Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Das Vereinsleben läuft langsam wieder an. In unserem HSK-Schachzentrum bieten wir an: Montag (ab 5.10.) 19.00 – 21.00 freie Partien und Training für Senioren, Mittwoch 10.00 – 12.00 freie Partien und Training für Senioren, Donnerstag 19.00 – 21.00 Training für Erwachsene und ältere Jugendliche, Freitag 18.00 – 22.00 freie Partien. Für Jugendliche diverse Trainingsgruppen an verschiedenen Wochentagen. Weitere Informationen unter den Reitern Aktuelles, Training und Termine. Nachfragen unter schachklub@hsk1830.de erforderlich. Genaue Bedingungen hier.

DSOL : starker Endspurt bringt HSK 2 noch 3. Platz

Vier Spielberichte und ein DSOL-Fazit

Im neuen Format Onlineliga mit Viererteams spielten für HSK 2 (nur die eingesetzten Spieler)
1. GM Thies Heinemann (2505), 2. Norbert Sehner (2228), 3. Stefan Schnock (2019), 4. Bettina Meyer (1878), 5. Simon Meyer (1735), 6. Helge Colpe (1995) (an letzter Stelle weil nachgemeldet).
Die Wertungszahlen, auch im weiteren Text, sind sämtlich DWZ.

Vorab möchte ich anregen, ein entspannteres Verhältnis zu Fehlern zu entwickeln. Dazu zwei von Dr. Savielly Tartakowers Aphorismen: "Die Fehler sind alle schon da – sie warten nur darauf, gemacht zu werden", und "Das Schach ist nur durch die Fehler existenzberechtigt." Sport, egal welcher, wäre ohne Fehler tot. Menschen machen Fehler, sonst wären sie Maschinen. So sind die Fehlerbesprechungen in den Berichten und Partiekommentaren nicht als Kritik oder gar Vorwurf zu verstehen. Vielmehr möchte ich den Lesern zeigen, was in den Stellungen drin war, aber unter den speziellen Spielbedingungen nicht gesehen werden konnte.

Unsere Gegner in der 1.Liga Gruppe B waren SG Porz 1, SC ML Kastellaun 1, SK Ettlingen, Hamelner SV 1, SG Solingen, SC Diogenes (Hamburg, sozusagen unser Lokalrivale) und der SC Garching.
Eine bunte Mischung aus Klein- und Großstädten, Garching zog allerdings sein Team kurz vor Start zurück.
Von den verbleibenden Sieben hatte Köln-Porz die mit Abstand stärkste Rangliste; und sie wurden ihrer Favoritenrolle auch gerecht, gewannen die Staffel überlegen mit 12:0 MP und 20½:3½ BP !

Wir hatten mit einem Remis und zwei Niederlagen einen denkbar schlechten Start. In der zweiten Hälfte lief es dann wesentlich besser: durch drei Siege in Folge kletterten wir noch vom vorletzten auf den dritten Platz.
Besonders enttäuschend waren zur Halbzeit die Kluft zwischen unserem Tabellenplatz und DWZ-Schnitt sowie die Erkenntnis, daß für uns das Turnier nach der Vorrunde bereits zu Ende sein dürfte.
Die Kluft zwischen Platz und DWZ-Schnitt erwies sich bei näherem Hinsehen als irreal. Die DSOL hatte bei den Schnitten nur die Ranglistenplätze 1-4 berücksichtigt. Das war jedoch an der Realität vorbei gedacht, denn alle Teams setzten auch regelmäßig die unteren Spieler ein. Und während einige Klubs mit ziemlich homogenen Teams antraten, hatte unsere Rangliste ein vergleichsweise starkes Gefälle: unser GM an eins, mit Norbert noch ein Zweitligaspieler an zwei, aber dann nur noch Stadtliga. Insofern können wir mit dem dritten Platz zufrieden sein.
Am Aus nach der Vorrunde gab es jedoch nichts zu rütteln. Bei den nur noch sechs Runden war es so gut wie ausgeschlossen, mit 1:5 MP noch den zum Weiterkommen notwendigen zweiten Platz zu erreichen.

Die erste Runde war ein Triumph von Murphy's Law, sehr begünstigt durch schlampiges Programmieren.
Quer durch alle Ligen häuften sich die Aussetzer der noch unausgereiften ChessBase-Software.
Wir spielten gegen Solingen. Alexander an vier konnte trotz Eva-Marias fachkundiger Hilfe – ohne die wir nicht mal den Kampf hätten starten können - nicht rechtzeitig den Turnierraum erreichen, und wir lagen zurück. Danach fuhr Alexander in Urlaub und entdeckte nach seiner Rückkehr einen Virus auf seinem Rechner. Damit fiel er ganz aus und ist auch in obiger Spielerliste nicht genannt.
An drei zeigte sich Bettina von der 136 Punkte höheren DWZ ihres Gegners nicht sonderlich beeindruckt. Einige Zeit blieben die Chancen verteilt, doch im fortgeschrittenen Mittelspiel behielt Bettina den besseren Durchblick, machte den berühmten Fehler weniger und brachte schließlich das gewonnene Endspiel sicher nach Hause – Stand nun 1:1.
Also mußte der Kampf an den vorderen Brettern entschieden werden. Doch das wurde, wie gesagt, von der Steuersoftware durchkreuzt, die plötzlich mehr sein wollte als bloßes Werkzeug (hätten die ChessBase-Nerds Humor, hätten sie das Programm vielleicht HAL 9000 genannt). An eins hatte Solingens Jan Hobusch die Partie mit weiß von Anfang an auf Remis angelegt. Er eröffnete mit dem Schlafmittel Londoner System, konnte in der Folge Fehler und größere Schwächen vermeiden (was bei dem spannungsarmen Partieverlauf aber nicht allzu schwer war), und schaffte es so, die Partie vom 1. bis zum 36. Zug in der Remisbreite zu halten. Er war also drauf und dran, unserem 300 Punkte stärkeren GM ein Remis abzuluchsen. Doch die launische Software hatte etwas dagegen und brachte den Server dazu, Hobusch mehrfach rauszuwerfen. Währenddessen stand Norbert an zwei wohl deutlich schlechter, aber noch nicht auf Verlust.
Auf den Brettern sah es also gut aus für Solingen. Aber beide Teamleitungen waren mittlerweile derart genervt von den Tücken der elektronischen Turnierleitung, daß sie per Chat zwei Schwarzsiege und damit ein 2:2 verabredeten. Thies bekam so eine Eins, Norbert leider eine Null. Unter den Umständen ging das in Ordnung, mit Schachsport hatte das allerdings nicht mehr viel zu tun.

Einzelergebnisse:
Hamburger SK II 2 2 SG Solingen
1. GM Thies Heinemann (2505) 1 : 0* Jan Hobusch (2204)
2. Norbert Sehner (2228) 0 : 1* Stephan Borchert (2117)
3. Bettina Meyer (1878) 1 : 0 Dr. Anton Hannewald (2014)
4. Alexander Fomenkov (1878) - : + Stefan Speck (1913)
*abgesprochen
[Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.06.26"] [Round "1.1"] [White "Hobusch, Jan"] [Black "Heinemann, Thies"] [Result "0-1"] [WhiteElo "2204"] [BlackElo "2505"] [ECO "A47"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "72"] {Eine dieser supersoliden, sprich ereignislosen Partien. Ich habe sie mithilfe von Stockfish mehrfach nach ausgelassenen Gewinnen, Fehlern oder wenigstens nennenswerten Alternativen abgesucht - aber ich fand nichts. Vom ersten bis zum letzten Zug blieb die Partie innerhalb der Remisbreite, im Fußball wäre das wohl eines dieser Null-Nulls ohne eine echte Torchance in 90 Minuten. Doch halt, etwas Bemerkenswertes gibt es doch: die DWZ-Differenz von 300 Punkten ! Weiß ist einfach der Mannschaftsstrategie gefolgt: am Spitzenbrett sollte er gegen den GM vor allem nicht verlieren. Dazu wählte er das öde, remisträchtige Londoner System (welch eine Ironie: eine todlangweilige Eröffnung benannt nach einer so aufregenden Stadt). Da er es schaffte, sich bis zum Ende der Partie keine Schwäche oder gar Fehler zu leisten, hätte Thies, um die Partie aus der Remisströmung zu bringen, schon erhebliche Risiken eingehen müssen, was bei einem Gegner mit Oberligastärke aber leicht nach hinten losgehen kann. Und wäre die Partie sportlich, d.h. hier per Maus und Monitor, beendet worden, wäre der Plan des Weißen wohl aufgegangen. Doch da nach der ganzen Softwarenerverei der Kampf, wie gesagt, durch Absprache der Teamleitungen entschieden wurde und Hobusch wiederholt den Kontakt zum Server verloren hatte, bekam er die für das 2:2 notwendige Null.} 1.d4 Nf6 2.Bf4 e6 3.e3 b6 4.Nf3 Be7 5.h3 O-O 6.Nbd2 c5 7.c3 d6 8.Bd3 cxd4 9.exd4 Ba6 10.Bxa6 Nxa6 11.O-O Qd7 12.Qe2 Nc7 13.a4 a6 14.Ne4 b5 15.axb5 axb5 16.Nxf6+ Bxf6 17.Qe4 Nd5 18.Bg5 Qc8 19.Rxa8 Qxa8 20.Qd3 Rb8 21.Bd2 Qa2 22.Qb1 Ra8 23.Qxa2 Rxa2 24.Rb1 h6 25.Kf1 Nb6 26.Bc1 Kf8 27.Ke2 Ke7 28. Kd3 Kd7 29.Kc2 Kc6 30.Kb3 Ra8 31.Be3 Ra4 32.Ne1 Nd5 33.Nc2 Be7 34.Re1 Bd8 35.Re2 Bc7 36.Re1 Ra8 $11 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.06.26"] [Round "1.2"] [White "Sehner, Norbert"] [Black "Borchert, Stephan"] [Result "0-1"] [WhiteElo "2228"] [BlackElo "2117"] [ECO "A16"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "57"] 1.c4 Nf6 2.g3 g6 3.Bg2 Bg7 4.Nc3 d6 5.e4 Nc6 6.Nge2 O-O 7.O-O a6 ( 7...e5 8.d3 {ist mit Abstand die HV, und nun} 8...Be6 {oder 8...Sh5} ) 8.b3 $146 {diese Aussage meiner MB kam für mich überraschend, sieht doch die Stellung noch durchaus üblich aus.} ( {meistens geht es mit} 8.d3 Rb8 9. f4 {weiter.} ) 8...Rb8 9.Bb2 b5 10.cxb5 axb5 11.d4 b4 12.e5 ( 12.Nd5 e5 ( 12...Nxd5 $6 13.exd5 $14 {die schwarzen Bauern auf c7 und e7 sind hier mindestens so schwach wie die weißen d-Bauern.} ) 13.Nxf6+ Bxf6 $11 ) 12...dxe5 13.Bxc6 bxc3 14.Bxc3 Nd5 15.Bb2 $2 {beide Seiten übersehen den nun möglichen schwarzen Gewinn.} ( 15.dxe5 Nxc3 16.Nxc3 Bxe5 17.Rc1 $11 ) 15...Nb4 $2 ( 15...Bh3 $1 16.Re1 Rb6 $1 17.Rc1 ( 17.Qc1 Qd6 18.Ba4 Qf6 19. f4 e4 $19 ) 17...Rxc6 $3 18.Rxc6 Qa8 19.Qc1 Nb4 20.d5 Nd3 21.Qd2 Nxe1 22. Qxe1 e6 $19 ) 16.Bg2 $2 {diesmal sieht Schwarz seine Chance:} ( {richtig war} 16.Bf3 {, der Se2 ist nun überdeckt und die Dame entlastet:} 16... Bh3 17.Re1 ( 17.Bg2 $2 Bxg2 18.Kxg2 Qd5+ 19.f3 exd4 20.Bxd4 Bxd4 21.Nxd4 ( 21.Qxd4 $6 Qxd4 22.Nxd4 c5 23.a3 Nd5 24.Nc2 Rxb3 25.Rfc1 Ra8 $17 ) 21... Rfd8 22.a3 ( 22.Ne2 $2 Qe5 23.Qe1 Nc2 $19 ) 22...c5 23.axb4 cxd4 $17 ) 17...Bf5 18.dxe5 Nd3 19.Bc3 Nxe1 20.Qxe1 c5 $15 ) 16...Ba6 $1 17.d5 c6 18. Ba3 cxd5 19.Bxb4 Rxb4 20.Re1 e4 21.Qd2 Rb8 22.Rad1 e6 23.b4 Qb6 24.a3 Rfc8 25.Rc1 Rxc1 26.Rxc1 Rc8 27.Rxc8+ Bxc8 28.Nc1 Qc6 29.Nb3 {Hier gab Norbert auf; dies war, wie gesagt, Teil der Absprache mit Solingen. Stockfish bewertet die Stellung nach 29...Lf8 mit -2,5. Ich denke, unter regulären Bedingungen hätte Norbert nicht resigniert, sondern noch das eine oder andere versucht, z.B. seine Freibauern in Bewegung zu bringen.} 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.06.26"] [Round "1.3"] [White "Meyer, Bettina"] [Black "Hannewald, Anton"] [Result "1-0"] [WhiteElo "1878"] [BlackElo "2014"] [ECO "A42"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "129"] 1.d4 g6 2.c4 Bg7 3.Nc3 d6 4.e4 e5 5.Be3 Nd7 6.Nf3 Ne7 7.Be2 O-O 8.d5 ( { meistens geschieht} 8.Qd2 exd4 9.Nxd4 Nc6 {, z.B.} 10.O-O Re8 11.Rad1 Nde5 12.f3 Bd7 13.Rfe1 Nxd4 14.Bxd4 Bc6 15.b4 $14 {, ½-½ 56, van Wely (2610) - Schoppen (2508), Amstelveen NED 2019} ) 8...f5 {wir@kennen diese Position aus der königsindischen HV (5.Sf3 und 6.Le2). Dort erfordert der Vorstoß f7-f5 das vorherige Springermanöver ...Sf6-d7 und danach wieder ...Sf6. Dagegen kam Schwarz in unserer Partie, also der Robatsch-Verteidigung, ohne besagte Springerzüge aus, d.h. er hat glatt zwei Tempi gewonnen. In einer als scharf bekannten Variante müßte das einen klaren Vorteil bringen, dennoch beurteilt Stockfish die Stellung nach 9.0-0 als ausgeglichen. Wenn mir ein Experte dieser Eröffnung erklären kann, warum das so ist, würde ich mich über eine entsprechende Mail (gbd.pal@t-online.de) sehr freuen !} 9.Ng5 Nf6 10.f3 c6 $6 {nach dem Tausch auf e6 wird der Bauer d6 nun zur Schwäche.} ( 10...Nh5 11.Qd2 f4 12.Bf2 Bf6 $11 ) 11.O-O h6 $6 ( 11...c5 {war geboten, nach} 12.Ne6 Bxe6 13.dxe6 f4 14.Bf2 {kann Schwarz die d-Linie mit} 14...Nc6 {nebst ...Sd4 schließen.} ) 12.Ne6 Bxe6 13.dxe6 d5 $6 ( 13...Kh7 $142 14.Qd2 $14 ) 14. exd5 cxd5 15.Bc5 $6 {gibt den Vorteil gleich wieder zurück} ( 15.Nxd5 $1 Nfxd5 16.cxd5 Qxd5 17.Qa4 $1 Kh7 18.Bc4 Qc6 19.Qb3 $14 {/+/-} ) 15...d4 16.Nd5 Nfxd5 ( 16...Nexd5 $1 17.cxd5 ( 17.Bxf8 $2 Ne3 $17 ) 17...Qxd5 $1 18.Bxf8 Kxf8 $11 ) 17.cxd5 Rc8 18.Rc1 Nxd5 $6 {nun nicht mehr das Stärkste} ( 18...Rc7 19.Qb3 ( 19.d6 $6 Rxc5 20.Rxc5 ( 20.dxe7 $6 Qxe7 $17 ) 20...Qxd6 21.Rc1 Bf6 22.Bc4 Bg5 $44 ) 19...Qxd5 20.Qxd5 Nxd5 21.Bxf8 Kxf8 22.Rxc7 Nxc7 23.Rc1 Nxe6 24.Rc8+ Ke7 25.Bd3 $14 ) 19.Bxf8 Rxc1 20. Qxc1 Bxf8 {von allen Qualitätsopfervarianten hat sich Schwarz die ungünstigste ausgesucht.} 21.Bc4 ( {noch etwas stärker war} 21.Qc4 Be7 ( 21...Qd6 $6 22.Rc1 Be7 ( 22...Qxe6 23.Qb3 $16 ) 23.Qb5 $16 ) 22.Qb5 e4 23. fxe4 fxe4 24.Bc4 Ne3 25.Qxb7 $1 Nxf1 26.Qxe4 Qf8 ( 26...Nd2 $4 27.Qxg6+ Kh8 28.Qxh6+ Kg8 29.Bd3 {[%emt 0:00:03] und # in} ) 27.Qxg6+ Qg7 28.Qf7+ Qxf7 29.exf7+ Kg7 30.Kxf1 $16 ) 21...Ne7 22.Re1 {der Turm kann auf der e-Linie nix werden.} ( 22.Qc2 $142 {nebst Tc1} ) 22...Bg7 23.Qd1 $6 ( 23. Qc2 $142 {, z.B.} 23...Qa5 24.b4 Qxb4 25.Rb1 $14 ) 23...Qb6 $6 {Schwarz verpaßt den Ausgleich ...} ( 23...Qa5 $11 ) 24.Qd2 $6 {... und Weiß den Vorteil} ( 24.Qa4 $1 Kf8 ( 24...Qxb2 $4 25.Qe8+ Bf8 26.Qf7+ {1-0} ) 25.Qd7 Bf6 26.Bb5 Kg7 27.Rxe5 $1 Kh7 ( 27...Bxe5 $4 28.Qxe7+ Kh8 29.Qe8+ Kh7 30. Qd7+ Bg7 31.e7 d3+ 32.Kf1 $1 Qe3 33.e8=Q {1-0} ) 28.Re1 a6 29.Bf1 Qxb2 30. Qe8 $14 {/+/-} ) 24...Kh7 25.Kh1 Nc8 $6 ( 25...Bf6 $11 ) 26.a3 Nd6 27.Bd3 Qb3 28.e7 Qe6 29.Qb4 e4 $4 {stellt die Partie ein ...} ( 29...Qxe7 30.Qxd4 b6 31.Qd5 $14 {/+/-} ) 30.Qxd6 $2 {... doch Weiß sieht's nicht !} ( {erst } 30.fxe4 fxe4 {, und dann} 31.Qxd6 $1 Qxd6 32.Rxe4 $1 $18 ) 30...Qxd6 31. e8=Q exd3 32.Rd1 Qf4 33.Qe7 d2 $2 {fast jeder andere Zug hielt die Partie =} ( {z.B.} 33...h5 34.Qxb7 a5 35.Qe7 d2 36.Qe2 Bh6 $11 {. Anders als in der Partie behauptet Schwarz hier den wichtigen Bauern d2.} ) 34.Qe2 Be5 35.g3 Qe3 36.Rxd2 f4 37.g4 Kg7 38.Kg2 Kf6 $2 ( 38...Bf6 39.Qd1 Qe5 40.Qc2 $16 ) 39.Qd1 {plötzlich droht Damenverlust ! Um sie zu retten, muß Schwarz den d-Bauern geben:} 39...d3 40.Rxd3 Qc5 41.Rb3 ( {einfacher war} 41.Rd7 b5 42.b4 Qc6 43.Qd5 $18 ) 41...b6 42.Qd8+ Qe7 43.Qd1 ( 43.Qxe7+ Kxe7 44.Rb4 Kd6 45.b3 $18 ) 43...Qc5 44.Qd2 Qd4 45.Qe2 ( 45.Qxd4 Bxd4 46. Rb4 Ke5 47.b3 Be3 48.Rc4 $18 {hätte das Ganze abgekürzt.} ) 45...Qc5 46. Rd3 Qc1 47.b4 Qb2 48.Rd6+ Kg5 49.Rd2 ( 49.h4+ $1 Kxh4 50.Rd2 Qc3 51.Rd5 { 1-0} ) 49...Qc3 50.Rd5 Kf6 51.h4 g5 52.hxg5+ hxg5 53.Rd3 ( 53.Qe4 $1 {1-0} ) 53...Qb2 54.Qxb2 Bxb2 55.a4 Be5 56.Rd7 a5 57.Rb7 Bd4 58.bxa5 bxa5 59.Rb5 Bc3 60.Kf2 Bd2 61.Ke2 Bc3 62.Kd3 Be1 63.Ke4 Bc3 64.Rb6+ Ke7 65.Kf5 {und endlich sah Schwarz es ein:} 1-0

Als Folge der Pannenhäufung beschloß die DSOL-Leitung, eine Pause von einer Woche einzulegen, um so ChessBase genügend Zeit zu geben, die Software zu korregieren. Die zweite Runde wurde hinter die letzte reguläre Runde versetzt, so blieb der restliche Zeitplan erhalten. Eine sicherlich allgemein begrüßte Einsicht – noch wünschenswerter wäre es allerdings gewesen, wenn die Turnierleitung angesichts der vielen irregulären Ergebnisse die erste Runde annulliert und das Turnier nach der Reparatur neu gestartet hätte.

Unseren zweiten Kampf (3.Runde) hatten wir gegen den SK Ettlingen. Ihre Erste spielt in der Oberliga Baden, (wie bei uns 3. Liga); Ettlingen hat rd. 40.000 Einwohnern und liegt an der südlichen Peripherie von Karlsruhe.
Berliner wie Hamburger schauen gern auf Menschen aus kleineren Städten herab. Doch spätestens die Mannschaftsaufstellungen zeigten uns, daß mindestens in unserer Begegnung derlei Metropolenarroganz völlig unangebracht war: während wir mit einem DWZ-Schnitt von 2087 aufliefen, brachten die Badener stolze 2247 auf den Platz. Der Grund ist einfach: unsere Spieler stammen (wie bei den anderen HSK-Teams auch) aus verschiedenen regulären Mannschaften in ganz unterschiedlichen Spielklassen. Viele HSKler, vor allem aus den höheren Klassen, haben offenbar wenig Interesse an dieser Turnierform. Ettlingen dagegen ist es gelungen, praktisch ihr komplettes Oberligateam für die DSOL zu gewinnen. Auf dieses Phänomen der ambitionierteren Kleinstadtklubs werde ich im Fazit unter dem Punkt "Schachdörfer" noch näher eingehen.
Trotz der DWZ-Differenz lief der Kampf anfangs gut für uns. Simon kam mit schwarz gut aus der Eröffnung, Bettina konnte trotz der enormen DWZ-Kluft von 380 (!) Punkten ihre Weißpartie locker ausgeglichen halten, Norbert hatte an zwei in der seltenen Englischvariante 1.c4 e5 2.g3 c6 zwar Schwarz das Zentrum überlassen, aber die weiße Stellung nach 15 Zügen war ohne Schwächen und so im Gleichgewicht.
Und an eins hatte es Thies mit einem der wenigen anderen Titelträger zu tun: IM Jonas Rosner spielt am Spitzenbrett der Oberliga Baden und hat in der unterbrochenen Saison bis jetzt 4 / 7 geholt, darunter ein Sieg über den ukrainischen GM Juri Solodovnichenko (Untergrombach, ELO 2574). Ein starker Gegner also, der aber in der Partie gegen uns trotz der weißen Steine überaus friedlich gestimmt war. In einer Art Pseudo-Damenindisch (1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.g3 b5 4.Lg2 Lb7) unternahm er nicht einen Gewinnversuch, spielte dabei aber so solide, daß Thies keine Möglichkeit bekam, das Spiel spannend zu machen. So blieb die Partie bis zum 41. Zug in der Remisbreite !
Traditionelle Kämpfe an richtigen Brettern gewinnen oft in der zweiten Hälfte an Dramatik, und wie es scheint, ist das in der Onlineliga nicht anders. Leider kam diese Steigerung diesmal vor allem dem Gegner zugute.
Simon verpaßte seine Chance, sein Figurenspiel zu einem deutlichen Vorteil zu steigern; statt dessen ließ er eine Vereinfachung zu, die Weiß erst andauernden Druck und schließlich ein gewonnenes Endspiel brachte.
Bettina agierte noch unglücklicher. Erst stoppte sie vorteilhaft den schwarzen Königsangriff, nach weiteren Fehlern von Clemens Werner erlangte sie sogar eine Gewinnstellung. Doch kurz vor dem Triumph, einen so guten Gegner umzuhauen, versagten ihr entweder die Nerven, oder sie hatte schlicht zu viel Respekt vor dessen DWZ. Statt das relativ einfache Gewinnmanöver auszuführen, ließ sie den Ettlinger mit einem Dauerschach ins Remis entkommen.
Norberts bis dahin eher ruhige Partie wurde ab dem 20. Zug dank eines Fehler-Pingpong merklich lebhafter. Plötzlich gelang dem Badener der Einbruch in die weiße Stellung. Doch als Arnold im 30. Zug sogar den Sieg in die Hand bekam, vergab er ihn nur zwei Züge später. Nach wiederum zwei Zügen einigte man sich dann in nahezu ausgeglicher Stellung auf Remis.
In einer bis dahin einlullenden Partie geriet Thies mit zwei Fehlern im 41. und 45. Zug noch ernsthaft in Gefahr. Doch der Gegner war nett, griff auch 2x daneben und akzeptierte dann ein Dauerschach. Endstand 1½:2½.
Mit etwas mehr Glück resp. einer abgebrühteren Bettina wäre also eventuell ein 2:2 drin gewesen. Andererseits hätte dann Rosner vielleicht das in dem Fall nicht mehr ausreichende Dauerschach vermieden und nochmal genauer reingeschaut. Das Ergebnis geht also, auch hinsichtlich der DWZ-Kluft, so in Ordnung. Ein Trost noch ans Team: auch mit einem 2:2 hätte es, wie ein Blick auf die Abschlußtabelle (DSOL-Website) zeigt, nicht zum 2. Platz gereicht.

Einzelergebnisse:
Hamburger SK II 2½ SK Ettlingen
1. GM Thies Heinemann (2505) ½ : ½ Jonas Rosner (2431)
2. Norbert Sehner (2228) ½ : ½ Max Arnold (2319)
3. Bettina Meyer (1878) ½ : ½ Clemens Werner (2257)
4. Simon Meyer (1735) 0 : 1 Daniel Volz (1979)
[Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.07.10"] [Round "3.1"] [White "Rosner, Jonas"] [Black "Heinemann, Thies"] [Result "1/2-1/2"] [WhiteElo "2431"] [BlackElo "2505"] [ECO "A46"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "102"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 e6 3.g3 b5 4.Bg2 Bb7 5.O-O c5 6.Bg5 h6 7.Bxf6 Qxf6 8.c3 Qd8 9.Nbd2 Be7 ( {alles normale, übliche Züge, möchte man meinen. Dennoch ist die Variante ein Exot, es gibt hier lt. MB nur noch eine GM-Partie:} 9...cxd4 10.cxd4 Be7 11.e3 O-O 12.Ne5 Qb6 13.a4 d6 14.Bxb7 Qxb7 15.Qf3 d5 16.Qe2 bxa4 17.Rxa4 Qxb2 18.Rb1 Qc2 19.Raa1 Bd6 20.Rc1 Qb2 21.Rcb1 Qc2 22. Rc1 Qb2 23.Rcb1 {½-½, Timman (2541) - Tomczak (2633), Düsseldorf 2019} ) 10.dxc5 Bxc5 11.Nd4 Bxg2 12.Kxg2 Qb6 13.N2f3 O-O 14.Qd3 b4 15.cxb4 Bxb4 16.Rfc1 a5 17.Qb5 Qxb5 18.Nxb5 Nc6 19.Rc4 Rfb8 20.a4 Rb7 21.Rac1 Kf8 22. Nfd4 Nxd4 23.Nxd4 Ke7 24.Nb5 h5 25.h3 g6 26.e3 Rd8 27.g4 hxg4 28.hxg4 g5 29.Rh1 Kf6 30.Kf3 d5 31.Rc6 Kg7 32.Ke2 Be7 33.b3 Rdb8 34.Kd3 Bb4 35.Rh5 Kg6 36.f4 gxf4 37.exf4 Rb6 38.Rc1 Bf8 39.f5+ exf5 40.Rxf5 Re6 41.Nd4 {bis hier verlief die Partie äußerst friedlich, verließ in 40 Zügen (!) nie die Remisbreite. Doch nun verlor Thies den Überblick (vielleicht Zeitnot, er hatte in einigen Partien Probleme mit der Zeiteinteilung) und stand nach zwei Fehlern plötzlich auf Verlust. Netterweise war der Gegner friedlich gestimmt, machte selbst zwei Fehler und akzeptierte dann ein Dauerschach.} 41...Bh6 $2 ( 41...Re4 $11 ) 42.Nxe6 $6 ( 42.Rc5 $1 $16 ) 42...Bxc1 43.Nd4 Bb2 44.Nb5 Rd8 45.Nc7 d4 $2 ( 45...f6 46.Nxd5 Be5 47.Ke4 Rd6 $14 ) 46.Rxa5 Rh8 47.Nd5 ( 47.Rh5 $1 Rb8 48.Nb5 Ra8 49.Rd5 $18 ) 47... Rh3+ 48.Kc2 $2 ( 48.Kc4 Kg7 49.Nf4 Rc3+ 50.Kb4 Rf3 51.Rf5 Kh6 52.Rh5+ Kg7 53.Nd5 d3 54.Rh1 f5 ( 54...Rg3 55.Rd1 Bd4 56.Kb5 $18 ) 55.gxf5 Rxf5 56.Kc4 d2 57.Rd1 Bc1 58.a5 Re5 59.b4 Re1 60.Nc3 $1 $18 ) 48...Rh2+ 49.Kd3 Rh3+ 50.Kc2 $2 {danke Gegner !} ( 50.Kc4 Kg5 51.Nb4+ Kxg4 52.Nd3 Bc3 53.Nf2+ Kg3 54.Rf5 $18 ) 50...Rh2+ 51.Kd3 Rh3+ 1/2-1/2 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.07.10"] [Round "3.2"] [White "Sehner, Norbert"] [Black "Arnold, Max"] [Result "1/2-1/2"] [WhiteElo "2228"] [BlackElo "2319"] [ECO "A11"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "67"] 1.c4 e5 2.g3 c6 3.Bg2 ( {am beliebtesten ist hier die Störung des schwarzen Zentrumsaufbaus mit} 3.d4 {, z.B.} 3...e4 4.Nc3 d5 5.Bg2 Nf6 6. cxd5 cxd5 7.Bg5 Bb4 8.Rc1 Nbd7 9.Nh3 h6 10.Bd2 Bxc3 11.Rxc3 O-O 12.O-O Qb6 $11 {, ½-½ 73, Eljanov (2693) - Edouard (2652), Istanbul 2012} ) 3...d5 4.cxd5 cxd5 5.d3 ( {Euwe wies bereits in den 1960ern darauf hin, daß es riskant ist, hier auf Bauerngewinn zu spielen:} 5.Nc3 Nf6 6.Qb3 $6 Nc6 $5 7.Nxd5 Nd4 8.Nxf6+ Qxf6 9.Qd1 Bf5 10.d3 Rc8 11.Kf1 Bc5 {, und Schwarz hat genügend Initiative für den Bauern, z.B.} 12.e3 Nc6 13.Be4 O-O 14.Kg2 Rfd8 15.Qf3 Bxe4 16.dxe4 Qe6 17.Ne2 Nb4 18.Nc3 Qc4 19.Rd1 Nd3 20.Kg1 Rc6 $44 {, ½-½ 41, Sveshnikov (2565) - Alburt (2515), Ashkhabad 1978} ) 5... Nf6 6.Nf3 Nc6 7.O-O Bd6 8.a3 h6 9.b4 O-O 10.Bb2 Qe7 11.Nbd2 Rd8 12.Nb3 b6 13.Rc1 Bb7 14.b5 Nb8 15.a4 Nbd7 16.e3 a6 17.Nh4 Qe6 18.Re1 ( {Weiß konnte hier mit} 18.f4 {initiativ werden} ) 18...axb5 19.axb5 Ra2 20.Re2 Rda8 21. Rb1 R2a4 $2 ( 21...g5 22.Nf3 Ne8 23.Nc1 R2a4 24.Bc3 f5 $36 {bot sich an.} ) 22.Nd2 $2 {beide Seiten übersehen die mögliche taktische Wendung - eigentlich kein Wunder nach dem einschläfernden ersten Teil der Partie.} ( 22.Nd4 $1 exd4 ( 22...Qe8 23.Nc6 Bf8 24.f4 $14 ) 23.exd4 Ne4 ( 23...Qg4 $2 24.h3 Qg5 25.Bc1 Qh5 26.Bf3 $18 ) 24.dxe4 dxe4 25.d5 $1 Bxd5 26.Rd2 Bb3 27.Rxd6 Bxd1 28.Rxe6 Bc2 29.Rc1 fxe6 30.Rxc2 $14 ) 22...Nc5 $6 ( 22...Rb4 $15 ) 23.d4 $2 {erlaubt Schwarz den Einstieg in die weiße Stellung} ( 23. Ndf3 $1 g5 24.d4 e4 25.dxc5 bxc5 26.Ra1 $11 ) 23...Nd3 24.dxe5 Nxb2 25. Rxb2 Bxe5 26.Rb1 Ne4 27.Nxe4 dxe4 28.Bf1 Ra1 29.Re1 g5 {Schwarz steht inzwischen klar besser, und der Vorteil wird durch den folgenden weißen Zug noch vergrößert.} 30.Rxa1 $2 ( 30.Ng2 Rxb1 31.Qxb1 Ra2 $17 ) 30... Bxa1 31.Ng2 Bc3 32.Re2 Kg7 $2 {und schon ist die Chance wieder vertan !} ( 32...Bd5 $1 {gewann - die Drohung ... Ta1 plus ... Lc4 kann nicht befriedigend abgewehrt werden:} 33.Rc2 Bb3 34.f4 Bf6 $1 35.Qd2 Bxc2 36. Qxc2 Ra1 $19 ) 33.Rc2 Qb3 34.Rc1 $15 {Die Schlußphase inclusive Remiseinigung läßt beiderseitige Zeitnot vermuten.} 1/2-1/2 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.07.10"] [Round "3.3"] [White "Meyer, Bettina"] [Black "Werner, Clemens"] [Result "1/2-1/2"] [WhiteElo "1878"] [BlackElo "2257"] [ECO "A41"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "80"] 1.d4 d6 2.c4 e5 3.e3 ( {lebhafter ist die HV} 3.Nf3 e4 4.Ng5 f5 5.Nc3 Be7 6.Nh3 Nf6 7.g3 O-O 8.Bg2 c6 9.O-O Na6 10.f3 $11 {. Es ist aber verständlich, wenn Bettina sich gegen einen derart überlegenen Gegner nicht auf diese Stellung einlassen wollte.} ) 3...Nc6 4.d5 ( {meistens kommt nun} 4.Nc3 g6 5.Nf3 Bg7 6.Be2 ) 4...Nce7 5.Nc3 f5 6.Bd3 Nf6 7.Nge2 g6 8.Bc2 Bg7 9.O-O O-O 10.f3 a5 11.a3 Bd7 12.Bd2 g5 13.Qb1 a4 14.Ng3 Qc8 15.Qd1 Qe8 16.Qb1 {Einladung zum Remis - aber noch will Werner mehr.} 16...Qg6 17.Qd1 h5 $5 {Schwarz läßt die königsindische Walze los.} 18. Nxa4 h4 19.Ne2 g4 $2 {Erste Voraussetzung für das Gelingen von Flügelangriffen sind Linienöffnungen. Ergo muß man bei Bauernvorstößen darauf achten, daß der Gegner nicht durch Vorbeiziehen die Stellung geschlossen halten kann.} ( {richtig war} 19...e4 20.Nac3 h3 {, z.B.} 21.g3 exf3 22.Rxf3 Ng4 23.Rf1 Rae8 24.a4 Ne5 25.b3 c6 $13 ) 20.f4 Ne4 21.Be1 $6 ( {Der Ld2 ist entbehrlich:} 21.Nac3 Nxd2 22.Qxd2 Qf7 23. Rad1 $14 ) 21...g3 22.h3 Qh5 23.Nac3 Ng6 24.Nxe4 fxe4 25.Bxe4 exf4 26.Qc2 f3 $2 {hat Schwarz hier eine Fata Morgana gesehen ?} ( 26...Bf5 $8 27.Bxf5 Qxf5 28.Qxf5 Rxf5 29.Nxf4 Nxf4 30.Rxf4 Rxf4 31.exf4 Bxb2 32.Rb1 Bd4+ 33. Kf1 $11 ) 27.Bxf3 ( 27.Rxf3 $1 Ne5 28.Rxf8+ Rxf8 29.Nf4 $16 ) 27...Qg5 28. Bd2 Ne5 $2 ( 28...Ba4 29.Qc1 Bd7 30.Bc3 $14 ) 29.Nf4 ( 29.Be4 $1 $16 ) 29...Rae8 $6 ( 29...Nxf3+ 30.Rxf3 Qf5 $14 {/+/-} ) 30.Be4 Rf6 31.Bc3 ( { Stockfish empfiehlt, den schwarzen Aufmarsch auf dem Königsflügel zu ignorieren und die Mehrheit am Damenflügel zu aktivieren:} 31.a4 Ref8 32. b4 Bf5 33.c5 $16 {/+-} ) 31...Ref8 32.Bh7+ Kh8 33.Bxe5 {kein Fehler, aber der Springer drohte auch nix} ( {nach} 33.Bd4 $1 {ist der Königsflügel gut geschützt, und Weiß gewinnt die Partie auf dem Damenflügel, z.B.} 33...Be8 34.Be4 Kg8 35.a4 Bh6 36.b4 R6f7 37.c5 Qe7 38.Ne6 Rf2 39.Rxf2 Rxf2 40.cxd6 cxd6 ( 40...Rxc2 $2 41.dxe7 Rc4 42.Rf1 {1-0} ) 41.Qc8 Qd7 42.Qb8 $1 $18 ) 33...dxe5 $2 ( 33...Qxe5 34.Ng6+ Rxg6 35.Qxg6 Qxe3+ 36.Kh1 Rf2 37.Qh5 Qe2 38.Qxe2 Rxe2 39.Bd3 Rf2 ( 39...Rxb2 40.Rf4 $1 ( 40.Rf7 $2 Bxh3 $1 41.Be4 ( 41.Bf1 $6 Be5 42.Re1 Bg4 $15 ) 41...Bxg2+ 42.Bxg2 h3 43.Rf4 $11 ) 40...Kg8 41.Rxh4 $18 ) 40.Rae1 ( 40.Rab1 Bd4 $16 ) 40...Bxb2 41.Rxf2 gxf2 42.Rb1 Bxa3 43.Rxb7 Bf5 44.Bf1 Kg7 45.Kh2 $1 ( 45.Rxc7+ $6 Kf6 46.Rb7 Bc1 $14 ) 45...Kf6 46.g3 {, und Weiß sollte gewinnen, aber es ist noch ein Stück Arbeit.} ) 34.Ng6+ Rxg6 35.Qxg6 ( 35.Bxg6 $1 Qxe3+ 36.Kh1 Rf2 37.Rxf2 gxf2 38.Rf1 $8 $18 ) 35...Qxe3+ 36.Kh1 Rf2 37.Qh5 $6 ( 37.Rfe1 $1 Qf4 ( 37...Qd2 38.Qh5 Bh6 39.Qxe5+ $1 Kxh7 40.Qe7+ Bg7 41.Qxd7 Qxb2 ( 41...Rxg2 $2 42.Qf5+ {und # in vier} ) 42.Qg4 Qf6 43.c5 $18 ) 38.Qh5 $8 Bh6 39.Qxe5+ Kxh7 40.Qxf4 Bxf4 41.Re7+ $18 ) 37...Bh6 $2 ( 37...Qh6 38. Qxh6 Bxh6 39.Bd3 Bf4 $16 ) 38.Qg6 $2 {Zeitnot ?} ( 38.Qxh4 $1 Kxh7 39.Qe7+ $18 ) 38...Bg7 39.Qh5 ( 39.Rfe1 $18 ) 39...Bh6 40.Qg6 $2 ( 40.Qxh4 {ging immer noch} ) 40...Bg7 1/2-1/2 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.07.10"] [Round "3.4"] [White "Volz, Daniel"] [Black "Meyer, Simon"] [Result "1-0"] [WhiteElo "1979"] [BlackElo "1735"] [ECO "C56"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "123"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.d4 exd4 4.Bc4 Nf6 5.O-O Bc5 ( 5...Nxe4 6.Re1 d5 7.Bxd5 Qxd5 8.Nc3 Qa5 9.Nxe4 Be6 10.Neg5 O-O-O 11.Nxe6 fxe6 12.Rxe6 Bd6 13.Bg5 Rde8 {mit Tendenz zum remislichen Endspiel ist die ruhige Alternative.} ) 6.e5 d5 $1 7.exf6 dxc4 {der Max-Lange-Angriff, ein Relikt aus dem romantischen 19. Jh.} 8.fxg7 ( 8.Re1+ Be6 9.Ng5 Qd5 10.Nc3 Qf5 11.Nce4 O-O-O 12.g4 Qe5 13.Nxe6 fxe6 $132 {ist die scharfe HV.} ) 8...Rg8 9.Bg5 Be7 10.Bxe7 ( 10.Re1 Be6 11.Bxe7 ( 11.Bh6 $2 Qd5 $17 ) 11...Qxe7 12.Nxd4 Rd8 $11 ) 10...Kxe7 11.Re1+ Be6 ( {Stochfish präferiert} 11...Kf6 {, in Smerdon (2506) - Flear (2462) , Daventry 2014, folgte} 12.Re4 Kxg7 13.Nxd4 Kh8 14.Nc3 Bh3 15.g3 f5 16.Rf4 Qd6 17.Qd2 Rad8 18.Rd1 Bg4 19.f3 Nxd4 20. Qxd4+ Qxd4+ 21.Rdxd4 Rxd4 22.Rxd4 Bxf3 23.Rxc4 Rd8 24.Kf2 Bc6 25.Ke3 Kg7 26.Rd4 {½-½} ) 12.Ng5 $6 ( 12.Re4 f5 13.Rh4 Rxg7 14.Nxd4 Ke8 $1 15.Qh5+ Bf7 16.Qe2+ Kf8 17.Nxf5 Qf6 18.Qf3 Rd8 $1 $11 ) 12...Rxg7 13.Nxe6 fxe6 14. Qh5 Qg8 $6 ( {mit} 14...e5 15.Nd2 ( 15.Na3 $6 Qd5 16.g3 Rf8 17.Qe2 b5 $17 ) 15...Qd5 16.Ne4 Rf8 {konnte Schwarz mit leichtem Vorteil aus der Eröffnung herauskommen.} ) 15.g3 $6 {verpaßt den Ausgleich} ( 15.Qc5+ Kd7 16.g3 Rf8 17.Qxc4 $11 ) 15...Rg5 16.Qh4 Kd7 17.Nd2 Rf8 ( 17...b5 $2 { scheitert an} 18.Ne4 $14 ) 18.Nxc4 {der Wendepunkt der Partie: mit der richtigen Fortsetzung bleibt Schwarz in der Offensive; zwei schwächere Züge reichen jedoch, um Weiß die Regie übernehmen zu lassen !} 18...Rg4 $6 ( 18...Rc5 $1 {hielt den Vorteil:} 19.Na3 ( 19.b3 b5 20.Na3 Qf7 $1 21. Rf1 ( 21.f4 $6 Qg6 22.Qh3 ( 22.Kh1 $4 Rh5 {0-1} ) 22...Rxf4 23.Qg2 Rff5 $17 ) ( 21.Re2 d3 22.Rd1 ( 22.cxd3 $2 Ne5 23.Qb4 Nf3+ 24.Kg2 Rh5 $19 ) 22...Ne5 23.Qe4 Rd5 $17 ) ) 19...Rcf5 20.Rf1 ( 20.Re2 e5 $17 ) 20...Qf7 21.Rad1 e5 22.Rd2 Qxa2 23.Qxh7+ Kc8 24.c3 ( 24.Rb1 $2 e4 25.f4 ( 25.Qh3 $2 Ne5 $19 ) 25...b5 $19 ) 24...e4 ( 24...dxc3 25.Nb5 Qa5 26.Qd7+ Kb8 27.Nxc3 Nd4 $15 ) 25.cxd4 Qd5 26.Nc2 Ne5 $17 ) 19.Qh3 Kc8 $2 {es ist schon verblüffend: nach nur zwei scheinbar normalen, brauchbaren Zügen wechselt die Initiative die Seiten. Mit dem Abtausch der Springer verschwindet der schwarze Figurendruck, und die schwarzen Bauernschwächen werden zum bestimmenden Stellungselement.} ( {mit} 19...Rgf4 {behielt Schwarz wenigstens noch gleiches Spiel:} 20.Rf1 ( 20.Re2 d3 $1 21.cxd3 Nd4 $15 ) 20...Qg6 21.Rad1 Kc8 $11 ) 20.Ne5 $1 Nxe5 21.Rxe5 Rf6 22.Rae1 Kb8 ( {auch nach} 22...Qg6 23.R1e2 $16 {bleibt Weiß am Drücker.} ) 23.Kg2 Rgg6 24.Qh4 Qf7 25.R1e2 a6 26.Qxd4 Rf5 27.Qe4 Rgf6 28.f4 $2 {ein Fehler ohne Folgen} ( 28.Rxf5 $16 ) 28...Rxe5 $2 ( 28...Rxf4 $1 29.gxf4 Rxf4 30.Qe3 Qg7+ 31.Qg3 $8 Rg4 {mit guten Remischancen. Aber so etwas im Schnellschach zu sehen wäre doch etwas viel verlangt.} ) 29.Qxe5 Rg6 30.Rd2 Kc8 31.Qd4 Rg8 32.Qa7 c6 33.Qd4 h5 34.h3 Qg6 35.Rd3 Qf5 36.Qe5 Qxe5 ( {dem Damentausch auszuweichen machte es nicht besser:} 36...Qg6 37.Re3 $1 Kd7 38.Qd4+ Kc7 39.Qc4 {, und der weiße Druck bleibt.} ) 37.fxe5 Rg5 38.Re3 Kc7 39.h4 ( {schneller entschied} 39.g4 $1 hxg4 40.h4 {, z.B.} 40...Rg8 41.Rd3 c5 42.Kg3 b6 43.Rd6 $18 ) 39...Rg4 40.Kf3 Rd4 41.Rd3 Rg4 42.Rd6 Rg6 43.Rd4 c5 44.Rf4 Kc6 ( 44...Rg8 45.g4 hxg4+ 46.Rxg4 Rf8+ 47.Rf4 Rh8 48.Kg4 Rg8+ 49.Kh3 Rh8 50.Rf6 Kd7 51.Rg6 c4 52.Kg4 $18 ) 45.Rf6 $18 {Schwarz ist ohne irgendein Gegenspiel, er hat nicht mal Schummelchancen - im Grunde konnte er hier aufgeben.} 45...Rg8 46.Rxe6+ Kd5 47.Rh6 Rf8+ 48.Ke3 Rf5 49. e6 Re5+ 50.Kf4 Re4+ 51.Kf5 Re5+ 52.Kg6 Rxe6+ 53.Kxh5 Re5+ 54.Kg4 Re2 55. Rb6 Rxc2 56.h5 Ke5 57.Kg5 c4 58.h6 c3 59.bxc3 Rxc3 60.g4 Ra3 61.h7 Rh3 62. Rh6 1-0

Über die beiden Kämpfe Porz 1 2½:1½ HSK 2 und Diogenes 1½:2½ HSK 2 hatte ich bereits in früheren Artikeln berichtet. Bleibt noch nachzutragen, daß wir selbst gegen die scheinbar übermächtigen Porzer eine gute Chance gehabt hätten, wäre nicht der Termin in die Haupturlaubszeit Mitte Juli gelegt worden. Aber so kam Thies nicht dazu, sich mit dem starken IM Christian Braun zu messen, und verbrachte den Tag hoffentlich an einem netten, erholsamen Ort.
Weiter geht's also mit den letzten beiden Kämpfen Hameln 1 : HSK 2 und Kastellaun 1 : HSK 2.

Der Hamelner SV, gegründet 1920 (Glückwunsch zum 100. !), ist seit Jahrzehnten einer der führenden Schachklubs in Südniedernachsen; und seit langem gehören sie zum festen Kern der Oberliga Nds.-Bremen. Aber anders als der ebenfalls in der Dritten Liga spielende SK Ettlingen mußte Hameln bei ihrer DSOL-Rangliste auf zwei ihrer besten Spieler verzichten, gegen uns waren sie zudem ersatzgeschwächt. Aber auch bei uns fiel mit Norbert ein guter Mann aus; so lagen die beiden DWZ-Schnitte mit 2051 (Hameln) und 2064 (HSK 2) ziemlich nah beieinander, was einen spannenden Kampf versprach. Tatsächlich konnten sich weder Zuschauer noch Spieler über einen Mangel an Spannung beklagen: drei Partien endeten anders, als man es bei Halbzeit wohl vermutet hätte. Zwei davon drehten sich in der Zeitnotphase sogar um 180° - der reinste Nägelbeißer vor allem für die Zuschauer, die nicht in das zunehmende Chaos eingreifen konnten.

Helge hatte an vier die einzige halbwegs normal laufende Partie erwischt. Wie üblich hatte er sich mit weiß friedfertig aufgebaut (wieder so ein d4/c4/e3 Zeug) – was den Vorteil hatte, daß sein Gegner Jonas Möller nach der Eröffnung offenbar an nichts Böses mehr glaubte und eine Falle Helges im 21. Zug für einen Bauerneinsteller hielt. Nachdem er den Köder verspeist hatte, bekam Helge einen so starken Königsangriff, daß Schwarz ihn nur unter Figurenverlust abwehren konnte. Zwar bot das Endspiel noch eine kleine Komplikation in Form zweier verbundener schwarzer Freibauern, doch Helge löste die Aufgabe souverän.

An zwei hatte der Hamelner Kai Renner mit Weiß in einem eigentlich spannungsarmen Spanier im 15. Zug Stefan Schnock zu einem Figureneinschlag provoziert und dann, anstatt den Bauernverlust zu akzeptieren, mit der Annahme des Opfers Schwarz eine Gewinnstellung geschenkt. Leider zog Stefan dann zu schnell und gab, anstatt mit einem cleveren Manöver den Vorteil zu sichern, nur zwei Züge später alles zurück. Danach driftete die Partie allmählich ins remisliche Damenendspiel. Doch als um den 33. Zug die Zuschauer wohl mit der Punkteteilung rechneten, begann Weiß, die eigentlich unverlierbare Stellung noch peu à peu zu ruinieren. Natürlich fand auch Stefan nicht immer das Beste, aber Weiß verpaßte selbst seine letzten Remischancen. Im 68. Zug hatte Stefan es endlich geschafft, er erzwang die Abwicklung in ein gewonnenes Bauernendspiel. Weiß spielte zwar sinnloserweise noch 12 Züge weiter, was am Ergebnis aber nichts änderte. 2:0 für HSK 2.

Das war schon ganz nett, die wahren Achterbahnen wurden aber an den Brettern drei und eins geboten.
Andreas Poschadel – Simon Meyer begann harmlos mit der verzögerten Abtauschvariante im Spanier. Im 12. Zug öffnete Simon dann leichtfertig die h-Linie, was Weiß mangels schwarzem Gegenspiel dauernden Vorteil gab. Nach gut 20 Zügen hatte sich das Brett etwas gelichtet. Weiß kontrollierte mit seinen Türmen immer noch die einzige offene Linie, und es war nur noch je eine Leichtfigur übrig geblieben: ein weißer Riesenspringer und eine schwarze Kröte, die nur aussah wie ein Läufer. Es war eine Stellung, bei der ein Betrachter vielleicht nicht sofort den konkreten weißen Gewinnweg zeigen kann, aber sicher ist, daß Weiß irgendwie siegen muß – vorausgesetzt, er hat einen Plan. Er hatte aber keinen, zog bald nur noch hin und her. Ab Zug 38 lieferten sich die Kontrahenten einen Fehler-Pingpong, bei dem Weiß nicht nur seinen Monstergaul gegen den schwarzen Großbauern tauschte, sondern auch vier klare Gewinnchancen ausließ. Im 56. Zug hatte Simon dann endlich Ausgleich. Doch anstatt Frieden zu schließen, krönte Weiß die Fehlerserie mit dem einzügigen Einstellen des Turms. Zum Glück hatte ein schwarzer Bauer die vorangegangene Klopperei überlebt, mit ihm gewann Simon nun mühelos die auf den Kopf gestellte Partie. Damit führten wir 3:0.

Thies hatte in den ersten Kämpfen sehr solide gespielt, d.h. er stand bis zu den Zeitnotphase nie schlechter, hatte aber auch keine Gewinnchancen. Doch bereits gegen Diogenes hatte er gezeigt, daß er auch ganz anders kann: volles Risiko, mit offenem Visier auf den Gegner losgehen. Selbst wenn man dabei kurzzeitig analytisch auf Verlust steht, macht das meistens nichts. Denn der Gegner hat weder Zeit noch Engine zum analysieren; im Schnellschach kann man fast schon damit rechnen, daß dem Gegner im entscheidenden Moment die für den oft versteckten Gewinnweg notwendige Kombination von Spielstärke, Idee und Ruhe fehlt.
Gegen Hameln spielte Thies erneut zuschauerfreundlich, d.h. er bot uns wieder so eine scharfe Partie wie gegen Diogenes. Tragisch nur für ihn und uns, daß es diesmal umgekehrt lief: Thies griff früh an, stand längere Zeit auf Gewinn, doch am Ende holte sein Gegner Ulrich Schwekendiek den Punkt.
Letzterer hatte mit schwarz eine dubiose Variante in einer ohnehin passiven Eröffnung gewählt und stand so nach nur 10 Zügen schon klar schlechter. Nur fünf Züge später hatte Thies schon den Gewinn auf dem Fuß – doch das wäre dann schon ein Kunstschuß gewesen, etwa so wie Zlatan Ibrahimovics Fallrückzieher 2013. Im Schnellschach braucht ein Mensch dafür wohl eine eingebaute Engine (ein Schach-Cyborg sozusagen).
Dennoch stand Thies weiter auf Gewinn, doch irgendwie war es nicht sein Tag: erst verpaßte er in den nächsten 10 Zügen mehrere Matchbälle, und dann gab er im 25. und 28. Zug allen Vorteil zurück. Zudem hatte das komplizierte Mittelspiel Weiß zu viel Zeit gekostet: in der eigentlich ausgeglichenen Partie hatte Schwarz noch etwas über 20, Thies dagegen nur noch ca. drei Minuten. Bald stand ein Turm-Springer-Endspiel auf dem Brett, und Thies hielt noch einige Züge gut mit, hatte dann aber zu wenig Zeit, um alle taktischen Tücken zu finden. So wurde die Partie schließlich von den schwarzen Freibauern entschieden.

Einzelergebnisse:
Hamelner SV 1 1 3 Hamburger SK II
1. Ulrich Schwekendiek (2266) 1 : 0 GM Thies Heinemann (2505)
2. Kai Renner (2162) 0 : 1 Stefan Schnock (2019)
3. Andreas Poschadel (1912) 0 : 1 Simon Meyer (1735)
4. Jonas Möller (1863) 0 : 1 Helge Colpe (1995)
[Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.03"] [Round "7.1"] [White "Heinemann, Thies"] [Black "Schwekendiek, Ulrich"] [Result "0-1"] [WhiteElo "2505"] [BlackElo "2266"] [ECO "B07"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "124"] 1.e4 d6 2.d4 Nf6 3.Nc3 g6 4.f4 $1 {das "!" ist diesmal praxisbezogen: von den acht hier bekannten weißen Fortsetzungen ist der Dreibauernangriff immer noch das aussichtsreichste System. Er bietet Taktikern u.a. die besten Chancen, den Gegner zu erledigen, noch bevor der alle Klötze aus der Garage geholt hat.} 4...Bg7 5.Nf3 O-O ( {leichter für Schwarz zu spielen ist die Alternative} 5...c5 6.dxc5 ( 6.Bb5+ Bd7 7.e5 Ng4 ) 6...Qa5 7.Bd3 Qxc5 8.Qe2 O-O ) 6.Be3 c6 7.h3 b5 $6 {die häufigste aber anscheinend nicht die beste Fortsetzung} ( {Stockfish favorisiert} 7... Nbd7 8.e5 Nd5 9.Nxd5 cxd5 10.Qd2 $14 ) 8.e5 Nfd7 ( {beliebter ist} 8...Nd5 {, doch nach} 9.Nxd5 cxd5 10.Bd3 {hat Weiß ebenfalls die besseren Aussichten, z.B.} 10...a6 11.O-O Nc6 12.Qd2 Bf5 13.Bxf5 gxf5 14.Rae1 Qa5 15.c3 b4 16.exd6 bxc3 17.bxc3 e6 18.Ne5 Rac8 19.Rb1 $16 {, 1-0 52, Pavasovic (2568) - Mrkonjic (2394), Sibenik 2010} ) 9.Bd3 Nb6 ( 9...c5 $4 10.Be4 $18 {, eine Pointe von 9.Ld3} ) 10.Qe2 N8d7 $6 {zu passiv} ( 10... Na6 11.a4 b4 12.Nd1 Nc7 13.h4 $14 ) 11.h4 Re8 $6 ( {Weiß hatte bereits klaren Vorteil, noch das Beste für Schwarz war} 11...Nc4 12.Bc1 dxe5 13. dxe5 Nc5 14.Bxc4 bxc4 15.Be3 Ne6 16.h5 $16 ) 12.h5 Nf8 13.hxg6 fxg6 14.Ng5 h6 $2 ( {lt. Stockfish blieb Schwarz nur} 14...Nc4 15.Bxc4+ bxc4 16.Qxc4+ d5 17.Qxc6 $16 {/+- - dies zeigt, wie schlecht es bereits um Schwarz stand.} ) 15.Nf3 ( 15.Bxg6 $3 {hätte den Sack zugemacht:} 15...hxg5 ( 15...Nxg6 16.Rxh6 $3 Bxh6 17.Qh5 Bf5 ( 17...Bg7 18.Qh7+ Kf8 19.Qxg6 Kg8 20.O-O-O $1 {[%emt 0:00:05] und # in} ) 18.Qxh6 Nf8 19.O-O-O e6 20.Rh1 { 1-0} ) 16.Qh5 Nxg6 17.Qxg6 Rf8 18.Qh7+ Kf7 19.f5 Bxf5 ( 19...Ke8 20.e6 $18 ) 20.Qxf5+ Ke8 21.Qxg5 Rg8 22.Rh7 $18 {alles ganz hübsch - aber man muß bedenken, daß Stockfish 15.Lxg6 bei einer Rechentiefe von 20 HZ fand. Es scheint mir wenig realistisch, von einem menschlichen Spieler, selbst einem Meister, zu erwarten, daß er unter Schnellschachbedingungen (Thies hatte hier noch rd. 17 Minuten übrig) nicht nur den Schlüsselzug nebst der Folgepointen finden, sondern auch noch alles präzise durchrechnen kann.} ) 15...Bg4 16.Rh4 Qc8 17.Ne4 ( {druckvoller war} 17.O-O-O Nc4 18. Rdh1 $16 ) 17...Nc4 18.Bc1 ( {gut war auch} 18.O-O-O Be6 ( 18...a5 19.Rdh1 a4 20.Rxh6 $1 $40 ) 19.a3 a5 20.Rdh1 h5 21.Ng3 {, und der weiße Angriff sollte durchschlagen.} ) 18...Be6 $6 ( 18...Rd8 $142 19.Nf2 $16 ) 19.a4 ( {interessant war} 19.Ng3 {mit der Idee} 19...Bg4 20.f5 h5 21.fxg6 dxe5 22. Nxh5 Bxh5 23.Rxh5 exd4 24.Bh6 $40 ) 19...c5 20.axb5 $6 ( {Stockfish präferiert} 20.dxc5 a6 21.b3 d5 22.Ng3 Qxc5 23.Kf1 $1 Qc8 24.Qf2 Nd6 25. exd6 $1 Bxa1 26.f5 $1 exd6 ( 26...gxf5 27.Nd4 Bxd4 28.Qxd4 {1-0} ) ( 26... Bxf5 27.Nxf5 gxf5 28.Qg3+ Kf7 29.Rxh6 exd6 30.Ng5+ {1-0} ) 27.fxe6 Rxe6 28.Bxh6 $18 {sehr schön, lieber elektronischer Freund, aber welcher Mensch soll das alles in Zeitnot finden ? (Thies hatte hier noch 8 Minuten)} ) 20...Nb6 $2 {Schwarz hatte zwar noch 11 Minuten mehr als Weiß, aber selbst mit größerem Zeitpolster ist die Stellung auch für ihn zu kompliziert.} ( 20...Nxb2 21.Bxb2 c4 $16 ) 21.dxc5 dxc5 22.Nc3 ( 22.Ng3 $1 Rd8 23.f5 $1 g5 24.Bxg5 $1 hxg5 25.Nxg5 Rd5 ( 25...Bf7 26.Nxf7 Kxf7 27.Qh5+ Kg8 28.Rg4 {1-0} ) 26.fxe6 Rxe5 27.N3e4 Qe8 28.Qf3 $18 ) 22...Qc7 23.g4 Qd7 $2 ( 23...Bc8 $142 24.Be4 Bb7 25.Be3 $18 ) 24.Be4 ( 24. f5 $1 gxf5 ( 24...g5 25.fxe6 Qxe6 26.Bf5 Qc4 27.Qxc4+ Nxc4 28.Rh3 $18 ) 25.Bxh6 Ng6 26.Qh2 $1 Nxh4 27.Qxh4 Rf8 28.Bxg7 Kxg7 29.gxf5 Bxf5 30.Qg5+ Kh8 31.Qh6+ Kg8 32.O-O-O {1-0} ) 24...Bxg4 25.f5 $6 {irgendwie tragikomisch: so lange der Zug gewann, machte Weiß ihn nicht; nun zieht er ihn endlich, und es ist nicht mehr das Stärkste.} ( 25.Bc6 Qe6 26.Ne4 $18 ) 25...gxf5 26.Bxa8 Rxa8 27.Bxh6 Ng6 28.Rxg4 $2 {vergibt den restlichen Vorteil} ( 28.Rh2 Qb7 29.Bxg7 Kxg7 ( 29...Bxf3 30.Qd2 f4 31.Bh8 $1 Nd7 32.Ra6 $18 ) 30.Qd2 Rh8 31.Rxh8 Nxh8 32.Nh2 Qh1+ 33.Nf1 $16 ) 28... fxg4 29.Qe4 Qe6 30.Bxg7 Kxg7 31.Ng5 Qxe5 32.Qxe5+ Nxe5 $11 33.Kf2 Kg6 34. Nge4 c4 35.Kg3 Nbd7 36.Ra6+ Kf5 37.Nf2 Nf6 38.Ne2 $2 {angesichts des horrenden Restzeitverhältnisses - Thies 2, Schwekendiek noch 18 Minuten - ist es schon erstaunlich. daß Thies so lange keinen Fehler machte. Nun aber fordert die Zeitnot ihren Tribut.} ( 38.Nfd1 Nh5+ 39.Kg2 Rd8 40.Ne3+ Kf4 41.Ned5+ Kg5 42.Rxa7 $11 ) 38...Rd8 $1 39.c3 $2 ( 39.Kg2 Rd2 40.Kf1 Nd5 $17 ) 39...Rd7 $4 {Schwarz ist auch "nur" ein Mensch} ( 39...Nh5+ 40. Kg2 Nf4+ $1 41.Kf1 ( 41.Nxf4 Kxf4 42.Rxa7 Rd2 $19 ) 41...Nxe2 42.Kxe2 g3 43.Nh3 Rh8 44.Ng1 Kf4 45.Ra1 Rh2+ 46.Kd1 Nd3 {0-1} ) 40.Nd4+ Kg5 41.Ne6+ Kf5 42.Nd4+ Kg5 43.Ne6+ Kh5 $6 {objektiv war Remis durch Stellungswiederholung am besten. Aber vielleicht kann Schwekendiek ja pokern und setzte hier auf Thies' Zeitnot.} 44.b6 $2 {und schon hat Schwarz recht behalten.} ( 44.Ra5 $1 Kh6 $8 45.b6 Nc6 46.Rc5 Rd3+ ( 46... Nd8 $2 47.bxa7 $18 ) ( 46...Rd6 $2 47.b7 Nb8 48.Rc8 $18 ) 47.Kg2 axb6 48. Rxc6 Rd2 49.Rxb6 Nd5 50.Rb8 Re2 51.Rd8 ( 51.Nd4 $6 Ne3+ 52.Kg3 Nf1+ $11 ) 51...Ne3+ 52.Kg1 Rxb2 53.Ne4 $14 ) 44...axb6 45.Rxb6 $6 ( 45.Nf4+ Kg5 46. Ne6+ Kh6 47.Nd4 Rb7 $15 ) 45...Rd6 $2 ( 45...Rd3+ $1 46.Kg2 ( 46.Nxd3 $2 cxd3 47.Ra6 d2 48.Ra1 Nc4 $19 ) 46...Re3 47.Rb5 Kg6 48.Nf4+ Kf5 49.Nd5 Re1 $19 ) 46.Nf4+ Kg5 47.Rb5 Kf5 48.b3 $6 ( 48.Ne2 Ne4+ 49.Kg2 $1 Nxf2 50.Kxf2 Rd2 51.Ke3 Rd3+ 52.Kf2 $15 ) 48...cxb3 49.N4d3 $4 {leider ein Fehler, den Schwarz leicht verwerten kann} ( 49.Rxb3 Nc4 50.Rb5+ e5 51.Ne2 $8 Ne4+ 52. Nxe4 Rd3+ 53.Kg2 Kxe4 54.Rb4 Kd5 55.Rb5+ Kc6 56.Rb4 Kc5 57.Rb8 $15 {/-/+} ) 49...Rd5 50.c4 Rxb5 51.cxb5 Nxd3 52.Nxd3 Nd5 53.Nb2 Nb6 54.Nd3 e5 55.Nb2 e4 56.Nd1 Nd5 57.Nb2 e3 58.Nc4 Ke4 59.b6 Nxb6 60.Nxb6 Kd3 61.Na4 Kc2 62. Kxg4 e2 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.03"] [Round "7.2"] [White "Renner, Kai"] [Black "Schnock, Stefan"] [Result "0-1"] [WhiteElo "2162"] [BlackElo "2019"] [ECO "C78"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "164"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.O-O Bc5 6.c3 b5 {Premiere war lt. MB Pillsbury-Fazy, Paris Simultan 1900. Im letzten Jahrzehnt kam die Variante wieder in Mode, nachdem sie mit Carlsen, Caruana, Mamedyarov, Anand (et al) klangvolle Protagonisten bekommen hatte.} 7.Bc2 d5 8.exd5 Qxd5 9.d3 Bg4 10.Nbd2 O-O 11.h3 Bh5 12.Qe2 Rad8 13.Ne4 Nxe4 14.dxe4 Qd6 $6 ( 14...Qe6 $142 {(verhindert 15.g4)} 15.Bd1 Rd6 16.Kh2 Rfd8 $11 ) 15.b4 $2 {eingedöst oder Taktik-Modul abgeschaltet ?} ( 15.g4 $1 Bg6 16.b4 Bb6 17. a4 f6 18.Nh4 $14 ) 15...Bxb4 $1 16.cxb4 $2 {erst das verlor !} ( 16.Rd1 $1 {hätte den Schaden auf einen Minusbauern begrenzt:} 16...Bxf3 $8 17.Qxf3 Qc5 $8 18.Rxd8 Nxd8 $1 ( 18...Rxd8 $6 19.Bb3 Bxc3 20.Bh6 $1 Rd7 21.Qg4 Qf8 22.Qxd7 Bxa1 23.Bd2 $14 ) 19.Bd2 Ne6 $15 ) 16...Nd4 17.Qd1 Qf6 $2 {ein Jammer, Schwarz verpaßt die Pointe seines Figurenopfers.} ( 17...Nxf3+ $1 18.gxf3 Qe6 $1 19.Kg2 ( 19.Qe2 $2 Qxh3 {0-1} ) 19...Rxd1 20.Bxd1 Qc4 ( 20...f5 $4 21.Bb3 $18 ) 21.Be3 ( 21.a3 f5 $1 22.Rb1 Qc6 23.Bb3+ Kh8 24.Bd5 Qd7 $1 25.Bb2 c6 26.Ba2 fxe4 27.fxe4 Rf3 28.Rh1 Qd2 {[%emt 0:00:07] und # in} ) 21...Qxb4 22.Rc1 Qd6 23.Kh2 c6 24.Rg1 ( 24.Bc5 Qf6 $1 $19 ) 24...Rc8 25.Rc5 h6 $19 ) 18.Bg5 $1 Nxf3+ 19.Qxf3 Qxg5 20.Qc3 $6 {erlaubt Schwarz, doch noch zu klarem Vorteil zu kommen} ( 20.Qf5 $1 {glich aus:} 20...Qxf5 ( 20...Qd2 21.Bb3 Bg6 22.Qxe5 Qxb4 23.Qxc7 Qxe4 24.Rac1 $11 ) 21.exf5 f6 22.Bb3+ Bf7 23.Rfc1 $1 $11 ) 20...Rd2 $6 ( 20...Be2 $1 21.Rfe1 Bc4 22.Red1 ( 22.Bb3 Rd4 $17 ) 22...Qf6 $1 23.Bb3 ( 23.Rxd8 Rxd8 24.a4 g6 25.axb5 axb5 26.Qe3 Rd4 $17 ) 23...Rd4 24.Rxd4 exd4 25.Qd2 d3 $17 ) 21.h4 ( {oder} 21. Bb3 $11 ) 21...Qf4 22.g3 Qh6 23.Bd1 $6 ( 23.Bb3 $11 ) 23...Rfd8 24.Bxh5 Qxh5 25.Qxc7 h6 26.Rae1 Kh7 27.Re3 Rd1 $2 ( 27...f6 28.Kg2 Qg4 29.a3 Rc8 30.Qb7 Qe6 $17 {, mit dem aktiveren Turmpaar kann Schwarz trotz der symmetrischen Bauernstellung noch einiges versuchen.} ) 28.Rxd1 Rxd1+ 29. Kg2 Ra1 30.Rf3 f6 31.a3 Rg1+ ( 31...Qg4 32.Qc3 Rd1 33.Re3 $11 ) 32.Kxg1 Qxf3 33.Qa5 {eigentlich ist die Partie nun remis - aber im Schnellschach kann man, wie wir sehen werden, selbst so etwas noch verlieren !} 33... Qd1+ 34.Kg2 Qd6 35.a4 $2 ( 35.h5 Qc6 36.Kg1 $11 ) 35...Qc6 36.axb5 axb5 37.f3 $2 ( {Weiß hätte besser den Bauern e4 gegeben:} 37.Kh2 Qc4 38.Kg1 Qe2 39.Qa1 ( 39.Qa8 $2 Qe1+ $17 ) 39...Qxe4 40.Qc3 $15 ) 37...Qc2+ 38.Kg1 ( 38.Kh3 Qe2 39.Qa3 h5 40.Qc3 Qf1+ 41.Kh2 Qf2+ 42.Kh3 Qg1 43.g4 $8 hxg4+ 44.fxg4 Qf1+ $1 45.Kg3 Qf4+ 46.Kh3 Qxe4 $17 {/-+} ) 38...Qd3 39.Kf2 Kg6 $2 ( 39...Qd2+ 40.Kf1 Qe3 41.Qxb5 Qxf3+ 42.Ke1 Qxg3+ 43.Ke2 Qxh4 $17 {/-+} ) 40.g4 h5 41.g5 $2 ( 41.Qa8 Kh7 42.Qe8 {und Weiß hat Dauerschach !} ) 41...Qd2+ 42.Kf1 Qc1+ 43.Kf2 Qd2+ 44.Kf1 Qd3+ 45.Kf2 fxg5 46.Qa6+ Kh7 47. hxg5 Qd2+ 48.Kf1 Qxb4 49.g6+ ( 49.Qe6 $2 Qc4+ {0-1} ) ( 49.Qb7 h4 $19 ) 49...Kh6 50.Qa8 Qc4+ ( 50...Qb2 $1 51.Qh8+ Kxg6 52.Qe8+ Kg5 53.Qe7+ Kf4 54.Qh4+ Ke3 55.Qg5+ Kd3 56.Qxh5 b4 $19 ) 51.Kg2 Qe6 $6 ( {einfacher gewann } 51...Qe2+ 52.Kg3 h4+ $1 53.Kxh4 Qh2+ 54.Kg4 Qf4+ 55.Kh3 Qxf3+ 56.Kh2 b4 57.Qh8+ Kxg6 58.Qe8+ Qf7 $19 ) 52.Qb7 ( 52.Qb8 Qxg6+ 53.Kf2 h4 54.Qh8+ Kg5 55.Qd8+ Qf6 $19 ) 52...Qc4 53.Qf7 ( 53.Qa8 Qe2+ $19 ) 53...Qc2+ 54.Kg3 Qd2 ( 54...h4+ $1 55.Kg4 Qg2+ 56.Kxh4 Qh2+ 57.Kg4 Qh5+ 58.Kg3 Qxg6+ {0-1} ) 55.Qe8 Qf4+ $6 ( 55...h4+ $1 56.Kxh4 Qf4+ 57.Kh3 Qxf3+ 58.Kh2 Qh5+ 59.Kg3 Qxg6+ {0-1} ) 56.Kf2 b4 $6 ( 56...h4 $19 ) 57.Qh8+ Kxg6 58.Qe8+ Kh6 59. Qh8+ Kg6 60.Qe8+ Kg5 $2 {erlaubt dem Gegner ein letztes Mal, noch den halben Punkt zu retten ...} ( 60...Qf7 61.Qxe5 b3 62.Qb5 h4 $19 ) 61.Qe7+ Qf6 62.Qxb4 h4 63.Qd2+ Kh5 64.Qd7 Qg5 65.Qe8+ Kh6 66.Qh8+ Kg6 67.Qe8+ Kh7 68.Qf7 $4 {... doch der besteht auf der Null} ( 68.Qe6 {und 68.Dd7 waren remis !} ) 68...h3 $1 69.Qf5+ Qxf5 70.exf5 Kh6 71.Kg3 Kg5 72.Kxh3 {hier hätte Weiß getrost aufgeben können.} 72...Kxf5 73.Kg3 g6 74.Kg2 Kf4 75. Kf2 g5 76.Kg2 g4 77.fxg4 Kxg4 78.Kf2 Kf4 79.Ke2 Ke4 80.Kf2 Kd3 81.Ke1 Ke3 82.Kd1 Kf2 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.03"] [Round "7.3"] [White "Poschadel, Andreas Gregor"] [Black "Meyer, Simon"] [Result "0-1"] [WhiteElo "1912"] [BlackElo "1735"] [ECO "C77"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "152"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.Bxc6 {der verzögerte Abtausch (oder Bayreuther Variante (Euwe)) ist mit 0,9% (MB) ein seltener Vogel in der modernen Turnierpraxis.} 5...dxc6 ( 5...bxc6 $6 6.O-O d6 7.Re1 Be7 8. d4 $14 ) 6.d3 Bg4 ( {angebracht ist} 6...Bd6 7.Nbd2 Be6 8.O-O O-O {, z.B.} 9.b3 Nd7 10.Bb2 b5 11.d4 f6 12.h3 c5 13.d5 Bf7 14.a4 Nb6 $11 {, ½-½ 59, Nakamura (2708) - Carlsen (2810), Wijk aan Zee 2010} ) 7.h3 {anders als in der klassischen Abtauschvariante geht nun ...h5 nicht.} 7...Bxf3 8.Qxf3 Nd7 9.Qg3 Qf6 10.Nd2 Bc5 11.Nf3 Qg6 12.Qg4 Qxg4 $2 {die Öffnung der h-Linie wird Schwarz bald in Schwierigkeiten bringen.} ( {in Frage kam} 12...f6 {, z.B.} 13.Qe6+ Be7 14.g4 Nc5 15.Qc4 b5 16.Qc3 O-O $11 ) 13.hxg4 Bd6 ( 13...f6 14.g5 Kf7 15.gxf6 gxf6 16.Rh6 $16 ) 14.Be3 Nf6 ( 14...f6 15. g5 O-O-O 16.Ke2 $14 ) 15.Rh4 $6 ( 15.g5 $142 Nd7 16.Ke2 f6 17.g4 $16 ) 15...O-O-O $6 ( 15...h5 $1 16.g5 Ng4 $14 ) 16.Ke2 ( 16.g5 $1 Nd7 17.Ke2 $16 ) 16...h6 17.Rah1 Rhg8 18.g5 hxg5 19.Bxg5 Rde8 20.Bxf6 gxf6 21.g3 c5 ( 21...Kd7 22.Rh7 Ke6 23.R1h5 ( 23.Nh4 $6 Rh8 ) 23...a5 24.Nh4 $16 ) 22.Rh7 Ref8 23.R1h5 Kd7 24.Nh4 Ke6 25.R7h6 ( 25.Nf5 $16 ) 25...Be7 26.Nf5 b6 27. Kf1 Rg6 28.Rh7 Bd8 29.R5h6 Rxh6 30.Nxh6 Be7 31.Ke2 Bd6 32.Kf3 Be7 33.Kg4 Bd6 34.Kf3 $6 {offenbar hat Weiß keinen Plan} ( 34.f4 b5 35.Nf5 Rg8+ 36. Ng7+ Kd7 37.Kf5 $16 ) 34...Be7 35.Ke3 Bd6 36.Rg7 Be7 37.Ng8 Bd6 38.g4 $2 ( {wieder war} 38.f4 {besser:} 38...exf4+ ( 38...Be7 39.f5+ Kd7 40.Kf3 Ke8 41.Kg4 b5 42.Kh5 {und weiter wie nach 38...ef4} ) 39.gxf4 Be7 40.f5+ Kd7 41.b3 b5 42.Kf3 Kd8 ( 42...Ke8 43.Kg4 Kd7 44.Kh5 Ke8 45.Kh6 Kd7 46.Rg4 Ke8 47.Kg7 $18 ) 43.Kg4 Kd7 44.Kh5 Ke8 45.Kh6 Kd7 46.Rg4 c4 47.Kg7 $18 ) 38... Be7 ( 38...c4 $1 39.dxc4 Rd8 $11 ) 39.Kf3 Bd6 ( 39...Rd8 40.b3 Bf8 41.Rh7 b5 $11 ) 40.Kg3 Be7 41.Kh3 Kd7 42.Kh4 f5+ $2 ( 42...Ke6 43.b3 c4 44.bxc4 Bb4 $11 ) 43.Nxe7 $2 ( 43.g5 $1 fxe4 44.dxe4 Bd8 45.Nh6 Ke6 46.Rh7 c4 47. Ng4 Re8 48.c3 a5 ( 48...b5 49.Rh6+ Kd7 50.Rxa6 ) 49.a4 $1 c6 50.Rh6+ Kd7 51.Nf6+ $1 Bxf6 52.Rxf6 Re7 53.Kh5 $1 b5 54.Kh6 $18 {, Weiß gewinnt entweder f7 oder c6 und damit auch die Partie.} ) 43...Kxe7 $2 ( 43...Rh8+ $1 44.Kg5 Kxe7 45.Kxf5 Rh2 $11 ) 44.exf5 $2 ( 44.Rg5 $1 fxg4 45.Rxe5+ Kf6 46.Rf5+ Ke6 47.Kxg4 $16 ) 44...Kd7 $4 {Fehler-Pingpong - waren da vielleicht zwei in Zeitnot ?} ( 44...Rh8+ $1 45.Kg5 Kf8 46.f6 Rh2 $14 ) 45.Kg3 Ke7 46.Kf3 $2 ( 46.g5 $1 Kd6 47.Kg4 {, und der weiße Gewinn ist nicht schwer, z.B.:} 47...b5 48.Rh7 c4 ( 48...Ke7 49.g6 $18 ) 49.dxc4 bxc4 50.Kh5 Kd5 51.Kh6 Ke4 52.Kg7 Rd8 53.Kxf7 Kxf5 54.g6 {1-0} ) 46...Rh8 47.g5 Kf8 $6 ( 47...Rh4 $14 ) 48.f6 Rh4 49.Ke3 $6 ( 49.b3 b5 50.c4 {, und Weiß sollte gewinnen, z.B.} 50...b4 51.Ke3 ( {aber nicht} 51.g6 $2 Rf4+ $11 ) 51...c6 ( 51...Rf4 52.Rh7 $1 Kg8 53.Rh3 Rg4 54.Rg3 Rh4 ( {nach} 54...Rxg3+ {ist Weiß im Bauernendspiel schneller:} 55.fxg3 Kh7 56.Ke4 Kg6 57.Kxe5 Kxg5 58.Kd5 Kxf6 59.Kxc5 Kf5 60.Kd5 $1 Kg4 61.Ke5 {1-0} ) 55.Rf3 Kh7 56. Rf5 $18 ) 52.g6 $1 fxg6 53.Rc7 $18 ) 49...Rh2 $2 ( 49...c4 $1 $14 ) 50.g6 fxg6 51.Rxc7 Rh3+ $2 ( 51...Rh4 {ist zwar auch für Weiß gewonnen, aber nicht so einfach:} 52.b3 g5 53.f3 a5 54.c4 Rh6 ( 54...Rh2 $2 55.Ke4 $18 ) 55.Rc6 Kf7 56.Rxb6 Rh2 57.a4 Rb2 58.Rc6 Rxb3 59.Rxc5 $18 ) 52.Ke4 Rh2 53. Kxe5 $4 {die dumme Gier - Weiß vernichtet seinen Schutzschild !} ( 53.Kd5 $1 {, und der Sieg ist kinderleicht:} 53...Rxf2 54.Ke6 Kg8 55.Rc8+ Kh7 56. f7 Kg7 57.Rg8+ {1-0} ) 53...Rxf2 54.Rc8+ $6 ( 54.c3 Rxb2 55.d4 $14 ) 54... Kf7 55.Rc7+ Kf8 56.Rc6 $6 {vergibt auch noch den letzten Rest Vorteil} ( 56.c3 {ging immer noch} ) 56...Re2+ 57.Kd6 Kf7 58.Rxb6 g5 {bisher war's nur Fehler-Achterbahn, jetzt springt der weiße Wagen vom Gleis} 59.Rxa6 $4 ( 59.Kxc5 g4 60.Rb4 Rxc2+ 61.Kd6 g3 62.Rg4 g2 63.Ke5 Re2+ 64.Kf5 Rf2+ 65.Ke5 ( 65.Kg5 Rxf6 66.Kh5 $8 Rf2 $11 ) 65...Re2+ $11 ) 59...Re6+ 60.Kxc5 Rxa6 {dank des verbliebenen g-Bauern könnte Schwarz dies in Sekunden gewinnen, Weiß hätte sich den Rest daher schenken können.} 61.a3 g4 62. Kd4 g3 63.Ke3 Rxf6 64.a4 g2 65.a5 g1=Q+ 66.Ke4 Qa7 67.Kd5 Qxa5+ 68.Kc4 Rc6+ 69.Kd4 Qb4+ 70.Ke3 Qxb2 71.Ke4 Qxc2 72.Ke3 Re6+ 73.Kf4 Qxd3 74.Kg4 Qf1 75.Kg5 Rg6+ 76.Kh4 Qh1# 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.03"] [Round "7.4"] [White "Colpe, Helge"] [Black "Möller, Jonas"] [Result "1-0"] [WhiteElo "1995"] [BlackElo "1863"] [ECO "D26"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "85"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 d5 3.c4 e6 4.Nc3 dxc4 5.e3 a6 6.Bxc4 b5 7.Bd3 Bb7 8.O-O Nbd7 9.a3 c5 10.Qe2 Bd6 11.Rd1 Qc7 ( {HV ist} 11...Qb8 12.h3 O-O ) 12.h3 O-O 13.Bd2 Rac8 14.Rac1 Qb8 15.Bb1 Rfd8 16.e4 $6 ( 16.dxc5 Nxc5 17.Bc2 $11 ) 16...cxd4 17.Nxd4 Nb6 ( 17...Nc5 $1 18.Bg5 Bh2+ 19.Kf1 Be5 $15 ) 18.Bg5 Be5 19.Nf3 Rxd1+ 20.Rxd1 $6 {eigentlich zweifelhaft - aber der Zug enthält eine Falle, ohne die Weiß nicht zu Königsangriff gekommen wäre.} ( 20.Nxd1 {war gerade noch =} ) 20...Bxc3 21.bxc3 Rxc3 $2 {frißt den Köder} ( {richtig war erst} 21...Ne8 $1 {, danach kann Schwarz die weißen Bauernschwächen angehen, z.B.} 22.Qc2 Qc7 23.Be3 Nc4 24.Bc1 Ned6 25.e5 Nf5 $15 ) 22.Bxf6 gxf6 23.Qd2 Qc8 $2 ( {zäher verteidigte} 23...Rb3 {, obwohl Weiß nach} 24.Qd4 $1 Rxb1 25.Rxb1 Qc7 26.Rd1 $1 Kg7 27.e5 Nd5 28.exf6+ Nxf6 29.Ne5 {ebenfalls gewinnen sollte.} ) 24.Qh6 Qf8 25.Qxf6 Rc8 26.Kh2 ( 26.Ne5 $1 {gewann schnell:} 26...Qg7 ( 26...Qe8 27.Qg5+ Kh8 ( 27...Kf8 28.Qh6+ Ke7 29.Qh4+ $1 Kf8 30.Qxh7 $1 Bd5 ( 30...Rc7 31.Qh8+ Ke7 32.Qh4+ Kf8 33.Rd8 {1-0} ) 31.exd5 Nxd5 32.Bg6 Rc7 33.Bxf7 Rxf7 34.Ng6# ) 28.Rd3 $1 Bxe4 29.Rg3 Bg6 30.Qf6+ Kg8 31.Bxg6 hxg6 32.Nxg6 $1 fxg6 33. Rxg6+ Qxg6 34.Qxg6+ Kf8 35.Qf6+ Ke8 36.Qxe6+ {1-0} ) 27.Rd8+ Rxd8 28.Qxd8+ Qf8 29.Qxb6 {1-0} ) 26...Re8 27.Qf4 $2 {gibt dem Gegner noch eine Chance ...} ( 27.Qg5+ Qg7 28.Rd8 $1 Bc6 29.Rxe8+ Bxe8 30.Qd8 $18 ) 27...Nc4 28. Rd3 Qg7 29.Qc7 Bxe4 $2 {... doch auch Schwarz haut daneben.} ( {nach} 29...Ba8 30.Rd7 Rf8 $16 {wäre der weiße Angriff fürs erste gestoppt, und Schwarz hätte noch gewisse Remischancen gehabt.} ) 30.Rd8 Rxd8 31. Qxd8+ Qf8 32.Qxf8+ Kxf8 33.Bxe4 {mit der Mehrfigur steht Weiß auf Gewinn, aber wegen der schwarzen Damenflügelbauern ist die Aufgabe nicht so einfach, wie die Varianten anschaulich zeigen.} 33...Nxa3 ( 33...h6 34.Kg3 Nxa3 35.Nd4 Ke7 ( 35...a5 36.Bd3 b4 37.Nb3 a4 38.Nc5 $18 ) 36.Bb7 a5 37. Nc6+ Kd6 38.Nxa5 Kc5 39.Bf3 b4 40.Bd1 $18 ) ( 33...f5 34.Bb7 a5 35.Bc8 Ke7 36.Nd4 Nxa3 37.Nc6+ $18 ) 34.Bxh7 f5 35.Bg6 $1 b4 ( 35...Ke7 36.Nd4 Kf6 37.Bh5 e5 ( 37...a5 38.Be2 b4 39.Nb3 $1 a4 40.Nc5 $18 ) 38.Nb3 Nc4 39.Be2 Nd6 40.Kg3 Ne4+ 41.Kf3 Nc3 42.Ke3 Nd5+ 43.Kd2 $18 ) 36.Nd2 ( 36.Nd4 $1 Ke7 37.Bh5 Nb1 38.Nb3 $18 ) 36...a5 37.g4 a4 38.gxf5 Kg7 ( 38...exf5 39.Bxf5 Nb5 40.Bd3 Nc3 41.Kg3 b3 42.Kf4 b2 43.Nb1 $8 $18 ) 39.Be8 b3 40.Bxa4 b2 41.fxe6 b1=Q ( 41...Kf6 42.Bb3 {1-0} ) ( 41...Nc4 42.Nb1 Kf6 43.Kg3 {1-0} ) 42.Nxb1 Nxb1 43.e7 1-0

Bleibt noch unsere verschobene 2. Runde, der Auswärtskampf gegen Kastellaun 1. Wegen der ChessBase-Bastelwoche war die Runde auf den 12. August verlegt worden. Kastellaun ist sozusagen der Superlativ unter den Schachdörfern (dazu mehr im Fazit): während die anderen, auch in den Parallelstaffeln der 1. Liga, wenigstens Kleinstädte sind, ist Kastellaun ein echtes Dorf resp. Verbandsgemeinde mit rd. 5.500 Einwohnern. Es liegt auch schön abgelegen: knapp 60km westlich von Mainz am nordöstlichen Ende des Hunsrück.
Im Schach jedoch sind sie offenbar alles andere als Provinz: dank Siegen über Ettlingen, Hameln, Solingen und Diogenes Hamburg (letztere wurden glatt mit 4:0 abgefertigt) hatten sich die Kastellauner bereits vor unserem Kampf den 2. Platz und damit die Zwischenrunde gesichert.
Wir hatten bei den DWZ-Schnitten einen gewissen Vorsprung: Kastellaun 2024, HSK 2 2122. Doch das wurde durch Norberts Disput mit der DSOL-Software schnell nivelliert, und an den restlichen drei Brettern lieferte uns Kastellaun eine lange ebenbürtigen Kampf, den sie mit besseren Nerven zumindest nicht verloren hätten.

Beginnen wir also mit Norbert. Er konnte sich mit der Kontrollsoftware nicht auf ein gültiges Passwort einigen. Unsere Troubleshooterin Eva-Maria brauchte eine halbe Stunde, Norbert doch noch den Zugang zum Turnierraum zu öffnen. Der aber war mittlerweile so enerviert, daß er sich im 1. Zug auf Remis einigte.
An vier spielte Simon gegen den starken A-Jugendlichen Paul Plum. (Überhaupt scheint der Verein, so erfährt man auf seiner Website, ziemlich aktiv im Jugendbereich zu sein, sie richten sogar Rheinland-Pfalz Meisterschaften aus - bemerkenswert bei einer so kleinen Bevölkerungsbasis)
Simon servierte mit der Greco-Variante eine italienische Spezialität aus dem 17. Jahrhundert. Als Schwarz im 9. Zug abwich, hätte Simon eine aussichtsreiche Initiative bekommen können. Doch diesmal war die Göttin nicht mit ihm. Fortuna meinte wohl, sie habe Simon gegen Köln-Porz und Hameln schon genügend beschenkt; statt dessen half sie dem Gegner, indem sie im entscheidenden Moment Simons Gedächtnis blockierte.
So stand er ab dem 12. Zug deutlich schlechter. Als ziemlich schnell auch noch Zeitnot dazukam, hatte Schwarz es leicht, den Druck zu verstärken, und er gewann im 27. Zug eine Figur. Sechs Züge später folgte noch eine Qualität, so blieb Simon nur die Kapitulation.

Besser erwischte es Stefan. In einer Nebenlinie des geschlossenen Sizilianers im Anzug (1.c4 e5 2.Sc3 g6) stand er als Schwarzer nie schlechter; und als sein Gegner Julius Ohler früh Remis bot, hatte Stefan den richtigen Riecher und lehnte ab. Schon bald verdarb Weiß mit einer Fehlerserie nach und nach seine Stellung. Schließlich erlag er noch einer taktischen Fata Morgana, was Stefan erlaubte, die Partie mit Matt zu beenden.

Zwischenstand 1½:1½, ergo entschied wieder Thies am Spitzenbrett den Kampf. Er hatte weiß gegen Kastellauns Besten, den ebenfalls noch jugendlichen Jan Boder. Die Partie macht den Eindruck, Thies habe mittlerweile Gefallen am Vabanquespiel gefunden; allerdings half diesmal die launische Software etwas nach. In der Eröffnung gingen beide sehr früh eigene Wege: eine eigenwillige Mischung aus Alapin-Sizilianer (2.c3) und frühem Fianchetto. Nach gerade mal fünf (!) Zügen hatte meine 6,8 Mill. Partien starke MB nur noch fünf Treffer zu bieten, darunter keine GM-Partie. Schwarz schien damit gut zurechtzukommen, vielleicht als Folge häuslicher Vorbereitung; jedenfalls vermochte er, die Partie trotz fehlender Theorie bis ins Mittelspiel nahezu im Gleichgewicht zu halten. Im 22. Zug gewann Thies die Qualität, was sich aber, als Boder schnell mehr als genug Kompensation bekam, als aussichtsreiches Opfer erwies. Damit nicht genug, ergriff nun auch die DSOL-Software Partei für Schwarz und warf Thies vom Server, was ihn wertvolle Minuten kostete.
(Wie es scheint, hatte ChessBase bei der Überarbeitung des Programms einen entlegenen Sektor übersehen – HAL 9000 lebte noch !)
Der schwarze Vorteil wuchs nun schnell, nach einem weißen Fehler im 28. Zug zeigte Stockfish bei 30 HZ bereits -4,1 an. Dabei muß man aber bedenken, daß es eine dieser Stellungen war, in der zwar der Engine nichts Taktisches verborgen bleibt, der menschliche Spieler aber (talentierte Jugendliche eingeschlossen) zunächst kaum mehr sehen dürfte als daß Schwarz für die Qualität einen starken Freibauern und lästigen Figurendruck hat. Zudem machte Schwarz ab nun den Fehler vieler junger Spieler: er blitzte munter mit, obwohl er noch weit mehr Zeit hatte. Trotzdem stieg der schwarze Vorteil noch, im 38. Zug erreichte die Partie den Gipfel schwarzen Vorteils sowie ihren dramatischen Höhepunkt: für die richtige schwarze Fortsetzung gibt die Engine -10,5 (!), außerdem hatte Thies nur noch 1½, Boder dagegen mehr als 20 Minuten Restzeit.
Nach menschlichem Ermessen war Weiß also erledigt. Doch wer nun abschaltete, verpaßte das Beste: trotz der Dauerzeitnot – Thies lebte praktisch vom 15 Sec/Zug Increment – rettete er die Partie nicht nur, er drehte sie auch noch komplett ! Zuerst übersah Boder den Gewinn, und im 42. Zug hatte Thies die Partie auch wieder im Gleichgewicht. Danach griff fast nur noch Schwarz daneben, wofür er merkwürdigerweise weit mehr Zeit verbrauchte als Thies. Im 56. Zug hatten beide nur noch rd. eine Minute auf der Uhr, und Weiß stand tatsächlich auf Gewinn. Es folgte noch ein längeres Gehacke, bis Thies schließlich im 79. Zug den Punkt eintütete. So haben wir den Kampf, den sicher Viele schon verloren gesehen hatten, noch 2½:1½ gewonnen.

Einzelergebnisse:
Kastellaun 1 Hamburger SK II
1. Jan Boder (2160) 0 : 1 GM Thies Heinemann (2505)
2. Tim Pfrengle (2108) ½ : ½ Norbert Sehner (2228)
3. Julius Ohler (1978) 0 : 1 Stefan Schnock (2019)
4. Paul Plum (1848) 1 : 0 Simon Meyer (1735)
[Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.12"] [Round "8.1"] [White "Heinemann, Thies"] [Black "Boder, Jan"] [Result "1-0"] [WhiteElo "2505"] [BlackElo "2160"] [ECO "B30"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "157"] 1.e4 c5 2.Nf3 g6 3.Bc4 {vielleicht hoffte Thies, den Gegner mit der seltenen Nebenlinie aus der Theorie zu heben. Der aber zeigte sich gut präpariert:} 3...Nc6 4.c3 Nf6 5.e5 d5 6.Bb5 Nd7 7.Bxc6 bxc6 8.O-O Bg7 9. Re1 $6 ( 9.d4 $11 ) 9...e6 ( {Stockfish empfiehlt} 9...c4 10.d3 cxd3 11. Qxd3 O-O $15 ) 10.d3 O-O 11.Qe2 Qb6 12.c4 Rb8 $6 ( 12...a5 $11 ) 13.Nc3 Qb4 14.Nd1 a5 15.Bd2 Qb6 16.Rc1 ( 16.Nc3 $1 Qa7 ( 16...Qxb2 $4 17.Rab1 Qa3 18.Rxb8 Nxb8 19.Rb1 $18 ) 17.Bg5 Re8 18.Na4 h6 19.Be3 Bf8 20.Qd2 Kh7 21.b3 $14 ) 16...Ba6 17.Rc2 Qc7 18.h4 h5 19.g3 ( {wieder will Stockfish} 19.Nc3 {, z.B.} 19...Nb6 20.b3 $14 ) 19...Rbe8 $6 ( 19...a4 20.Nc3 Nb6 $11 ) 20. Bf4 ( 20.Nc3 Nb6 21.b3 $14 ) 20...Rb8 21.Qd2 ( 21.Nc3 $14 ) 21...Rb4 22. Qc1 Nb6 {verliert eine Qualität, was sich allerdings bald als aussichtsreiches Opfer entpuppt.} ( 22...Rfb8 $11 ) 23.Bd2 dxc4 24.Bxb4 cxb4 25.Ne3 $6 ( 25.dxc4 c5 26.Qf4 Bb7 27.Kf1 Nd7 $11 ) 25...cxd3 26.Rxc6 Qb7 27.Nd2 Bxe5 $6 ( 27...Na4 28.Ng2 Bb5 29.Rc7 Qb8 $15 ) 28.Rc5 $2 { analytisch steht Schwarz nun auf Gewinn (siehe Variante 30...Bd4!). Allerdings ist die Stellung so komplex, daß er unter Schnellschachbedingungen den Vorteil kaum nutzen kann.} ( {geboten war für Weiß das - bei knapper Zeit jedoch kaum zu findende -} 28.Nf5 $1 Nd7 ( {nach} 28...Bf6 $2 {zeigt sich die Pointe des Springerzuges:} 29.Nd6 Qb8 30.N2e4 $16 ) 29.Ne7+ Kg7 30.Ne4 Bb5 31.Nd6 Bxd6 32.Rxd6 Re8 33.Qg5 Nf8 $8 34.Re5 $11 ) 28...Nd7 29.Rxa5 Rc8 30.Qb1 {Nun wird's hektisch. Thies war vorübergehend disconnected und hatte daher hier nur noch wenige Minuten, mußte also schnell spielen. Und Boder, obwohl er noch ein weit größeres Zeitpolster hatte, blitzte und patzte munter mit.} 30...Qb6 $2 ( 30...Bd4 $1 31.Qd1 ( 31.a3 Ne5 32.Rc1 Rxc1+ 33.Qxc1 Qb6 34.Ra4 Bxe3 35.fxe3 Qxe3+ { , und Weiß wird matt.} ) 31...Bxb2 32.Qf3 Qb6 33.Rg5 Bb7 34.Qxh5 Qc6 $19 ) 31.Ra4 $2 ( 31.Rxa6 $8 Qxa6 32.Nec4 Rxc4 33.Qxd3 $15 ) 31...Bd4 $6 ( 31...Bb7 $1 32.Qxd3 Nc5 33.Qc2 Qc6 $19 ) 32.a3 b3 $6 ( 32...Bxe3 33.Rxe3 Rc2 $19 ) 33.Rb4 Qa7 $6 ( 33...Qd6 34.Qd1 Ne5 35.Qxb3 Ng4 $17 {/-+} ) 34. Nxb3 Be5 $2 ( 34...Bb6 35.Ra4 Qb7 $17 ) 35.Nd2 Nf6 36.Rb3 $2 ( 36.Rc1 $11 ) 36...Bd4 ( 36...Bxg3 $1 37.fxg3 Rc2 $1 38.Nf1 Ng4 39.Rc3 Rxc3 40.bxc3 d2 41.Nxd2 Nxe3 42.Nf3 Ng4+ 43.Nd4 e5 $19 ) 37.Nf3 $2 ( 37.Rxd3 Bxd3 38.Qxd3 Bxb2 39.Ndc4 $15 ) 37...Bxe3 38.fxe3 $2 ( 38.Rxe3 Rc2 39.Qe1 Ng4 $19 ) 38...Rc2 $2 ( 38...Qc7 $1 39.Kh2 ( 39.Kg2 Ne4 {[%emt 0:00:09] und # in} ) 39...Ng4+ 40.Kg2 ( 40.Kh3 Qd7 $1 41.Rc3 e5 42.Kg2 Rxc3 43.bxc3 d2 44.Rd1 Nxe3+ 45.Kg1 Qg4 {0-1} ) 40...Qd6 41.Qd1 Rc2+ 42.Nd2 Qc7 $1 43.Rb4 Bb7+ 44.Rxb7 Qxb7+ 45.Kg1 Qxb2 {0-1. Die Engine bewertet bei 30 HZ bereits die Stellung nach 39...Ng4+ mit -10,5. Das klingt gruselig, aber man darf eins nicht vergessen: die Kisten finden die ganze Taktik zuverlässig in wenigen Sekunden, manchmal gar Zehntelsekunden; der menschliche Spieler dagegen braucht, um das alles zu entdecken, 1. die Idee, 2. etliche Minuten und 3. innere Ruhe. Wer öfter BL-Partien live im Internet verfolgt hat, kennt das Phänomen: wenn die Live Engines in der Zeitnotphase z. B. Bewertungen von +6 oder gar +8 anzeigen, denkt man als Zuschauer "alles klar !". Von wegen, der Mensch am Brett sieht's einfach nicht, selbst GMs widerfahrt das immer wieder. Offensichtlich trübt bei den meisten Spielern die nervliche Anspannung die taktische Optik. Zurück zu unserer Partie: Schwarz hatte bereits gezeigt, wie gehetzt er war; man konnte daher fast schon erwarten, daß ihm der Gewinn verborgen blieb. Weitaus düsterer fand ich dagegen das Bedenkzeitverhältnis: Thies hatte hier nur noch eineinhalb Minuten auf der Uhr, Boder dagegen noch über 20 !} ) 39.Rc3 Qb7 40.Rxc2 dxc2 $2 ( 40...Qxf3 41.Rf2 ( 41.Rg2 $2 Bb7 $19 ) 41...Qxg3+ 42.Rg2 Qh3 $17 ) 41.Qxc2 Qxf3 42.Qf2 {kaum zu glauben, aber Weiß hat ausgeglichen ! Und es kommt noch besser ...} 42...Qg4 43.Kh2 Ne4 44.Qf4 Qxf4 $6 ( 44...Nd2 45.Qxg4 hxg4 46.Rd1 Nf1+ 47.Kg1 Nxg3 48.a4 Kg7 49.b4 Ne2+ 50.Kf2 Nc3 51.Ra1 Bc4 $11 ) 45.exf4 Nd2 46.Rd1 Nb3 47.Rd6 $6 ( 47.Rd7 Kf8 48.a4 Ke8 49.Ra7 Bc4 50.a5 Bd5 51.a6 $16 ) 47...Bc4 48.Kg1 Kf8 49.Rd7 Ke8 50.Ra7 f6 $6 ( 50...Bd5 51.a4 e5 $1 52.fxe5 Kd8 $14 ) 51.Kf2 Kd8 $6 ( 51...Bd5 52.a4 Nd4 53.b4 Nc6 54.Rb7 Ne7 $14 {/±} ) 52.Ke3 e5 $2 ( 52...Bf1 53.Rf7 Bh3 54.Rxf6 Bf5 55.Rf7 Kc8 56.Ra7 $16 ) 53.fxe5 fxe5 54. Ke4 Be6 55.Kxe5 Bd7 56.Kd6 {, und Weiß steht auf Gewinn ! Beide Seiten hatten nun nur noch ca. eine Minute auf der Uhr. Ohne Increment wäre die Partie längst durch ZÜ entschieden worden, so endet sie im Geblitze:} 56...Bf5 57.Ra8+ Bc8 58.Ke5 $2 ( 58.a4 Nd4 59.a5 Nb5+ 60.Kc6 Nd4+ 61.Kb6 { 1-0} ) 58...Kc7 59.Kf6 Bf5 60.Ra4 $6 ( {schneller ging} 60.Rg8 Bc2 61.Rxg6 $18 ) 60...Nc5 61.Rc4 Kb6 62.Kg5 Ne6+ 63.Kh6 Kb5 64.Rc3 Nc5 65.b3 Ne4 66. Re3 Nf2 67.Re5+ Ka6 68.Kg5 ( 68.Rxf5 $1 gxf5 69.Kxh5 {und aus.} ) 68... Ne4+ 69.Kf4 Nd6 70.a4 Kb6 71.b4 Bc2 72.a5+ Ka7 73.b5 Kb8 74.b6 Nc4 75.Rc5 Bd3 76.Rd5 Bc2 77.Rd8+ Kb7 78.Rd7+ Kb8 79.a6 1-0 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.12"] [Round "8.3"] [White "Ohler, Julius"] [Black "Schnock, Stefan"] [Result "0-1"] [WhiteElo "1978"] [BlackElo "2019"] [ECO "A21"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "72"] 1.c4 e5 2.Nc3 g6 ( {zuerst} 2...Nc6 {verhindert 3.d4} ) 3.g3 ( 3.d4 {kam in Frage. Aber viele 1.c4-Spieler sind derart auf die Strukturen mit g3 und Bg2 fixiert, daß ihnen in diesem Moment die nötige Flexibilität fehlt.} ) 3...Bg7 4.Bg2 f5 5.e3 d6 6.Nge2 c6 ( {90% spielen hier} 6...Nf6 {. Doch weniger ausgetretene Pfade müssen nicht schlechter sein - bieten sie doch dem Gegner die Chance, eher als in der bekannten HV den Durchblick zu verlieren.} ) 7.O-O Be6 8.d3 Nf6 9.b3 O-O 10.Bb2 d5 11.Qc2 Na6 12.a3 Qd7 13.Na4 Nh5 14.f4 exf4 15.exf4 Rad8 16.Bxg7 Qxg7 17.Rae1 Rfe8 18.Kh1 Bf7 19.Ng1 {etwa hier bot Weiß Remis. Lt. Stockfish ist die Stellung tatsächlich =. Doch es spielen, wie gesagt, Menschen gegen Menschen, Psychologie ist Trumpf. So taxierte Stefan den Gegner richtig und lehnte ab.} 19...Qh6 20.Qf2 $6 {und da ist sie schon, die erste Ungenauigkeit.} ( 20.Rxe8+ Rxe8 21.Qf2 $11 ) 20...Nf6 $6 {Schwarz gambelt ...} ( 20...dxc4 21.dxc4 Rd3 $15 ) 21.Nf3 ( {Stockfish besteht auf} 21. Qxa7 $14 {; vielleicht war die Stellung mit abseits stehender Dame dem Weißen zu riskant.} ) 21...dxc4 $6 ( {besser erst} 21...Rxe1 22.Rxe1 {und dann} 22...dxc4 23.dxc4 Ne4 24.Qxa7 Nxg3+ 25.Kg1 Ne4 $11 ) 22.dxc4 $2 {... und behält recht} ( 22.Rxe8+ $1 Rxe8 23.bxc4 b6 24.Ne5 $14 ) 22...Ne4 23. Rxe4 $8 Rxe4 24.Ne5 Red4 $6 {objektiv nicht das Beste - aber es verleitet Weiß zum partieentscheidenden Fehler !} ( 24...Rxe5 25.fxe5 Rd3 $15 ) 25. Qe3 $2 ( 25.Nxf7 $1 Kxf7 26.Bd5+ {wäre die Ausgleichskombi gewesen:} 26...cxd5 27.Qxd4 Qf8 28.b4 Qe8 $11 {Aber wie der nächste Zug zeigt, hattte Weiß offenbar sein Taktikmodul deaktiviert.} ) 25...Qf8 $1 26.Bxc6 $2 {ab in den Orkus} ( 26.Nxf7 $2 {ging nun nicht mehr:} 26...Rd3 27.Nh6+ Kg7 $1 $19 ) ( {am besten war noch} 26.Nc3 Nc7 27.Nd5 Ne6 $1 $17 ) 26... bxc6 27.Nxc6 Rd1 28.Nxd8 Rxf1+ 29.Kg2 {Stefan hatte nun eine ziemliche Auswahl an Gewinnzügen, netterweise wählte er etwas zuschauerfreundliches:} 29...Ra1 30.Nxf7 Ra2+ 31.Kh3 ( 31.Kg1 Qa8 $1 {0-1} ) 31...Kxf7 $1 32.Qxa7+ Kg8 33.g4 Qh6+ 34.Kg3 Qxh2+ 35.Kf3 Qe2+ 36.Kg3 Qxg4# 0-1 [Event "DSOL 1. Liga Gruppe B"] [Site "play.chessbase.com"] [Date "2020.08.12"] [Round "8.4"] [White "Meyer, Simon"] [Black "Plum, Paul"] [Result "0-1"] [WhiteElo "1735"] [BlackElo "1848"] [ECO "C54"] [EventDate "2020.??.??"] [PlyCount "67"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bc4 Bc5 4.c3 Nf6 5.d4 {die alte Greco-Variante. Heute wird fast nur noch das solide, aber auch langweilige 5.d3 (oder bereits 4.d3) gespielt.} 5...exd4 6.cxd4 Bb4+ 7.Nc3 Nxe4 8.O-O Bxc3 9.d5 Na5 { objektiv nicht das Beste, aber als seltene Nebenlinie bietet sie die Chance, daß Weiß sie - wie hier - schlicht vergessen hat.} ( {HV ist} 9...Bf6 10.Re1 Ne7 11.Rxe4 d6 12.Bg5 Bxg5 13.Nxg5 h6 14.Qe2 hxg5 15.Re1 Be6 16.dxe6 f6 $1 17.Re3 c6 {, und Weiß muß ums Remis kämpfen.} ) 10. bxc3 ( {einfacher war} 10.Bd3 f5 ( 10...Nf6 $2 11.bxc3 O-O 12.Qa4 b6 13. Qh4 $18 ) 11.bxc3 O-O 12.Re1 d6 13.Bb2 $11 {, z.B.} 13...Nc5 14.c4 Nxd3 15.Qxd3 b6 16.Nd4 {mit aussichtsreichem Spiel für den Bauern.} ) 10... Nxc4 11.Re1 $6 {hier suchte Weiß 22 Minuten nach der richtigen Fortsetzung, doch sein Gedächtnis (Dein Hirn, das unbekannte Wesen) blieb stur und rückte nix raus.} ( 11.Qd4 O-O $1 ( 11...Ned6 $4 12.Qxg7 Rf8 13. Re1+ {1-0} ) ( 11...Ncd6 $6 12.Qxg7 Qf6 13.Qxf6 Nxf6 14.Re1+ $14 ) 12.Qxc4 Nd6 13.Qf4 $44 ) 11...Nd6 12.Ng5 $6 ( 12.Nd2 $142 f5 13.f3 O-O 14.fxe4 fxe4 15.Ba3 $1 e3 $1 16.Rxe3 Nf5 $15 ) 12...f5 13.f3 $6 ( 13.Qh5+ {war besser, reichte aber auch nicht ganz:} 13...Kf8 $1 ( 13...g6 $2 14.Qh6 Qf6 15.f3 Qf8 16.Qh4 h6 17.fxe4 f4 ( 17...hxg5 $2 18.exf5+ Kf7 19.fxg6+ Kg8 20.Qxg5 {, und Weiß gewinnt} ) 18.Nf3 g5 19.Qg4 $14 ) 14.Bf4 Qf6 $1 15. Nxh7+ Rxh7 16.Qxh7 Nf7 17.h4 b6 $15 {/-/+} ) 13...h6 $1 14.Nh3 O-O 15.fxe4 Nxe4 16.Qb3 d6 17.Nf4 Qf6 18.Bb2 Qh4 19.g3 Qg4 20.Re3 Nc5 21.Qc2 Bd7 22. Rf1 Rae8 23.Ref3 Re4 24.Bc1 Rfe8 25.h3 Qg5 26.Ne6 Qg6 {Weiß hatte hier in schlechterer Stellung gerade noch eine Minute, die nächsten Fehler waren da unvermeidlich.} 27.Nxc7 $2 ( {nach} 27.Nf4 Qf7 28.c4 {sieht Stockfish Schwarz immer noch mit 3,5 im Vorteil, aber er hat wenigstens keinen unmittelbaren Gewinn.} ) 27...R8e7 ( {oder} 27...Re2 $1 28.Qb1 R8e4 {mit Mattangriff} ) 28.Bf4 $6 ( 28.Qg2 Ba4 29.Ne6 Nxe6 30.dxe6 Bc6 $1 $19 ) 28...Ba4 29.Qc1 Rxc7 30.Be3 Bb5 31.R1f2 Nd3 32.Qb1 Nxf2 33.Qxb5 Nxh3+ 34. Kg2 0-1

DSOL-Fazit

HSK 1, 3, 4 und 6 sind im Viertelfinale, haben also die Chance aufs Finale am 11. September. Für unsere anderen Teams war schon nach der Vorrunde Schluß. Doch die DSOL ist dann noch nicht Vergangenheit, denn für den Herbst ist bereits eine 2. Auflage geplant. Und es sieht so aus, als ob der HSK erneut mit mehreren Teams dabei sein wird. Bis dahin ist noch etwas Zeit, die wir nutzen können, indem wir uns für die Ausbesserung der noch vorhandenen Schwachstellen einsetzen; sie sind im folgenden dargestellt.
Außerdem bot die DSOL noch zwei, wie ich finde, bemerkenswerte Phänomene.

Technik / Software

Nachdem die erste Turnierwoche zu einem Kandidaten für die Serie “Pleiten, Pech und Pannen” geraten war, gelang es den Programmierern bei ChessBase offenbar, die meisten Fehlerquellen zu eliminieren.
Zum Ärger der Betroffenen1 blieben jedoch die häufigen Verbindungsabbrüche (disconnected), die plötzlich und ohne Zutun der Spieler auftraten. Hier müssen DSOL resp. ChessBase unbedingt noch an der Zuverlässigkeit der Server arbeiten – bei lichess, chess24 und chess.com funktioniert’s ja auch.
Außerdem mußten wir (und sicher auch andere) uns mehrfach mit einem Fehler herumschlagen, den zwar aus der Sicht von PC-Experten i.d.R. der Anwender zu verantworten hat, der in seiner Auswirkung aber ein grundsätzliches Problem unserer famosen DSOL-Software aufzeigt. Es geht schlicht um die Verweigerung des Zugangs, wenn Spielername und/oder Passwort von der Website nicht akzeptiert werden. PC-Trainer mit Humor sagen dann gern, daß die Ursache des Problems einen halben Meter vor dem Monitor sitzt. Formal ist das zwar richtig, denn meistens hat in diesen Fällen der Anwender irgendwann die Zugangswörter geändert (PC-Ratgeber raten dazu, zumindest die Passwörter öfter zu wechseln), dann aber sich nicht die weniger griffigen neuen, sondern weiter die alten Wörter gemerkt. Aber alles wäre halb so wild, wäre die Software nutzerfreundlich. Wissen wir z.B. bei chess.com oder chess24.com unser Passwort nicht – kein Problem, ein Klick auf “Passwort vergessen ?”, dann gibt man seinen Spielernamen und E-Mail-Adresse ein, Sekunden später antwortet die Website, man fügt sein neues Passwort ein, und schon kann’s losgehen. Das nenne ich nutzerfreundlich. Die DSOL-Software dagegen erinnert leider an die Einführung der Live-Übertragung von Schachturnieren im Internet vor etwa 20 Jahren. Ausfälle waren an der Tagesordnung, einfach weil das System keine Fehler tolerierte. Ein falscher Zug oder ein falscher Tastendruck am Kontroll-PC, und das Programm stürzte ab, das Diagramm fror ein und blieb auch so. (Mir fällt da sofort “Starfighter-Syndrom” ein. Die Älteren werden sich noch erinnern, die Jüngeren haben, gute Geschichtslehrer vorausgesetzt, das Thema Starfighter-Affäre in der Schule behandelt2.) Es dauerte Jahre, bis die Live-Übertragungen akzeptabel liefen. Hätte sich das ein Fernsehsender mit Fußball erlaubt, wäre er im Nu erledigt gewesen.
Wird Zeit, daß sich die DSOL in puncto Benutzerfreundlichkeit an chess.com, chess24 oder lichess orientiert.

Strukturen / Turnierform

Die DSOL war von Anfang an als “Turnier in mehreren Ligen”3 geplant und sollte “dem regulären Spielbetrieb so nahe wie möglich kommen”. Hätten bis zu 100 Teams gemeldet, wäre sie daher wohl in jeder Liga als Rundenturnier durchgeführt worden. Mit 246 gemeldeten Mannschaften war das jedoch nicht mehr möglich, so wählte man einen von der Fußball-WM bekannten Modus: pro Liga Vorrundenstaffeln im Rundensystem, danach weiter im KO-System. Der Zeitplan wurde maximal gestrafft: zwischen Meldeschluß und Finale liegen nur gut 12 Wochen. Letzteres geschah vielleicht, um Spieler zu gewinnen, die von einer ausgedehnteren zeitlichen Verpflichtung abgeschreckt worden wären.

Diese Zeit- und Turnierstrukturen haben jedoch zwei Nachteile:
1) darf man die Aussagen “dem regulären Spielbetrieb so nahe wie möglich” und “… allen interessierten Vereinen die Gelegenheit geben, die Wartezeit zu überbrücken und wieder an Mannschaftswettkämpfen teilzunehmen.” wohl so interpretieren, daß es intendiert war, möglichst vielen Spielern zu ermöglichen, ein Mannschaftsturnier zu spielen. Es gibt wohl keinen, der diese Intention nicht begrüßt; sie wird jedoch durch den jetzigen Modus konterkariert, denn dabei sind drei Viertel der Teilnehmer nach der Vorrunde draußen, müssen beim zweiten Teil zugucken.
2) hat der geraffte Zeitplan auch zwei negative Folgen:
– es gibt kurzzeitige, aber innerhalb dieser Zeit den Betroffenen intensiv beanspruchende Verpflichtungen, z.B. Fortbildungen, Prüfungen incl. Vorbereitungen, Pflege kranker Verwandter. Fällt so etwas zeitlich mit der Vorrunde zusammen, ist für den betroffenen Spieler das ganze Turnier gelaufen;
– der kurze Zeitraum zwischen Ausschreibung und Meldeschluß ließ den Vereinsleitungen sehr wenig Zeit, ihre Mitglieder zu befragen. Entsprechend wurden, sicherlich nicht nur beim HSK, zum einen Spieler gemeldet, die gar nicht spielen wollten oder konnten, zum anderen Spieler nicht gefragt, die gern gespielt hätten.

Eine brauchbare Alternative wäre statt Vor- und Endrunde ein Schweizer System Turnier mit 9-11 Runden.
Zwei Varianten sind denkbar: a) die Ligaeinteilung wird beibehalten, je Liga ein Turnier Schweizer System;
b) die Ligaeinteilung wird aufgehoben, und es wird ein großes Schweizer System Turnier gespielt.
a) bleibt bei der herkömmlichen Klasseneinteilung mit einem Sieger pro Liga.
b) bietet, weil klassenlos, Underdogs den Reiz, wie bei anderen Swiss-Turnieren in den ersten Runden gegen Top-Gegner spielen zu dürfen – man denke nur an die exotischen Paarungen zu Beginn von Olympiaden.
Beide Varianten haben den großen Vorteil, daß alle Teilnehmer bis zum Schluß dabei sind.
Natürlich braucht ein Swiss-Modus einen weniger gedrängten Zeitplan. Erst nach dem letzten Kampf einer Runde kann die nächste Runde gelost werden. Wenn wir bei dem aus unserer HMM bekannten System mit Heim- und Auswärtsteams an Wochentagen bleiben – aus meiner Sicht spricht nichts dagegen – erfahren so die Teilnehmer nicht vor Freitag nacht oder Samstag morgen ihren nächsten Gegner, wer Heimrecht hat und, daraus folgend, an welchem Wochentag gespielt wird. Sie sollten daher pro Runde eine Woche Vorlauf für die Mannschaftsaufstellung haben. Und wenn der Zeitplan schon entzerrt wird, sollten die Vereine auch mehr Zeit für die Aufstellung der Ranglisten bekommen. Außerdem erlaubt ein gedehnterer Zeitplan Spielern mit o.g. kurzzeitigen Verpflichtungen, wenigstens einen Teil des Turniers mitzuspielen.

Regelwerk

Zunächst möchte ich das Increment positiv hervorheben. 15 Sekunden pro Zug mag für den Langzeitpartien gewohnten Spieler nicht viel sein, aber die Zugabe minimiert immerhin die Fälle von Zeitüberschreitung sowie die in Extremzeitnot unvermeidlichen groben Fehler.

Leider gibt es auch Punkte, die dringend geändert oder sogar gestrichen werden müssen.
An oberster Stelle weil häufig vorgekommen stehen die Regelungen zum Abbruch der Serververbindung, auch disconnect genannt. Im Normalfall4 geschieht dies ohne Zutun des betroffenen Spielers. Der Anwender ist also nicht Täter, sondern Opfer; wenn jemand verantwortlich ist, dann der Serverbetreiber im Falle zu schwachen oder fehleranfälligen Servers, oder die Softwarefirma, wenn beim Programm geschlampt wurde. Bei der DSOL wird jedoch allen Ernstes das Opfer für die Panne bestraft, so heißt es im DSOL-Handbuch:

Eine Partie hängt
Es kann vorkommen, dass eine Partie nach einem disconnect, einem vorübergehenden Verbindungsabriß, nicht wieder startet. Grundsätzlich kann der Server damit umgehen und die Zeit des Spielers, der einen Verbindungsabriß hatte, läuft weiter. Dieser Zeitverlust geht zu seinen Lasten.”5

Das ist so infam, daß es jedem, der noch über einen Rest an intaktem Rechtsverständnis verfügt, für einen Moment die Sprache verschlägt. Man muß dabei wissen, daß der Prozeß des reconnect etliche Minuten dauern kann; die jetzige Regelung also leicht zu starker Zeitnot oder gar Zeitüberschreitung führt.
Leider sind das nicht nur theoretische Überlegungen, lt. Website des SK Ettlingen ist ausgerechnet der für das Erreichen der Zwischenrunde entscheidende Erstligakampf Kastellaun 1 – Ettlingen durch eine solchermaßen entstandene ZÜ von Kastellaun 2½:1½ gewonnen worden6.
Wenn ein Disconnect akut auftritt, ist es müßig, nach der Ursache zu suchen (ob nun Programm oder Server versagt haben), dazu ist nach dem Spiel immer noch Zeit. Der laufende Kampf verlangt nach einer schnellen, aber auch rechtlich korrekten Behebung der Panne. Dazu ist es am sinnvollsten, Disconnect einstweilen als einen Fall höherer Gewalt zu betrachten und dann so vorzugehen, wie es jede vernünftige Turnierordnung bei höherer Gewalt vorsieht: Uhr anhalten, d.h. Partie unterbrechen. Wird die Panne während des laufenden Kampfes behoben, kann die Partie unverzüglich fortgesetzt werden. Sollte das Reconnect wider Erwarten länger dauern, kann man wie bei einer altmodischen Hängepartie die Fortsetzung der Partie zeitnah ansetzen.

Eine weitere Absurdität finden wir auf der DSOL-Website unter Ausschreibung in den “Regelungen für Anti-Cheating-Maßnahmen: … 2. Kontrolle der Partien.” Dort heißt es: “Während die Partien gespielt werden, werden diese durch eine Software des Serverbetreibers überwacht und kontrolliert. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Taskswitches zu. Taskswitch ist das Aufrufen eines weiteren Programms während der Partie. Dabei spielt es keine Rolle, ob hier ein Zusammenhang mit Schach besteht. Taskswitches können einen Cheating-Verdacht begründen. Die Spieler sind daher verpflichtet, Taskswitches während der Partie zu unterlassen.”
Im Klartext: die DSOL-Leitung maßt sich an, Deinen PC, also Dich im Deiner Wohnung, zu überwachen; außerdem erdreistst sie sich, Dir zu untersagen, während der Partie auf dem PC irgendetwas anderes zu tun.
Ignorierst Du das, wirst Du selbst beim Starten eines schachfremden Programms verdachtigt zu betrügen. Das ist nicht nur ein unverschämter Eingriff in unsere Privatsphäre, das ist bereits krank: Bespitzelung getrieben von Kontrollwahn gepaart mit Paranoia. Wir hatten das in Deutschland im 20. Jahrhundert zweimal, nannte sich Gestapo und Stasi. Ein drittes Mal braucht das keiner. Oder, falls das jemandem zu politisch oder historisch ist, tut’s auch ein Vergleich aus unserem Alltag: Onlineschach hat viel mit Home-Office gemein. Beides sind aus der Not der Pandemie geborene Verlagerungen von festen Aktivitäten in die eigenen vier Wände; und beide haben, wenn sie sich bewährt haben, gute Aussichten, in der Postkoronazeit als Alternativen zur herkömmlichen Form weiter zu bestehen. Manche mögen Home-Office nicht, weil dort zu vieles von der Arbeit ablenkt. Wer aber zu Hause gut arbeiten kann, schätzt die Vorteile: man kann u.a. bei der Arbeit Dinge tun, die am herkömmlichen Arbeitsplatz einfach nicht gehen, z.B. Radio hören oder essen und trinken, was und wann man will. Ebenso kannst Du beim Onlineschach etliches tun, was sich am Brett wegen Störung des Gegners verbietet. Passende Musik hören z.B., die den Blutdruck im Zaum hält und die Konzentration fördert. Musik läuft bei mir ausschließlich auf dem PC; wenn ich aber das entsprechende Programm starte, registriert dies das Taskswitchprogramm und wertet es als Betrugsversuch !

Bestrafung des Opfers bei Disconnect und Betrugsverdacht bei Taskswitch – es ist höchste Zeit, daß dieser groteske Unsinn beendet wird. Bis 10. September läuft eine DSOL-Umfrage, in der wir aufgefordert werden zu äußern, was uns gefallen hat und was nicht. Nutzen wir die Gelegenheit: wenn genügend Teilnehmer hier die Respektierung ihrer Rechte einfordern, kann die DSOL-Leitung dies nicht ignorieren.

Genug des Ärgers, werfen wir nun noch einen Blick auf zwei erfreulichere DSOL-Besonderheiten.

Modus und Spielstärke – die Stunde der Underdogs

HSK 2 erlebte in jeder Runde, wie einzelne Partien oder ganze Kämpfe anders ausgingen als die Rating-Differenzen vermuten ließen. Und wir waren keine Ausnahme, überall in der 1. Liga7 holten Spieler mit deutlich tieferen DWZ weit öfter halbe oder gar ganze Punkte als wir das aus den regulären Kämpfen gewohnt sind.
Bei uns machte Thies an Brett 1 die Erfahrung, daß vier Spieler mit um 235 bis 412 Punkte niedrigeren DWZ ihm dennoch beträchtliche Schwierigkeiten bereiten konnten. Andererseits schnitten Stefan, Bettina, Simon und Helge gegen Spieler mit bis zu 380 Punkten höheren DWZ weit über Wert ab.
Offensichtlich wirken die speziellen Spielbedingungen der DSOL – online und verkürzte Bedenkzeit – nivellierend auf Ratingdifferenzen, damit schlug die Stunde der Underdogs. Wie manche Menschen Probleme haben, sich beim Home-Office auf die Arbeit zu focussieren, dürfte auch die Fähigkeit, sich beim Onlinespiel auf die Partie zu konzentrieren, unterschiedlich verteilt sein. Ich vermute, daß jüngere, mit PC und Internet aufgewachsene Spieler hier Vorteile haben. Und 45 Minuten pro Spieler sind eine ziemlich seltene Bedenkzeit: zu kurz für Freunde der klassischen Turnierpartie, zu lang für Blitz- und Schnellturnierfans. Es könnte sein, daß jüngere, weniger erfahrene Spieler mit (noch) niederigeren DWZ flexibler als erfahrene Spieler sind bei der Umstellung auf ungewohnte Bedenkzeiten8 . Drittens fehlt beim Onlineschach ein Teil der psychologischen Wirkung der DWZ-Differenz: DWZ-Schwächere spielen am Monitor wahrscheinlich unbefangener als am Brett, wo die physische Präsenz des nominell Stärkeren zusätzlich einschüchtert.
Soweit meine Vermutungen. Egal, was davon zutrifft, für DWZ-Underdogs ist die DSOL ein Quell der Freude.

Schachdörfer

Im Schach wie im Fußball haben sich in Deutschland die meisten Hochburgen in den Metropolen entwickelt. Handball nahm einen anderen Weg; aus Gründen, die uns hier nicht zu interessieren brauchen, dominieren hier seit Jahrzehnten kleinere Orte, von denen ohne den Sport die meisten Menschen hierzulande wohl nie gehört hätten. Sportjournalisten fanden für das Phänomen schnell den Begriff “Handballdörfer” – eine bewußte Übertreibung, denn tatsächlich sind es Klein- bis Mittelstädte.
Dank der DSOL haben wir nun – zumindest im Onlinebereich – unsere eigenen Gummersbachs und Lemgos. Klubs und Orte, die vorher lediglich regional bekannt waren, erschienen plötzlich in der 1. Liga der DSOL und waren nun in ganz Schach-Deutschland bekannt – Schachdörfer eben.
Hauptursache dieses Phänomens ist das für die Ligenzuordnung gewählte Kriterium: dankenswerterweise ignorierte die DSOL-Leitung die herkömmlichen Klassenzugehörigkeiten, statt dessen wurde ausschließlich nach Leistung sprich DWZ-Schnitt eingeteilt. Und da in den Schachdörfern die Spitzenspieler offensichtlich größeres Interesse an der neuen Turnierform haben als ihre Kollegen in vielen Großstadtklubs, konnten die Kleinen bei den DWZ-Schnitten gut mit traditionellen Zweit- und sogar Erstligisten mithalten.
So kam es, daß in der 1. DSOL-Liga 12 der insg. 29 Teams9 aus Schachdörfern stammen. Damit nicht genug, sie stellen auch vier der acht Teilnehmer der Zwischenrunde. Hier eine Übersicht10 dieser neuen Schachdörfer.
DWZ-Ø Spielklassse Einwohner Bundesland
Dinslaken 2161 OL NRW (3.) 67.400 NRW
Ettlingen 2158 OL Bad. (3.) 39.400 B-W
Herzogenaurach 2126 LL Nord (4.) 23.400 Bayern
Gründau (Q) 2069 VL Nord (4.) 14.600 Hessen
Lauffen/Neckar 2043 LL (4.) 11.600 B-W
Landau/Pf. (Q) 1998 OL SW (3.) 46.900 Rhl.-Pf.
Hameln 1993 OL NW (3.) 57.400 Nds.
Kelheim 1989 RL NO (5.) 16.800 Bayern
Kastellaun (Q) 1981 2.Rh-PfL (5.) 5.500 Rhl.-Pf.
Rinteln (Q) 1965 LL Süd (4.) 25.400 Nds.
Hemer 1909 VL (6.) 34.100 NRW
Biebertal 1755 VL Nord (4.) 10.100 Hessen
(Q) = qualifiziert für die Zwischenrunde; für die DWZ-Schnitte wurden alle eingesetzten Spieler genommen.

Persönliches

Zuerst ein großes Dankeschön an unsere Troubleshooterin Eva-Maria Zickelbein für ihre freundliche Hilfe und Geduld mit uns technischen Laien ! Hätte sie uns nicht kompetent zur Seite gestanden, wären wir einige Male hilflos der DSOL-Software ausgeliefert gewesen, z.B. hätten wir einen Kampf nicht gestartet bekommen.
Dann ein großes Lob an mein Team, präzise die sechs eingesetzten Spieler: mit ihrer Zuverlässigkeit und großen Einsatzbereitschaft machten sie die Leitung des Teams zu einem Vergnügen.
Und natürlich meinen herzlichen Dank an Christian Zickelbein – nicht nur für die viele geleistete Arbeit in der Vorbereitungsphase (vereinsinterne Um- und Nachfragen, Aufstellung der Teams, DSOL Zoom-Konferenzen und was sonst noch dazugehörte), sondern auch für die Nachmeldung von Helge Colpe, womit er uns einen wichtigen Goalgetter gab.
Schließlich möchte ich auch der DSOL-Leitung danken. Zwar habe ich sie weiter oben heftig angesprungen, aber wir sollten doch ihr Engagement und Leistung bei Vorbereitung und Durchführung des Turniers würdigen. Auch gehört Mut dazu, den Ärger über Pannen und Fehlfunktionen auf sich zu nehmen, die bei einem neuartigen Turnier mit noch unerprobter Technik nun mal auftreten können. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Verantwortlichen die kritisierten Punkte in Ordnung brächten und die Neuauflage der DSOL dann ein noch ungetrübterer Genuß wird.

Die DSOL war für unsere Spieler nicht nur eine neue, aufregende Form von Turnierschach. Sie erlaubt auch angstfreies, d.h. entspanntes Spiel, während uns, so lange das Virus grassiert, beim wieder anlaufenden herkömmlichen Spiel, ob nun bewußt oder unbewußt, ständig die Möglichkeit einer Infizierung belastet.
Aber auch als non-playing captain wurde ich von den DSOL-Matches bestens unterhalten – die Kampfverläufe waren manchmal etwas nervenzehrend, aber durch die Bank fesselnd wie ein guter Polit-Thriller. Es liegt wohl an der Zeit: den Spielern verlangte die ungewohnte Bedenkzeit eine erhebliche Umstellung ab, für die Zuschauer aber war sie ideal. 2×45 Minuten plus x Minuten Increment, also 90-120 Minuten, das ist in etwa die Länge eines Spielfilms. Und das Tempo der Partien bei dieser Bedenkzeit ist optimal für Zuschauer. Blitzpartien laufen so rasant ab, daß der Betrachter sich kaum Gedanken zu den dahinhuschenden Stellungen machen kann. Viele der langen Turnierpartien andererseits – man erinnere sich an Live-Übertragungen der Bundesliga – sind über weite Strecken so aufregend wie Kühen beim Wiederkäuen zuzuschauen. Manchmal geschieht eine halbe Stunde oder länger buchstäblich nichts, wenn ein Spieler lange über einen Zug brütet. Ein Grund übrigens, warum man als Zuschauer, der sich nicht langweilen will, erst zwei Stunden nach Beginn einer Runde kommen sollte. Bei der DSOL-Bedenkzeit dagegen hat der Zuschauer, von der Zeitnot abgesehen, genug Zeit, die einzelnen Stellungen zu beurteilen. Und selbst wenn ein Spieler mal lange nachdenkt, macht das nichts, denn im Fenster werden alle vier Partien gleichzeitig gezeigt.
Schließlich bietet Onlineschach dem Zuschauer noch einen weiteren Vorteil: man kann seinen Emotionen freien Lauf lassen, z.B. je nach Qualität der Züge jubeln oder vor Schmerz aufschreien. Im Fußballstadion sind solche Äußerungen willkommen, aber versucht das mal bei der Schach-Bundesliga.

1 z.B. Ettlingen, siehe unten den Punkt Regelwerk, 2. Absatz
2 1958 kaufte die Bundeswehr eine große Anzahl des US-Kampfflugzeugs Lockheed F-104 “Starfighter”. Die Maschine war anfangs als reiner Tag- und Abfangjäger konzipiert. Die Deutschen verlangten jedoch einen Allzweckjagdbomber, der sich auch mit Nuklearwaffen bestücken ließ. Diese Wünsche überforderten die unausgereifte, fragile Konstruktion; so neigte die deutsche Version F-104G zu technischen Aussetzern und verzieh nun keinen Irrtum mehr. Selbst bei kleinen Fehlern, die sich bei anderen Flugzeugtypen leicht korrigieren ließen, rauschte der F-104G in den nächsten Acker oder die Nordsee. Von 1960 bis 1991 hatte die Bundeswehr 916 Starfighter Typ G im Einsatz, davon stürzten 269 ab, 116 Piloten starben. Seitdem ist der Starfighter ein Standardbeispiel für Technik, die keinen Fehler verzeiht. (Quellen: teils dt. Wikipedia, Artikel “Starfighter-Affäre” und “Lockheed F-104”, teils die TV-Dokumentation Starfighter – mit Hightech in den Tod, ARTE/NDR 2010)
3 DSOL-Ausschreibung, sowohl dieses als auch die dazu gehörenden Folgezitate in diesem Punkt
4 zumindest in allen mir bekannten Fällen verhielt es sich so.
5 ChessBase DSOL-Handbuch S.8
6 www.schachklub-ettlingen.de, 30.07.2020: “SKE in der DSOL-Vorrunde: Verbindungsabbruch sorgt für das Aus”
7 in den unteren Ligen ist das Phänomen seltener bzw. weniger deutlich, weil dort die DWZ-Differenzen geringer sind.
8 natürlich gibt es auch hier statistische Ausnahmen. So erreichte unser 17jähriger GM Luis Engel (2551) gegen den über 3x älteren Stephan Buchal (2242, Werder Bremen) in einer packenden Partie mit Glück ein Remis.
9 ohne zurückgetretene Teams
10 Einwohnerzahlen aus der deutschen Wikipedia, Spielklassenangaben aus der Website des Vereins oder Verbandes

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