Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Im HSK-Schachzentrum wird wieder Schach gespielt.

Unsere geschlossenen Trainingsgruppen treffen sich zu den vereinbarten Zeiten. Anfragen bitte über schachklub@hsk1830.de.

Einen offenen Spielbetrieb auch für Gäste gibt es jeden Freitag von 18:30 – 22:00 Uhr. Teilnahme nach dem 3 G Modell (genesen, geimpft, getestet). Anfragen über schachklub@hsk1830.de.

Einen Spielbetrieb nach dem 2 G Modell (Zutritt im ganzen Haus nur, wenn genesen oder geimpft) gibt es jeden Montag, ab dem 20.9.2021. Unsere Senioren beginnen am 18. Oktober wieder mit den regelmäßigen Treffen. 

Unsere Online Aktivitäten laufen weiter.

Bericht zur DSIM 2021 von Roman Kurley

„Von den Vorrunden zur Zwischenrunde und keinen Schritt weiter“

Alles beginnt mit der ersten Vorrunde am 24.04.2021 um 19:30 Uhr … Um 19:30 war die Begrüßung und Anwesenheitskontrolle geplant, so dass alle Spieler in das Turnier eingetragen werden konnten, die tatsächlich erschienen sind; Anpfiff sollte um 19:45 sein. Aufgrund technischer Schwierigkeiten bei einigen Teilnehmern und entsprechenden Nachmeldungen konnte das Turnier erst verspätet gegen 20:04 gestartet werden. Aber wenn nicht die hohe Einsatzbereitschaft der Turnierleitung gewesen wäre, wer weiß. wann die ersten Züge gemacht worden wären. Vielen Dank an dieser Stelle an Frank Jäger (Beauftragter für Online-Schach des Deutschen Schachbundes), Gerhard Bertagnolli (Turnierleitung Vorrunde 1), Gaby Assman (Turnierleitung Vorrunde 2), Emine Yanik (Turnierleitung Vorrunde 3, 4 und Zwischenrunde), die das Chaos, das im Chat zwischendurch wütete, unter Kontrolle gebracht haben und für eine angenehme Spielatmosphäre sorgen konnten!

Gespielt wurde mit einer Zeitkontrolle von 3+2, das bedeutet, dass Siege auf Zeit aufgrund des Inkrements von 2 Sekunden pro Zug deutlich verringert waren, so dass die Partien eher auf Schach-Basis entschieden wurden. Natürlich kann aber die bekannte Zeitnot eintreten, mit der sich selbst auf Topspieler-Niveau Fehler im Spiel einschleichen können…Grundvoraussetzung für die Teilnahme generell waren noch der Besitz einer ChessBase-Premium-Mitgliedschaft (alle DSOL-Spieler haben eine) und ein Status als „aktiven Spieler“.

Vorrunde 1: Leider schien es in dieser Vorrunde die meisten technischen Schwierigkeiten zu geben, zumindest haben viele Spieler (einschließlich mir) einen „Lag“ (also eine verspätete Antwort des Systems auf die ausgeführten Züge) erlebt, so dass gegen Ende doch schon die Zeit wieder ein wichtigerer Faktor wurde. Glücklicherweise konnte dies ab der nächsten Runde behoben werden, so dass alle Spieler auch wieder ähnliche Voraussetzungen hatten.
Die Runden, 11 insgesamt an der Zahl, wurden meist im 15 Minuten-Takt gestartet bzw. sobald alle Partien beendet waren, was aber häufig auf das Gleiche hinauslief, da Spieler des Öfteren ein Turm + König gegen Turm + König Endspiel bis zur 50 Zug-Regel ausgespielt haben. Die Kommentare im Turnierchat haben dabei viele Lacher verursacht und geholfen, die Zeit zu überbrücken.
Insgesamt haben an diesem Tag 223 Teilnehmer gekämpft, allerdings haben einige frühzeitig das Turnier (aus welchen Gründen auch immer) verlassen. Nach hartem Kampf konnte der HSKler GM Rasmus Svane mit 9,5/11 und ohne Niederlage den ersten Sieg einfahren und als Gewinner den Abend ausklingen lassen. Doch viel wichtiger als der Turniersieg ist die Qualifikation zur Zwischenrunde: Aus jedem Vorrundenturnier qualifizieren sich die Top 10% (also in diesem Fall die 23 erfolgreichsten Spieler des Turniers). Allerdings werden bereits vorqualifizierte Spieler aus dieser Rechnung ausgeschlossen, so dass sich die Top 10% nach hinten verrücken und teils auch Spieler auf den Rangplätzen 40-50 noch Chancen auf die Quali hatten.
Für mich hat es dabei leider nicht gereicht: Platz 93 aus 223 mit 5,5/11 war nicht gerade das, worauf ich gehofft hatte, aber ich hatte ja noch 3 weitere Turniere Zeit mich zu beweisen! Also voller Spannung ging es für mich in der nächsten Woche an die Bretter.

Vorrunde 2: Ab hier lief alles wesentlich flüssiger, da nun auch viele Spieler bereits wussten, was zu tun war und wie das Interface von Playchess.com funktioniert. Anpfiff pünktlich gegen 19:46 am 04.05.2021 und schon flitzten die Figuren über die Bretter. Gegen 22:40 stand auch hier der Sieger fest, der dieses Mal IM Patrick Zelbel vom Schachverein Mülheim hieß. Ganze 10 aus 11 konnte er erzielen, Glückwunsch!
Der Autor landete an diesem Turniertag immerhin mit 7/11 auf Platz 41 von 214 inmitten vieler 2100-Spieler, die den 1850er umzingelten… Zur Qualifikation hatte es ganz knapp nicht gereicht, aber es war schon mal ein Schritt in die richtige Richtung! Energiegeladen sollte es im weiteren Verlauf der Woche weitergehen.

Vorrunde 3: Um dieses Turnier zu beschreiben finde ich den Ausdruck „alles lief wie am Schnürchen“ sehr passend. Der Turnierchat wurde ruhiger, so dass man selbst als Spieler gemerkt hat, dass die restlichen Köpfe ordentlich am Grübeln waren und es schien wieder (mit Ausnahmen) kaum Probleme zu geben. Pünktlich ging es am 07.05.2021 los und knappe 3 Stunden später konnte sich einer der besten Spieler und demnach auch Kaderspieler Deutschlands vom SF Deizisau mit seinen stolzen 2641 DWZ-Punkten vor allen anderen Mitstreiten mit satten 10 aus 11 Punkten behaupten. Damit ging der Titel der dritten Vorrunde an GM Georg Meier! Bei diesem Turniertag war die Ergebnistabelle nicht so vorhersehbar wie die Male zuvor: Viele Spieler unter 2200 DWZ konnten mit den DWZ-Riesen mithalten und fanden sich am Ende des Tages in den Top 30 der Liste wieder.
Ich fiel an dem Tag mit 6,5/11, also etwas schlechterer Performance als 3 Tage zuvor, auf Platz 43 von 189 Teilnehmern, so dass ich erneut die Qualifikation verpasste. „Langsam brennt es an“ dachte ich mir und wollte für die letzte Vorrunde nochmal ordentlich Gas geben. Eine interessante Beobachtung: Die Teilnehmerzahl für dieses Event fiel wesentlich geringer aus…ob es wohl am erstmals guten Wetter in Hamburg lag und sich viele Spieler für einen entspannten Grillabend an einem Freitag mit der Familie und gegen das Schachspielen entschieden haben?

Vorrunde 4: „Die letzte Chance, jetzt oder nie“ – das war meine Mentalität an diesem Tag. Wir datieren den 10.05.2021 und auch hier traten keine nennenswerten Probleme oder Schwierigkeiten auf. Unter den 190 Teilnehmern befanden sich natürlich auch heute viele bekannte deutsche Spieler. FM Felix Meißner vom HSK, IM Hannes Langrock, IM Michael Kopylov, FM Frederik Svane, IM Christian Braun, IM Aljoscha Feuerstack, GM Georg Meier (der wollte wohl noch eine Vorrunde gewinnen…) und ganz vorne an Setzliste Nr.1 GM Matthias Blübaum. Die ersten 24 Plätze waren alles schon Titelträger, so dass hier wirklich an diesem Tage die Fetzen fliegen würden und alle, so wie ich ja auch, ordentlich aufdrehen wollten.
Nach heiklen Kämpfen und ganz vielen „knappen Sachen“, die man nach Abschluss der eigenen Partie während der Wartezeit im Kiebitzmodus befiebert hat, stellte sich der erstgesetzte auch mit starken 10,5/11 unaufholbar auf und schnappte damit GM Georg Meier seinen zweiten Sieg weg, der mit 2 Punkten weniger auf Platz 4 landete.
Die Spitzenspieler mussten sich natürlich keine Sorgen um die Qualifikation machen, da sie sowieso vorqualifiziert sind (alle >2300 DWZ, Titelträger und/oder Kaderspieler sind automatisch in der Zwischenrunde). Ich hingegen musste wirklich einen kühlen Kopf behalten und auch teils auf eine ausreichende Platzierung hoffen. Nach der letzten Runde ließ die Turnierleitung alle Spieler etwas zittern, denn die Siegerehrung bzw. Abschlusstabelle kam verspätet. Platz 30 mit 7/11 Punkten war dieses Mal genug, um die Qualifikation zu schaffen und somit konnte ich mir meinen Spot in der spannenden Zwischenrunde sichern!

Zwischenrunde: Letzten Samstag, am 05.06.2021 war es dann auch schon so weit: 13 Runden 3+2 Blitz, wieder nach Schweizer System, und mit einem stärkeren Feld denn je. Auf der Startrangliste lassen sich so viele bekannte Spieler wiederfinden, die sich ihren Platz fürs Finale erkämpfen wollten, dass man sie gar nicht alle aufzählen kann: 3 Großmeister, 19 (!) deutsche internationale Meister, 23 FIDE-Meister und 1 WCM, 1 WFM, 1 CM waren vertreten. Dazu kommt noch, dass viele Titelträger direkt vorberechtigt eingetreten sind, und somit nicht in der Liste der Qualifikationen auftauchen. Die DWZ-Differenz zwischen Setzliste Nr.1 und Nr. 119 beträgt knappe 1000 DWZ!
An diesem Punkt war ich einfach nur glücklich, es in die Zwischenrunde geschafft zu haben und das Vergnügen haben zu dürfen, gegen wesentlich stärkere Gegner zu spielen und daraus zu lernen! Gesetzt war ich dabei allerdings an 117/119, also war es klar, dass es nicht leicht werden würde.

Es traten überraschenderweise nicht alle Spieler an und viele erschienen etwas zu spät, so dass es hier leider 20 Minuten verspätet losging. Nach verbitterten Kämpfen an jedem Brett, um möglichst nah an die Top 8 und damit ins Finale zu kommen, ergaben sich einige Überraschungen in der Endtabelle! Alexander Donchenko (Deutschlands Nr.1) dominierte mit 11/13 und ohne Niederlage die Zwischenrunde der DSIM. Die Plätze 2-8 waren hingegen hart umkämpft. 15 Spieler mit 8,0 und 8,5 Punkten hatten Chancen sich bemerkbar zu machen, doch am Ende brauchte man mindestens 9,0 Punkte, um ins Stechen zu gelangen. Interessant hierbei ist, dass sich viele junge Talente, wie FM Alexander Krastev (Platz 8), IM Valentin Buckels (Platz 7) und FM Tobias Kölle (Platz 4) fürs Finale qualifiziert haben, wohingegen einige Großmeister von der Zuschauertribüne aus am Finale teilnehmen müssen…
Für viele, im Vergleich schwächere Spieler, war es dennoch eine sehr spannende Erfahrung in einem großen Turnier mit Topspielern zu spielen. Ich persönlich bin mit meinen (nicht ganz aktuellen) 1856 DWZ auf einen akzeptablen 65. Platz bei insgesamt 100 Spielern gelandet, also Top 65% sozusagen. Es wäre für mich mehr drin gewesen, aber leider waren die letzten 3 Runden Nieten, so dass ich mich mit weniger als 50% Punkten (5,5 aus 13) begnügen musste. Für meine Mitspieler vom HSK folgt nun die Platzierung in der Zwischenrunde: FM Felix Meißner auf Platz 90 mit 3/7 (vorzeitig das Turnier verlassen), Lennart Meyling auf Platz 84 (4,5/13), Roman Kurley auf Platz 65 (5,5/13).

Ansonsten sind hier noch einige Spieler zu nennen sind: der ehemalige HSKler und Deutsche Mannschaftsmeisterschaft-Gewinner der U16 IM Hannes Langrock auf Platz 11 mit 8,5/13 – einer der Kandidaten auf die Top 8 wie FM Frederik Svane, einer unserer Top-Spieler in de Quarantäre Bundesliga, der mit 8 aus 13 auf dem 17. Platz abschloss. Der beste Hamburger (falls ich niemanden übersehen habe) war FM Christoph Serrer vom TV Fischbek Süderelbe, er erreichte Platz 51 mit 6,5 aus 13 Punkten!

Ich denke, ich sage nicht zu viel, wenn ich mir sicher bin, dass wir alle gespannt das Finale am 13.06.2021 um 15:00 mitverfolgen werden! Möge also der beste Spieler gewinnen. Wer glaubt Ihr trägt den Titel davon? Wird sich eines der Jugendtalente durchsetzen können oder ist die Wertungszahl hier ausschlaggebender? Wer ist Euer Favorit?

Frohes Sommerwetter wünsche ich Allen und danke fürs Lesen!

 

 

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