Bisher attestiert uns die Tabelle 1:3 Mannschaftspunkte. Da wir doch recht deutlich das DWZ-schwächste Team der Liga sind, liegt das sogar über den Erwartungen der Buchmacher. Und auch heute gegen ein starkes Großhansdorf III wird es wohl wieder eine schwierige Aufgabe.
In der jetzigen dritten zu spielenden Runde ist die Aufstellung schon nicht mehr aus eigener Kraft zu stemmen und wir benötigen Ersatz. Eine bittere Pille. Aber ich bin froh, dass Ute Holinka aushilft und wir mit ihr eine willkommene Ersatzspielerin gefunden haben.
Mit folgender Aufstellung geht es in den Mannschaftskampf:
- Jonny Skibb
- Jörg Spreu
- Dieter Wichmann
- Harald Meyer
- Rolf Lohkamp
- Horst Feis
- Volker Krause
- Ute Holinka (Ersatz)
Nicht mit dabei sind u.a. Astrid von Holten, Linus Advani und Omar El Khyari.
Horst Feis ist wie üblich der erste, der nach vollendeter Partie das Ergebnis vermeldet. Mit einem Sieg gegen Klaus Buhlmann bringt er uns 1:0 in Führung und sorgt schon mal für etwas Zuversicht in unseren Reihen. Mit einer Taktik (Ausschaltung des Verteidigers und anschließende Springergabel) konnte Feis entscheidend Material gewinnen und dem Gegner die Lust am Weiterspielen nehmen.
Dieter Wichmann kommt mit Schwarz gut aus der Eröffnung und kann recht schnell den weißen Anzugsvorteil neutralisieren. Im 29. Zug kommt es zu Ungleichgewichten auf dem Brett. Wichmann spielt mit zwei Türmen gegen die gegnerische Dame. Auf jeder Seite tummelt sich dann auch noch je eine Leichtfigur und ein paar Bauern. Wichmann dabei mit einem starken b-Freibauern. Schwierig einzuschätzen. Wichmann verliert dann aber einzügig entscheidendes Material. Sofortige Aufgabe. Der Großhansdorfer Ammar Abrougui gleicht damit zum mannschaftlichen 1:1 aus.
Jonny Skibb geht mit Schwarz in den Königsinder. Im späteren Verlauf tauschen sich die Türme auf der offenen c-Linie ab. Es entsteht ein Damenendspiel. Jeder Dame steht ein ungleichfarbiger Läufer zur Seite. In ausgeglichener Stellung bietet Skibb Remis. Skibbs Gegner Andreas Möck will noch weiterspielen, verwirft fünf Züge später aber dann doch die Idee, noch etwas Wasser aus dem Stein pressen zu wollen. Remis und mannschaftliches 1.5 : 1.5.
Ute Holinka spielt eigentlich in niedrigerer Liga bei der HSK 26. Heute hilft sie bei uns aus und muss sich mit Weiß der Aljechin Verteidigung (1.e4 Sf6) erwehren. Holinka verzichtet auf raumgreifendes 2.e5 und wählt stattdessen mit 2.Sc3 eine ruhigere Herangehensweise. Aber bei der Ruhe soll es nicht bleiben. Nach 15 Zügen hat sie dann doch weit vorangeschrittene Bauern auf c5 & d5. Einer der Bauern wird abgetauscht und es verbleibt ein isolierter weißer Freibauer auf d6. Ob Stärke oder Schwäche, ist die Frage. Später prescht der Bauer nach d7 vor, ein weißer Turm schlüpft nach Td6. Die gegnerischen Figuren sind damit beschäftigt, den weißen Bauern an der Umwandlung zu hindern. Holinka kann nach und nach den Druck erhöhen und schließlich fliegt die gegnerische Stellung auseinander. Holinkas Gegner Achim Bauhammer bleibt nur noch die Aufgabe. Holinka bringt uns mit 2.5 : 1.5 wieder in Führung.
Ich (Jörg Spreu) betätige mich am heutigen Abend als fauler Detektiv. Statt stichhaltig berechneter Beweise, stütze ich mich auf oberflächliche Indizien. „Müsste irgendwie klappen, sieht irgendwie gut aus“. Mein Gegner Holger Schenk bestraft meine pomadige Oberflächlichkeit und nach knapp unter 30 Zügen halte ich die Uhr an und notiere die Null auf dem Partieformular. Großhansdorf gleicht zum 2.5 : 2.5 aus.
Drei Partien verbleiben noch. Zu dem Zeitpunkt steht Rolf Lohkamp mit Mehrfigur auf Gewinn. Volker Krause steht gegen deutlich DWZ-stärkeren Gegner im schwierigen Endspiel. Bei Krause muss daher wohl eine Niederlage eingepreist werden. Harald Meyer steht zu dem Zeitpunkt im stabil ausgeglichenem Schwerfiguren-Endspiel. Meyers Partie geht wohl ins Remis. Also 1.5 Punkte holen wir noch, sodass hier ein mannschaftliches 4:4 absehbar ist. Meine individuelle Niederlage schmerzt, aber die Aussicht auf ein mannschaftliches 4:4 gegen den klar favorisierten Gegner lässt dann doch Freude aufkommen.
Rolf Lohkamp ist dann auch der erste der Dreien, der seine Partie beendet. Durch eine Taktik (Doppelangriff) konnte er recht früh in der Partie eine Figur gewinnen. Danach spielt er geschickt, tauscht Material und trocknet die gegnerischen Möglichkeiten immer weiter aus. Lohkamp mit Mehrfigur im Endspiel. Abgesehen von einem lausigen Bauern ist für den Gegner nicht viel von Kompensation zu sehen. Von Lohkamps Siegeswillen aber auch nicht. Er und sein Kontrahent Matthias Delhey deuten die Stellungswiederholung an und vereinbaren das Remis. Das Leben eines Mannschaftsführers ist nicht immer leicht. 3:3 aus mannschaftlicher Sicht.
Viel Feind, viel Ehr‘ heißt es. Die Großhansdorfer haben allerdings eher nach anderen Maximen oder anderen Winkelzügen aufgestellt. Deren DWZ-stärkster Spieler Manfred Prager versteckt sich an Brett 7. Somit sieht sich unser Volker Krause einem deutlich DWZ-stärkeren Gegner gegenüber sitzend. Krauses Lage auf dem Brett ist brenzlig. Nach Caro Kann Vorstoßvariante (1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 …) und langem Spielverlauf landet Krause mit Schwarz im Leichtfigurenendspiel mit Minusbauern. Wie befürchtet kann Krause das Endspiel nicht halten. Mannschaftlich liegen wir 3:4 zurück. Harald Meyer muss also die letzte Partie des Abends gewinnen.
Meyer steckt zu dem Zeitpunkt nach wie vor im Schwerfiguren-Endspiel. Er steht leicht besser, aber alles noch in der Remisbreite. Wie aus dem Nichts kann Meyer die Stellung dann allerdings taktisch (Damenfang) in eine Gewinnstellung drehen. Im Vorbeigehen klopfe ich ihm auf die Schulter. Meyer spielt jetzt mit Dame & Turm gegen die beiden Türme seines Gegners Wolfgang Wilke. Ungefähr ein halbes Dutzend Bauern stehen pro Seite noch auf dem Brett. Schon im vorangegangenen Ligaspiel hat Meyer die letzte laufende Partie gewonnen und mit seinem Sieg das mannschaftliche Unentschieden gesichert. Meyer sollte nun also auch in dieser Runde zum Helden werden und den 4:4 Ausgleich besorgen. Aber Meyers Sieg ist nicht so sicher umarmt wie gedacht. Schwarz mit aktiven Türmen. Meyers Schwerfiguren krallen sich passiv an Verteidigungsaufgaben. Die Dame kann ihre Wirkmächtigkeit nicht entfalten. Meyer hat mal wieder stark gespielt, aber mit der ungleichgewichtigen Stellung scheint er nicht zurecht zu kommen. Ich ahne Böses und kurz später wird aus der Ahnung die Gewissheit. Meyer findet keine Lösung und muss sich damit begnügen, den Gegner in der Schlinge gesehen zu haben. Am Ende entschlüpft der Gegner doch noch und die Partie geht ins Remis. 3.5 : 4.5 das triste Endergebnis.
So knappe Niederlagen sind immer bitter. Vor allem, wenn bedacht wird, dass hier definitiv mehr drin war. Teilweise haben wir sehr gutes Schach gezeigt. Darauf lässt sich aufbauen, und daraus lässt sich Selbstvertrauen ziehen. Aber dann wurde auch die hässliche Fratze gezeigt. Haarsträubend verschenkte Siege, pomadiges Spiel, Räuberschach-Mentalität. Ein echtes Jekyll und Hyde Theater. Im nächsten Mannschaftskampf ist wieder stabileres Schach zu zeigen.