Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Wir beginnen mit der Öffnung des Klubheims am 31.7.2020. Freier Spielbetrieb unter Einschränkungen (nur) freitags von 18.00 – 22.00 Uhr. Anmeldung unter schachklub@hsk1830.de erforderlich. Genaue Bedingungen hier.

8. HSK U12 DWZ-Cup – Mika Dorendorf gewinnt auf kuriose Weise

Das Turnier zum Start der Märzferien war relativ gut besucht mit 32 Teilnehmern (von denen leider nur 27 bis zum Ende mitmachen konnten), was bei der aktuellen Krankheitswelle eigentlich noch ein ganz guter Schnitt ist.

Dabei zeigte sich die bewährte Mischung aus den starken Topspielern, die auch alle am Ende vorne landeten, und den Spielern im Mittelfeld, die um die 1000 bis 1100 DWZ haben und den wirklichen Anfängern, die noch ganz wenig oder sogar gar keine Turniererfahrung haben und diese in diesem Turnier anfangen sich zu holen.

Die Stimmung bei dem Turnier war wie eigentlich immer im HSK sehr gut und freundschaftlich. Das eine oder andere traurige oder ärgerliche Gesicht direkt nach einer Niederlage war natürlich zu sehen, aber verschwand meist schnell wieder und machte der Freude am Schachspielen Platz.

Tatsächlich haben mich insbesondere die Kinder die noch Erfahrungen sammeln mussten und daher die eine oder andere Null in Serie einfuhren besonders beeindruckt. Weil sie doch sehr schnell nach der Partie wieder fröhlich waren und meist entspannt gegeneinander, oder eher miteinander, in einem der Analyseräume weiter Schach gespielt haben. Das hat mir wirklich nachhaltig gefallen!

Gewonnen hat das Turnier am Ende mit starken 4,5/5 Mika Dorendorf.
Herzlichen Glückwunsch!

Mika spielte eine souveräne Partie gegen Alexander Wartenberg in der er seine größere Erfahrung in einer besseren Englischstruktur ausspielen konnte, auch wenn er hinterher voll des Lobes für Alexanders starkes Spiel war und den Sieg als ziemlich knappe Sache einschätzte.

Die einzige andere Partie die ich von ihm gesehen habe, war die gegen Alexanders große Schwester Alissa Wartenberg. Diese endete durch ein taktisch geschicktes Remisangebot von Mika zur richtigen Zeit friedlich, denn Alissa entschied sich mit Blick auf die dahintickende Uhr kein Risiko zu nehmen. Leider war dies schachlich nicht gerechtfertigt. Da ihre Schlusstellung total gewonnen für sie ist.

8. HSK U12 DWZ-CupMika hatte hier soeben mit Dc1 den c4 Bauern attackiert und bot mit diesem Zug remis an. Alissa hat wohl, mit Blick auf die Uhr auf der nur noch wenige Minuten verblieben, relativ schnell angenommen, dabei wäre der einfache Deckungszug Lb5 eigentlich ein guter Schlusspunkt der Partie gewesen, weil Weiß im Grunde nur noch die Aufgabe bleibt.

Es droht vernichtend c3+ und nebenbei auch noch Tce8 mit Invasion der Türme.

Weiß ist mausetot und insbesondere der tragikomische La5, der völlig außer Spiel ist, kann dem eigenen König nicht helfen.
Tatsächlich spuckt die Maschine ein Matt in 16 aus hier, was jetzt eigentlich auch nicht mehr überraschen sollte.

Aber das hatten beide nicht wirklich gesehen und waren in der Analyse doch sehr überrascht, dass Schwarz so viel besser steht hier.

Wenn die beiden stärksten Spieler in dem Turnier diese Stellung nicht wirklich verstanden haben, was kann uns das eigentlich über Schach lehren? Richtig, es ist ein verdammt schweres Spiel – in dem es unendlich viel zu lernen gibt!

Ich habe deswegen nur die beiden Partien von Mika gesehen, weil seine Gegner in Runde 2 und 5 beide kurzfristig krankheitsbedingt absagen mussten, so dass er beide Partien kampflos gewann. (Bei Runde 1 war ich nicht vor Ort)
Wieso er am Ende trotz dieses eigentlichen Nachteils trotzdem die bessere Buchholz aufwies, stellte so manchen Laien vor ein Rätsel und die Experten wunderten sich, aber der Computer hat es so berechnet und wer mag da schon widersprechen?

Alissa Wartenberg holte also ebenso wie Mika 4.5/5 und hatte im Buchholzlotto letztlich das knappe Nachsehen und musste sich mit Platz 2 begnügen.

Das Treppchen komplettierte der leider in der letzten Runde erkrankte Julian Braun, der bis dahin mit 4 aus 4 stark aufgetrumpft hatte, aber die entscheidende Partie um den Turniersieg leider krankheitsbedingt nicht ausspielen konnte.

Den etwas undankbaren Platz 4 holte sich Anton Kellner, der ein ebenfalls sehr lehrreiches Endspiel gegen Alissa letztlich noch verloren hatte, aber ansonsten relativ souverän seine restlichen Partien gewann. (Anton selbst sprach allerdings von ganz harter Arbeit, wobei ich mich frage was das eigentlich heißt, denn wenn man mit glatter Mehrfigur und keinem Gegenspiel beim Gegner die Partie gewinnt und es „sehr harte Arbeit“ ist, was ist dann eigentlich wenn das Material gleich steht und der Gegner mitspielt?! 😉 )

8. HSK U12 DWZ-CupAlissa ist hier Weiß und hat ein eigentlich gewonnenes Endspiel gerade ordentlich misshandelt, weil sie den starken Sd5 erst unnötig nach c3 zog und jetzt zu meinem Entsetzen nach b1 zurückzog.

Wie später klar wurde, war ihre Idee über a3 nach c4 zu hüpfen mit Angriff auf e5.

Der große Haken an diesem Manöver ist eingezeichnet. Der schnelle langschrittige Läufer hätte sich die weißen Bauern, die denkbar ungünstig auf schwarzen Feldern stehen, schnappen können, zumindest einen davon, was zum Remis ausgereicht hätte, weil danach immer die Drohung einen Freibauern zu bilden den weißen Spieler zu stark bindet.

Den Pokal für das beste Mädchen sammelte Milana Krasikova auf Platz 5 ein, die nach einer kleineren Formkrise vor einigen Monaten wieder die Kurve bekommen hat und richtig stark spielt.
Milana verlor ebenfalls nur eine Partie gegen Julian und gewann ihre restlichen 4 Partien.

Alle Spieler auf den ersten 5 Plätzen haben DWZ Zugewinne zu verzeichnen, aber wenn der Spieler auf Platz 6 beinahe so viele DWZ Punkte hinzugewonnen hat wie die 5 vor ihm zusammengezählt, dann muss etwas besonderes passiert sein.

Tatsächlich holte sich den 6ten Platz mit 3 Siegen, einem Remis und einer Niederlage Anton Rosenkranz von SK Union Eimsbüttel. Anton war mit der Glückszahl 777DWZ ins Turnier gestartet und schraubte sich auf fast 900DWZ hoch in nur einem Turnier. Ganz große Klasse und für mich damit der Spieler des Turniers.

Auf den weiteren Plätzen reihen sich Theodor Köhler und Alexander Wartenberg ein. Theodor verlor in der Schlussrunde gegen Alissa seine einzige Partie des Turniers bis dahin 2 Siege und 2 Remis) in der er zwischendrin durchaus berechtigte Hoffnung auf mehr haben durfte und an der Niederlage hatte er doch zu knabbern. Kopf hoch Theodor, die nächste Chance kommt bestimmt!

Alexander Wartenberg verlor wie schon erwähnt gegen Mika und hatte auch gegen Julian Braun das Nachsehen, nachdem er in der Eröffnung an einer Stelle eine Gewinnchance verpasst hatte wurde ihm die Stellungsöffnung bei gleichzeitigem Entwicklungsrückstand zum Verhängnis, was Julian aber auch gut ausgenutzt hat.

Die Top10 komplettieren zwei weitere Mädchen mit Nikki Modali und Elina Fomenkova.
Nikki hatte in ihrer Partie gegen Alissa ganz groß aufgespielt und Alissa in den ersten 20 Zügen an die Wand gespielt, konnte dann aber nicht die richtige Idee finden, verlor erst den Faden und dann auch die Partie.

Elina Fomenkova spielte teilweise sehr erfrischendes Schach und zeigte teilweise sogar durchdachte Angriffsideen. Das Training mit ihrem Vater, der gerade mehr Zeit hat mit seiner Tochter am Schach zu arbeiten, macht sich positiv bemerkbar.

Ich kann nicht alle Kinder noch nennen, die anderen hätten eine Erwähnung auch verdient und werden sich – da bin ich sicher in Zukunft auch noch weiter nach vorne spielen!

Ich komme aber nicht umhin ein lobendes Wort für Michael Moskalenko zu finden. Der junge U8 Spieler vom Elmshorner SC hatte die weiteste Anreise und holte 3 souveräne Siege und hinterließ durchweg einen Eindruck, der sehr positiv war. Ein echtes Talent habt ihr da in Elmshorn!

Ein Dank muss selbstverständlich noch an das Ausrichterteam um Bessie Abram und Olaf Ahrens, sowie alle anderen Helfer aus dem Jugendbereich gerichtet werden, hier insbesondere Sascha und Malte.
So ein Turnier ist letztlich doch immer mehr Aufwand als es den Anschein hat und der Ablauf war trotz des einen oder anderen kurzfristigen Ausfalls letztlich immer reibungslos, was zur guten Stimmung beitrug.

Freundlichst bedanken wir uns ebenfalls bei dem Sponsor dieses Turniers, der Social Business Stiftung.
Wieder können zwei Spieler aus dem Mittelfeld ihre schachlichen Fähigkeiten in der Schachschule Hamburg stärken: Sie gewannen jeweils einen Gutschein für die Teilnahme an einem Kurs.

Zum Abschluss noch ein kleines Leckerbissen für Fortgeschrittene. Nach dem Ende der letzten Runde blitzte ich ein paar Spaßpartien mit Malte Colpe und dabei stand diese Stellung zur Debatte.

8. HSK U12 DWZ-Cup
Malte hat hier soeben mit Tg1 die Dame befragt und ich entkorkte nach kurzem Nachdenken den absoluten Hammer h3-h2!!

Die schöne Pointe des Zuges ist, dass Txg5 jetzt an Tc1+ nebst Grundreihenmatt scheitert.Wir unterhielten uns über die Genialität des Zuges, dann zog Malte Te1.

Und im Gefühl meines Triumphs patze ich schwer mit dem sinnlosen Df4?? und verlor die Partie noch, anstatt das nicht minder geniale Tcf8!! zu spielen, mit der undeckbaren Pointe, dass man beide Türme auf f1 opfert und danach mit Dg1 matt setzt.

Wie gesagt: Schach ist schwer! Und Sieg und Niederlage liegen oft sehr dicht beieinander.

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