Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Das Vereinsleben läuft langsam wieder an. In unserem HSK-Schachzentrum bieten wir an: Montag (ab 5.10.) 19.00 – 21.00 freie Partien und Training für Senioren, Mittwoch 10.00 – 12.00 freie Partien und Training für Senioren, Donnerstag 19.00 – 21.00 Training für Erwachsene und ältere Jugendliche, Freitag 18.00 – 22.00 freie Partien. Für Jugendliche diverse Trainingsgruppen an verschiedenen Wochentagen. Weitere Informationen unter den Reitern Aktuelles, Training und Termine. Nachfragen unter schachklub@hsk1830.de. Genaue Bedingungen hier.

3,5 reicht auch – Zentrale Endrunde der JBL in Uelzen

Für das Jahr 2020 war das gleiche Ziel wie für 2019 ausgerufen: Der Gewinn der Deutschen-Vereinsmeisterschaften in der U20. Doch bevor Träumen erlaubt war, musste erst einmal die Teilnahme an der DVM gesichert werden. Dafür galt es in der Jugendbundesliga Nord, die noch einmal in die Staffeln West und Ost unterteilt ist, den ersten von 10 Plätzen zu erreichen. Der zweite Platz der Staffel hat außerdem die Möglichkeit über einen kleinen Umweg, einen Stichkampf gegen den Zweitplatzierten der Staffel Ost, die Qualifikation für die DVM unter Dach und Fach zu bringen.

7 von 9 Runden waren bereits gespielt, ehe es am letzten Wochenende (19. und 20. September) zum großen Showdown in Uelzen kam. Auf uns warteten mit TuRa Harksheide und Post SV Uelzen zwei direkte Konkurrenten um die Qualifikationsplätze:

Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 MP BP
1. Hamburger SK 3 4 3 6 4 4 12 27½
2. TuRa Harksheide 3 11 30
3. Lübecker SV 3 4 3 3 6 11 28
4. Post SV Uelzen 2 6 5 6 10 29½
5. SK Lehrte 2 3 0 3 6 8 22
6. Johanneum Eppendorf 3 ½ ½ 4 7 16½
7. SK Doppelbauer Kiel ½ 3 3 4 17½
8. Hagener SV 0 3 0 3 13
9. Delmenhorster SK 2 ½ 1 2 6 2 16½
10. SC Aurich 2 0 0 0 2

Bedingt durch das Coronavirus kam es zum Rückzug dreier Teams (SC Aurich, Delmenhorster SK und Hagener SV). Die ausstehenden Wettkämpfe dieser Mannschaften wurden allesamt kampflos mit 0-6 gewertet. Dadurch war nicht nur im Abstiegskampf die Entscheidung vorzeitig gefallen, sondern auch der Vierkampf um die Qualifikationsplätze wurde beeinflusst. So fuhr Lübeck zwei 6-0 Siege gegen die zurückgezogenen Teams aus Aurich und Delmenhorst ein, die neben den 4 Mannschaftspunkten auch 12 Brettpunkte bedeuteten. Somit war Lübeck in der Zweitwertung nicht mehr zu toppen und musste über die Mannschaftspunkte geschlagen werden. Unsere Ausgangslage war also klar: Wir brauchten zwei Siege, um die JBL zu gewinnen und unsere Teilnahme an der DVM Ende dieses Jahres zu sichern.

Am Samstagmorgen ging es also los mit dem Zug Richtung Uelzen. Der Beginn des Wochenendes war schonmal holprig: Ein Spieler, dessen Name nicht genannt werden darf, verspätete sich, sodass wir den Zug verpassten und sich unsere Abfahrt um eine Stunde nach hinten verschob. Allerdings entpuppte sich unser Zuspätkommer im Laufe des Wochenendes als Matchwinner, der uns mit 2 Punkten aus 2 Partien zum Titel führen sollte.

Nachdem wir also mit einer Stunde Verspätung in Uelzen eintrudelten, ließ der HSK erstmal eine Runde Pizza springen, um den Tank wieder aufzufüllen. Gestärkt ging es dann zur achten Runde gegen die in Bestbesetzung auflaufende Mannschaft von TuRa Harksheide.

Doch auch wir waren bis an die Zähne bewaffnet und gingen mit der bestmöglichen Aufstellung in Uelzen an den Start: Luis Engel, Tom Woelk, Jakob Weihrauch, Robert Engel, Henning Holinka, Isaac Garner.

Bereits nach 9 Zügen schepperte es am zweiten Brett. Tom wähnte sich noch in seiner Vorbereitung und opferte selbstbewusst einen Springer, um den weißen König in die Brettmitte zu zerren. Tatsächlich aber war das Opfer objektiv nicht so gut wie gedacht und bei korrekter Verteidigung hätte der schwarze Angriff abgewendet werden können. Doch das sehr überzeugte Auftreten von Tom schien den Gegner gehörig zu beeindrucken. Die Partie nahm einen für Tom günstigen Verlauf und bereits wenig später stellte er die Weichen auf Sieg. Die wichtige 1-0-Führung durch unser Brett 2. Leider verschaffte diese Führung unserem Team keine Sicherheit. Luis, Jakob und Henning hatten allesamt eine Qualität mehr, sahen sich jedoch starkem Angriff ausgesetzt. Robert hatte ein unangenehmes, aber objektiv ausgeglichenes Endspiel auf dem Brett, währen sich Isaac mit einem Minusbauern im Turmendspiel konfrontiert sah. Dieses war nicht zu halten und auch Luis verlor schließlich im Endspiel. TuRa führte auf einmal mit 2-1 und hatte das Match gedreht.

Dafür hatte Henning sich konsolidiert und einen ganzen Turm mehr. Schließlich gewann er auf Zeit, aber vermutlich hätte er seine Stellung auch so ins Ziel geführt. Ausgleich, 2-2.

Jakob und Robert mussten somit 1.5 Punkte für den Teamsieg holen. Bei beiden hatte sich der Rauch aus dem Mittelspiel verzogen. Jakob hatte im Endspiel eine Qualität gegen zwei Bauern und Robert übte in einem eigentlich remisen Turmendspiel Druck auf seinen Gegner aus. Dieser verpasste mehrere Remiswege und verlor das eigentlich schon zum Remis abgeschriebene Turmendspiel schließlich noch. Im Sinne der Mannschaft sicherte Jakob anschließend mit einem Remis den 3,5-2,5-Sieg unserer Mannschaft ab. Sicherlich ein glücklicher Sieg, auch über ein 3-3 hätten wir uns nicht beschweren dürfen, doch am Ende zählt nur das Ergebnis.

Am erfolgreichsten verlief der Samstag sicherlich für Tom. Neben dem wichtigen schachlichem Erfolg konnte er auch den Titel des besten Trinkers (nicht etwa Säufers!) mit ordentlich Abstand einfahren mit sage und schreibe 8 ausgetrunkenen 0,5-Liter-Flaschen Wasser während der Partie. Kein anderes Teammitglied konnte Schritt halten. Platz 2 belegte Robert mit übersichtlichen 5 Flaschen.

Auch unser Konkurrent, der Post SV Uelzen, konnte seine 8. Runde gewinnen (im Gegensatz zu uns solide mit 4-2). Somit war die Situation an der Tabellenspitze weiterhin ungeklärt und erst die letzte Runde sollte die endgültige Entscheidung bringen. Dort kam es dann zum Gipfeltreffen zwischen uns und dem Ausrichterverein aus Uelzen. Nur mit einem Sieg konnten wir die Tabellenführung halten und die Saison als Erster beenden. Bei einem Unentschieden würden wir auf den zweiten Platz zurückfallen und bei einer Niederlage würde neben Lübeck auch noch Uelzen an uns vorbeiziehen und die Teilnahme an der DVM wäre für uns Geschichte.

Nach einem reichhaltigen Frühstück, das keine Wünsche offen ließ, ging es pünktlich um 10 Uhr zum Spielsaal. Der entscheidende Showdown gegen Uelzen war eröffnet, und nur der Sieg zählte für uns! Uelzen konnte seinerseits mit einem Mannschaftssieg noch an uns vorbeiziehen, Geschenke durften wir also nicht erwarten 🙂

An Brett 6 schien Isaac topmotiviert, seine Niederlage von gestern vergessen zu lassen. Sehr überzeugend gewann er seine Partie und brachte uns wieder die frühe Führung ein. An den anderen Brettern sah es aber noch sehr unübersichtlich aus. Luis sah sich mit der Vorbereitung von Torben Knüdel konfrontiert, der gegen Najdorf eine aggressive Nebenvariante ausgetüftelt hatte. Tom sicherte sich schon früh Raumvorteil und hatte seinen Gegner bald im Schwitzkasten. Doch auch hier blieb noch offen, ob diese Stellung wirklich zu gewinnen war. Bei Jakob und Robert standen unübersichtliche Sizilianer auf dem Brett, während Henning sein übliches Modern auspackte und in einer sehr komplizierten Stellung landete. Es konnte also noch alles passieren und die nächsten Stunden sollten darüber entscheiden, ob wir uns für die DVM qualifizieren oder nicht… in der Zeitnotphase überschlugen sich dann die Ereignisse:

Jakob zog letztendlich in einer spannenden Najdorf-Partie den Kürzeren, und auch Robert verlor seine Partie durch einen taktischen Fehler, nachdem er vorher ein taktisches Feuerwerk samt Figurenopfer zündete und den schwarzen König bis nach h6 trieb. Einen Zug vor dem verdienten Sieg griff er jedoch fehl und übersah einen simplen Verteidigungszug, wonach Schwarz den Mattangriff abwehren konnte und mit einer Figur mehr die Partie sicher nach Hause fahren konnte. Plötzlich lagen wir 1-2 hinten, doch wieder schlug unser Matchwinner von gestern in einer wilden Zeitnotschlacht zu! Henning ließ einmal mehr sein taktisches Können aufblitzen und behielt mit nur noch Sekunden auf der Uhr den Überblick, stürmte die gegnerische Königsstellung, nahm einen gegnerischen Läufer mit und gewann diese wichtige Partie. 2-2!

Währenddessen liefen die ersten beiden Bretter immer noch, es sah allerdings sehr gut für uns aus: Luis fand in der Eröffnung die Widerlegung von Torbens Vorbereitung und sicherte sich einen Mehrbauern im Endspiel, welches er nach großen Komplikationen letztendlich durch eine schöne Taktik gewinnen konnte. Quasi zeitgleich willigte Tom in immer noch leicht besserer Stellung in eine Zugwiederholung ein, um den erneuten 3,5-2,5 Sieg ins Ziel zu schaukeln.

Wir hatten es geschafft! Damit waren wir alleiniger erster Platz in der JBL und lösten das Ticket zur DVM U20 im Dezember. Standesgemäß wurde unser Sieg mit einem Mac-Menü und einer dreifachen La-Ola gefeiert.

Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 MP BP
1. Hamburger SK 3 4 3 6 4 4 16 34½
2. Lübecker SV 3 4 3 3 6 6 6 15 40
3. TuRa Harksheide 3 13 36
4. Post SV Uelzen 2 6 4 5 6 12 36
5. SK Lehrte 2 3 0 3 6 6 10 30½
6. Johanneum Eppendorf 3 ½ ½ 2 6 4 9 24½
7. SK Doppelbauer Kiel 3 ½ 3 6 6 8 29½
8. Hagener SV 0 0 3 0 0 3 13
9. Delmenhorster SK 2 0 ½ 1 0 2 6 2 16½
10. SC Aurich 2 0 0 0 0 0 2

Bei der DVM gilt es nun, an unsere erfolgreiche JBL-Saison anzuknüpfen. Bis dahin alles Gute,

Robert und Luis

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