immer neue, auch junge Mitglieder kennen zu lernen. Obwohl seine Kraft nach seiner ersten Erkrankung 2015 für die nächtliche Rückfahrt an die Schlei nicht mehr reichte, spielte er weiter und blieb nach dem Match bei der Familie seiner Tochter Beatrix in Hamburg.

Es war schön, Claus immer wieder im Klub zu treffen. Zuletzt habe ich ihn Ende Oktober 2020 gemeinsam mit meiner Tochter auf seinem Holzhof besucht. Auf dem Weg zu seiner letzten Ruhestätte konnte ich ihn leider nicht begleiten, aber ich werde Claus immer im Herzen behalten, und der HSK wird sein Andenken Jahr für Jahr mit „seinem“ Turnier ehren. Das „HSK CLPlus Turnier“ als Herzstück unserer Seniorentriade wird 2022 auch dem Seniorenschach im HSK einen neuen Impuls geben.

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