Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Da müssen wir durch. Unser Klubheim bleibt weiterhin bis zum 10.01.2021 geschlossen. Es besteht ein absolutes Betretungsverbot. Ausnahmen, um z.B. wichtige Unterlagen aus dem Klub zu holen, müssen bei unserem Hygienebeauftragten Manfred Stejskal beantragt werden.

HSK 19 siegt weiter

Donnerstagabend im Klub. Heute finden hier zwei Wettkämpfe statt, wir bekommen die beiden Tischreihen am Ende des Spielsaales (neben der Balkontür). Also sitzen wir etwas bedrängt. Und so spielen wir auch.

Um 21 Uhr gucke ich mir mal an, wie es so an den Brettern aussieht, und stelle fest, dass wir an Brettern 5-8 jeweils mindestens eine Qualität weniger haben, d.h. zu diesem Zeitpunkt denke ich, wir müssen alle vier Partien an den ersten Bretter gewinnen, um hier wenigstens noch einen Mannschaftspunkt retten zu können. Meine eigene Partie bewegte sich im Remisfahrwasser, Daviti neben mir stand gut, irgendwie war es ihm gelungen, die gegnerische Dame auf a2 festzusetzen, wo sie sich nicht mehr wirklich bewegen konnte. Sebastian griff mutig an, nur um Christian neben mir machte ich mir ein wenig Sorgen. Also vielleicht könnten wir es wirklich auf ein 4:4 im Match der Kreisliga B gegen SW Harburg 2 schaffen.

Dann war auch schon die erste Partie zu Ende. Am achten Brett hatte Frank Neldner nicht nur die Qualität weniger, sondern vor allem sah er sich hoffnungslos einem Angriff von Rohat Yildiz ausgesetzt. Rohat hatte zu Beginn der HMM noch gar keine DWZ, jetzt hat er 1569, also wird er nächstes Jahr viel höher in dieser Mannschaft spielen, auch das war irgendwie Pech für Frank. Wir lagen jedenfalls 0:1 zurück.

Wenig später kam Peter Grotrian freudestrahlend zu uns und meldete seinen Sieg gegen Willi Flader am siebten Brett. Die Minusqualität hatte ihn ermutigt, mit den verbliebenen Figuren ordentlich Wirbel und Druck aufzubauen. Willi verlor den Überblick und die Partie. Es stand 1:1.

In dieser Situation bot mir mein Gegner Remis an. Er selbst hatte sehr viel Zeit verbraucht und machte jetzt nur noch sehr passive Züge (zuletzt Ta8-b8, um den Bauern auf b7 zu decken) statt richtig aktiv am Damenflügel zu werden. Ich entschied mich zum Weiterspielen und zum vielleicht riskanten Allbauernangriff am Königsflügel, kurze Zeit später standen meine Bauern auf e4, f4, g4 und h4. Ich griff an wie vor vielen Jahrzehnten als Jugendlicher.

Gegen 22 Uhr einigte sich Michael Schönherr am fünften Brett mit Timm Max auf Remis. Michael hatte vor zwei Tagen seinen Hund einschläfern lassen müssen und konnte die Gedanken daran nie richtig los werden. Das für ihn völlig ungewohnt passive Spiel zu Beginn hatte zum Qualitätsverlust geführt. Erst dann besann sich Michael auf das, was er wirklich kann, Angriff, koste es, was es wolle. Das Remis war schließlich wirklich gut erkämpft und gerecht.

Die vierte entschiedene Partie verlor Christian Wolf am dritten Brett gegen Nicolae Danila. Christian hatte sich meines Erachtens viel zu passiv aufgestellt. Seine Figuren dominierten die Reihen 6-8, Nicolae beherrschte die anderen 5 Reihen nach Belieben. Christian hat in dieser Saison viermal Schwarz gehabt, das scheint ungerecht, beim nächsten Mal hast Du Weiß, also nicht verzagen, Christian. Kopf hoch und du findest zur alten Spielstärke zurück. Wir lagen zurück 1,5 : 2,5.

Den Ausgleich besorgte Christian Tegethoff am sechsten Brett gegen Patrick Mädje. Bei meiner Kurzeinblendung nach zwei Stunden Spielzeit hatte ich nur Christians Qualitätsnachteil gesehen. Die spätere Analyse zeigte aber, dass Christian die Qualität völlig beabsichtigt gegeben hatte, danach stand keine schwarze Figur mehr gut. Dies nutzte Christian wirklich gut aus, er übersah dabei sogar ein einzügiges Matt mitten auf dem Brett, spielte stattdessen seine Bauern erfolgreich nach vorne. Als Patrick nicht mehr verhindern konnte, dass sich einer dieser Bauern umwandelte, gab er auf. Christian hatte schön gewonnen, wir hatten ausgeglichen, noch drei Partien liefen.

Gegen halb elf Uhr hatte ich am zweiten Brett gegen Goran Lautarevic inzwischen den Königsflügel vollständig geöffnet. Mein eigener König stand nach langer Rochade sicher auf b1 und schaute sich das Geschehen am Königsflügel entspannt an. Keinesfalls entspannt war Goran, der nur noch knapp zwei Minuten für 15 Züge hatte.  Meine weißen Bauern auf der g- und der h-Linie hatte Goran mit der Dame gefressen, was die Wirkung meiner Türme ebendort gewaltig erhöhte. Wie mir die Schachmaschine hinterher zeigte, hätte ich jetzt richtig elegant gewinnen können. Dies sah ich am Brett aber nicht, sondern spielte eher kontrolliert offensiv. Immerhin entstand auch so kaum noch zu ertragender Druck für Goran. In hochgradiger Zeitnot griff er dann auch stark daneben, so dass ich ihn einzügig matt setzen konnte. Als ich das gerade ausführte, kam Sebastian zu mir, um mir ins Ohr zu flüstern, dass er gerade gewonnen und wir somit nur noch einen Punkt bräuchten. Natürlich erkannte er meinen Mattzug und korrigierte seinen angefangenen Satz mit: “Wir brauchen nichts mehr, wir haben gerade gewonnen!” Ich freute mich riesig.

Es lief nur noch die Partie am ersten Brett, wo Daviti Maisuradze es gegen René Mrotzek ja geschafft hatte, Renés Dame auf a2 festzusetzen. Leider war es ihm auch gelungen, seinen eigenen Läufer auf h7 ins völlige Abseits zu stellen, Kerkertüren gleich hatten sich Davitis eigene Bauern vor diesem Läufer auf h5, g6 und f7 platziert. Der Läufer war praktisch tot. Daviti spielt aber immer mit guten Ideen und so gelang es ihm mittels Qualitätsopfer wenigsten seinen Läufer wieder mitzuspielen zu lassen. Tatsächlich wurde die Qualität immer bedeutungsloser und Daviti spielte gut mit. Am Ende ein gerechtes Remis. Wir hatten 5:3 gewonnen.

Beim Bierchen im Feuervogel war es klar: Der Traum vom Aufstieg besteht weiterhin. Auch in der nächsten Runde wollen wir bei Diagonale Harburg 3 wieder alles geben und hoffentlich den fünften Sieg einfahren.

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