Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Wir beginnen mit der Öffnung des Klubheims am 31.7.2020. Freier Spielbetrieb unter Einschränkungen (nur) freitags von 18.00 – 22.00 Uhr. Anmeldung unter schachklub@hsk1830.de erforderlich. Genaue Bedingungen hier.

HSK 29 gegen Mümmelmannsberger SV – mit dem tragischen HSK29-Standardergebnis

Es ist 18.00 Uhr. Zusammen mit Müttern und Vätern, die ihre Kinder abholen möchten, warte ich vor dem großen Spielsaal auf das offizielle Ende des Kindertrainings. Soviel Zaghaftigkeit wird an einem Freitag, an dem 8 Mannschaften in der HMM gegeneinander antreten und die Mannschaftsführer darum kämpfen, diejenigen zu sein, die aus dem vollen Spielmaterial schöpfen zu können, nicht belohnt: Der MF von HSK11 stürmt an mir vorbei und sichert sich mit einem Kraftakt die schon aufgestellten Bretter für die beiden oberen Tischreihen. Ich trotte hinterher, nehme mit leeren Brettern aus dem Schrank die darunter liegenden Tischreihen in Beschlag und ergänze diese mit Figurensätzen. Meine Lieblingsuhren, also die Uhren, für welche es eine funktionierende Voreinstellung „4“ gibt, sind noch vollständig vorhanden. Etwa eine halbe Stunde vor Spielbeginn gesellt sich Andreas zu mir und lässt die Vorbereitung des Mannschaftskampfes zu einer fast schon gemütlichen Sache werden. Andreas findet sogar Zeit, dem sich vorbildlich kümmernden Andreas Schild nachzueifern, und stellt die für die letzten beiden Reihen übrig gebliebenen Uhren vom Typ DGT XL manuell (!) ein. Dort treffen kurz vor Spielbeginn ein paar Spieler von HSK 28 ein und sind dankbar für Andreas´ Hilfe, ihr Mannschaftsführer ist noch nicht vor Ort. Sie wirken etwas verloren und sind jetzt erst mal froh, überhaupt eine Ahnung davon zu haben, wo sie spielen. Ich selbst helfe nicht mit, sondern behalte lieber unsere Uhren im Blick, um sie vor dem freitags beliebten Uhrenraub zu schützen. Inzwischen trifft Helge ein und verdächtigt mich scherzhaft eines Figurenraubs, jedenfalls vermisst er dieselben plötzlich.

Doch das ist noch nicht das Ende des Prologs: Dort wo sich HSK 29 platzieren wollte, hat sich HSK 10 eingenistet, HSK 28 ist in einen Nebenraum ausgewichen. Der MF von HSK 10 bedankt sich bei mir für die Hilfe, doch ich stelle gleich richtig, wem die Lorbeeren gebühren und dass ich ihm nicht geholfen hätte. Für einen Moment denke ich an den Paddock auf dem Reiterhof, wo Regina ihr Pferd eingestellt hat und wo sich die Pferde an einem Tag mangels genügend Futter an den Futterstellen gebissen und getreten haben. So haben meine Worte wohl auch gerade gewirkt.

Mümmelmannsberg ist mit dem MF vor Ort und erzählt uns davon, wie sehr man sich um den Spieler an Brett 7 bemüht habe. Mit anderen Worten: Andreas ist spielfrei, und wir kommen überein und zeigen es Mümmelmannsberg an, dass er heute bis auf weiteres die Mannschaftsleitung übernimmt. Der MF von HSK 28 ist eingetroffen und fragt mich, ob ich die Ansage mache. Ich denke nur, wer fragt, soll es doch selbst machen, zumal ich von der Vakanz von ansagenden Personen nichts wusste, und lehne brüsk ab, er versucht es erfolglos weiter beim früheren Schachwart, der sich bereits an seinem Brett vorbereitet. Da sich sonst niemand vom Verein oben blicken lässt, der nicht selbst spielt, bleibt es doch an Malte Schacht hängen, und er bewältigt seine Aufgabe gut. Ich frage mich, wie ich mich nach gerade mal einem Jahr Mannschaftsleitung bei Heimkämpfen so abweisend (siehe gerade eben) bzw. so sarkastisch (siehe oben) verhalten konnte, und nehme mir vor, beim nächsten Mal entspannter zu sein und es besser zu machen.

Brett 6
Helmuts Gegner geht nicht aus dem Schach, macht also einen regelwidrigen Zug. Noch bevor Helmut etwas sagen kann, beanstandet Andreas dies mit wachsamen Blick, was das gegnerische Nachbarbrett 5 aber offenbar sehr stört. Das dürfe nur ein Schiedsrichter, beschwert sich der Spieler. Ich sage ihm, dass Andreas genau das heute sei: gemäß HMM-Regeln ein Schiedsrichter. Er gibt noch keine Ruhe, entschuldigt sich später aber bei Andreas. Im 11. Zug stellt der Mümmelmannsberger Spieler eine Figur ein, er übersieht, dass er für den von Helmut auf g6 mit dem Sh4 geschlagenen Läufer den Springer wegen der Fesselung des deckenden f7-Bauern durch den Lc4 nicht wiedernehmen kann. In der folgenden Stellung

durfte Schwarz auf keinen Fall den weißen h-Bauern schlagen und damit eine Linienöffnung für den Turm mit Th3 zulassen. Er tat es trotzdem, und Helmut ließ sich nicht zweimal bitten, mit beiden Türmen die Linie zu besetzen, den schwarzen König mit Th7 auf der Grundreihe, nämlich auf f8, einzusperren und schließlich unaufhaltsam mit Tg7 und dem nicht abwendbaren Th8 durch den anderen Turm Matt zu setzen. Mit Sxh3 hatte Schwarz bereits verloren. 2:0 für uns um 20.05 Uhr.

Brett 3
An Wilhelms Brett war die Partie eine Dreiviertelstunde später beendet, nur noch 2:1. Er sagte mir auf meine Frage, wie er gespielt habe, gespielt habe er gut, aber die Partie habe er verloren. Was hatte er gemeint? Sein Gegner hatte seinen in der Englischen Eröffnung erzielten stets leichten Vorteil nicht ins Turmendspiel retten können. Entstanden war folgende Schlüsselstellung:

Ob der schwarze Turm hier wirklich auf c1 stand oder auf einem anderen c-Feld, kann ich anhand der Notation nicht erkennen, es spielt aber hier keine Rolle. Die zwei bedrohlichen weißen Freibauern ließen sich nur durch Tc4+ aufhalten, was es Wilhelm ermöglicht hätte, seinen Turm nach d4 zu stellen und sowohl den weißen d-Bauern im Blick zu behalten, als auch seinen eigenen d-Freibauern-Bauern zu unterstützen. Das wäre Remis gewesen. Wilhelms Zug a7-a5 ließ seinen Turm in einer zu passiven Rolle, sein Gegner spielte Kf5 und war schnell genug, um mühelos mit den Freibauern zu gewinnen. Wilhelm sollte sich aber nicht grämen, schon im 13. Zug hatte er Glück, dass sein Gegner, nachdem er auf d4 mit seinem Springer Wilhelms Springer geschlagen und Wilhelm mit seinem Lh3 erst den weißen Läufer auf g2 schlug, statt sofort auf d4 mit seinem Bauern zu nehmen, nicht sah, dass dieser mit seinem Springer einen Zwischenzug machen konnte, mit dem er Wilhelms Läufer auf e7 durch Schlagen mit Schach und Aufgabelung seiner Dame auf c8 bedrohte und so eine Figur gewinnen konnte.

Brett 5
Zehn Minuten nach ihrem Ehemann, also 20.55 Uhr, gab Marianne ihre Partie auf. Im abgelehnten Damengambit mit Lf4 war die folgende Stellung entstanden.

Marianne kann hier mit Schwarz mehrere Pläne verfolgen: Er stellt seinen Läufer nach f8, um die e-Linie freizumachen, sie schlägt auf c4 und engt Weiß auf dem Damenflügel mit b7-b5 ein, sie zieht b6, um den Läufer nach b7 zu ziehen, oder sie fesselt den Sc3 mit Da5 und schafft auf seiner Grundreihe Platz für die Türme. Mariannes Lb4, und das auch nur, um auf c3 zu schlagen, und dann mit der Dame nach a5 hinterher zu ziehen, verliert zu viel Zeit mit dem Läufer, der für b4 zwei Züge statt normalerweise einen benötigt hat. Ihr Gegner befragte den Läufer nicht sogleich mit Db3, was der beste Zug gewesen wäre, aber das brauchte er auch gar nicht, weil Marianne ihren Läufer freiwillig – und leider auch für nichts – hergab. Der Springertausch auf e4 mit dem schwarzen Bauern, der dorthin schlägt und als schwacher Bauer in Gefahr gerät, sah zwar üblich und „normal“ aus, aber bei Mariannes Entwicklungsrückstand kam es nicht von ungefähr, dass sie erst auf c5 nach einer erzwungenen Flucht der Dame, die als einzige c5 deckte, dann auf e4 einen Bauern verlor. Allerdings begann ihr Gegner seine Turmverdoppelung auf der c-Linie im 25. Zug mit einem Turmeinsteller:

Er zog nicht Tb4, was gewonnen hätte, sondern Tc7. Diesen Turm hätte Marianne – statt des vom Gegner wohl erhofften sofortigen Lxe2 – einfach schlagen können, weil die weiße Dame ungedeckt war. Stattdessen zog sie Da6. Ihre Dame wurde mit Deckungsaufgaben auf eben dieser Linie und für den Läufer auf b5 überlastet. Nach dem Tc8 und dem Generalabtausch aller Türme auf der c-Linie ging dieser Läufer verloren, der Rest war für Weiß nicht mehr schwer.

Andreas merkt zu Mariannes Spiel noch an: „Marianne mit 1 Bauer weniger verpasst den vorzeitigen Sieg. Der gegnerische Turm bedroht die Dame, war aber nur scheinbar gedeckt, hätte locker eingesammelt werden können. Stattdessen zog sie die Dame ab, schade.“

Um 21.15 war Oles Kampf an dem für ihn ungewohnten Brett 4 beendet. In einer italienischen Eröffnung mit Sc3 hatte Ole mit Weiß spielend seinem Gegner zunächst den Königsflügel ruinieren und eine offene g-Linie verpassen können. Da dieser aber noch nicht rochiert hatte, holte er dies jetzt auf dem Damenflügel – also mit einer langen Rochade – nach. Nun stand diesem die g-Linie als Angriffsroute für seine Schwerfiguren zur Verfügung, was Ole letztlich unterschätzte. Zunächst entschied sich Ole richtigerweise für einen Gegenangriff am Damenflügel und dafür, das Remis-Angebot seines Gegners abzulehnen. Einfach nur zu warten, bis der Gegner sich optimal aufstellt, wäre falsch gewesen, zumal dessen Angriff auch zeitaufwändig war und Ole seine Stellung letztlich durch geeignete Bauernzüge immer hätte verteidigen können. Also warum nicht die Zeit nutzen? Dabei spielte Ole in die Hände, dass sich der Gegner seine Schwerfiguren zu umständlich auf g2 konzentrierte. Ole hätte nach seinem richtigem a5 auch noch seinen Turm auf die nun offene a-Linie bringen müssen, um für den Gegner gefährlich zu werden. Allein mit der Dame und einem Bauernsturm konnte er nichts anrichten. Da7 war zu langsam, mehr als ein Schach war hier nicht drin, der gegnerische Turm auf c8 war, anders als Ole bei Zugausführung annahm, wie er später im Mannschaftstraining mit Andi angab, ja von der Dame gedeckt. Dennoch hatte Ole immer noch Vorteil.

Im Diagramm hat sich der Gegner nun auf den h-Bauern konzentriert, hier hätte Ole unbedingt Berechnungen anstellen müssen, was ihm jetzt droht. Aufgrund der in der Luft liegenden Fesselungsmöglichkeiten hätte er jetzt entweder schleunigst die Dame mit d4 zurückführen oder aber als Erste-Hilfe-Maßnahme g4 ziehen müssen. Ole hatte sich jedoch von der scheinbar ausreichenden Deckung seines g- und h-Bauern in Sicherheit wiegen lassen und Tf3 nicht bedacht. Db5 war nutzlos, und nach schwarzem Th5, was jeden g-Bauern-Zug verhindert) und Tf3 (was jeden f-Bauernzug stoppt und h3 ein weiteres Mal angreift) musste jede Verteidigung zu spät kommen. 2:3.

Nun folgte eine Dramatik, wie ich sie im ganzen letzten Jahr mit unserer Mannschaft nicht erlebt hatte: Liliana stand nach meiner oberflächlichen Einschätzung mit ihrer Minusfigur auf Verlust, ihr Freibauer war objektiv aufzuhalten, aber das kann ich erst verifizieren, wenn ich ihre Partie studieren kann. Neben mir kam Georg mit seiner Belagerungsstellung nicht weiter. Und das gab die Stellung auch nicht her. Er schaute seinen ihm um 150 Wertungspunkte überlegenen Gegner fragend und gestikulierend an. Ich sagte ihm, dass es praktisch 2:4 gegen uns stände. Er sagte „Schade“. Wie ich später erfuhr, war dies aber gar nicht eine Reaktion auf meinen Wink mit dem Zaunpfahl, bloß kein Remis zu machen, sondern er bezog sich damit auf sein eigenes, vor meiner Info gemachtes Remis-Angebot, das sein Gegner aber ablehnte. Ich selbst stand eindeutig schlechter, aber meine Stellung hatte zumindest Beschwindelungspotenzial und mein Gegner ja auch immerhin ca. 180 Wertungspunkte weniger. Dann plötzlich merkten Andreas und ich, dass Lilianas Stellung zu ihren Gunsten kippte. Andreas konnte sich kaum noch von ihrer Stellung lösen, aber nach meiner Vorstellung sollte er ja nun unbedingt Georg sagen, dass er jetzt Remis machen dürfe. Ich konnte mich kaum auf mein Spiel konzentrieren, zumal die eh schon kontinuierlichen Hustenanfälle meines Gegners immer schlimmer, vor allem lauter wurden. Offenbar war er für seinen Verein heldenhaft unter Einsatz seiner Gesundheit angereist, Ansteckungsgefahren für andere inbegriffen.

Dann meldete mir Andreas um 22.30 Uhr ein Remis an Brett 8 und eine am Boden zerstörte Liliana. Über die letzten Züge und die angeblich verpassten Möglichkeiten wurde mir in Nuancen unterschiedlich, aber letztlich doch mit demselben Tenor berichtet. Andreas meint: „Liliana spielte noch, trotz 1 Turm weniger. Dann opferte sie zusätzlich noch einen Springer, um mit dem Turm die gegnerische Grundlinie zu erreichen. Dann die Wende. Ein Freibauer stand auf Reihe 6 und der Gegner am Damenflügel unterentwickelt. Die Freibauerdrohung hätte bei vernünftiger Fortsetzung nie funktioniert. Der Gegner hat plötzlich mehrfach danebengegriffen. Der Springer hätte zurück das Umwandlungsfeld bewachen können. Die Läuferfesselung hätte nur den verlorenen Springer zurückgeholt. Außerdem hätte der Gegner die Fesselung leicht auflösen können mit Bauer b6 und Läufer b7. Das tauscht die Türme ab und verliert im Verlauf den Freibauer. Ergo mindestens weiterhin ein Turm weniger.

Statt­dessen falscher Springerzug und ein komplett besoffener Turmzug des Gegners, somit die Totalwendung im Spiel. Die Kollegen aus Mümmelmannsberg flippten innerlich fast aus. Aber alles legal. Die Partie war im Turmendspiel mit gleichfarbigen Läufern angekommen. Liliana hatte auf beiden Flügeln je einen Bauer mehr. Danach hätte sie auf dem Königsflügel sogar eine 3:1 Bauernmehrheit mit verbundenen Bauern erreichen können, und zwar durch Gabel des Läufers auf Turm und Bauer. Leider verpasst.

Wenn sie fit gewesen wäre, hätte sie das gesehen und zum Sieg gebracht. Ihr Akku war leer, und sie nahm in Gewinnstellung remis an. Schade, aber so ist das, wenn man berufstätig ist. Also 2,5 : 3,5.

Helmut berichtet über Brett 8 wie folgt: „Zuvor hatte sie den Rückstand von einem Turm mit einem starken Freibauern-Durchmarsch mehr als kompensieren können und dabei für die verwandelte Dame einen Turm plus einen Springer schlagen können. Ihre Beherrschung der schwarzen Grundreihe mit ihrem Turm hat zudem den schwarzen Läufer plus Turm gefesselt. Dies hätte bei Läuferangríff auf den gefesselten Läufer einen Abtausch mit Qualitäts- oder Läufergewinn  gebracht. Aber auch nach Vergeben dieser Chance zugunsten eines Bauerngewinns stand sie weiter klar auf Gewinn durch ihre verbundenen Mehrbauern, während zwei schwarze Bauern vereinzelt standen.

Brett 2 / Brett 1
Sollte Georg es schaffen, seine Stellung zu halten? Mit dem Londoner System hatte er bis zum Remis-Angebot im 22. Zug einige Teilziele erreicht: Einen Figurenstützpunkt auf e5, den Abtausch des schwarzen f6-Springers durch ein zielstrebig erarbeitetes Sg4 nebst Abtausch der Springer und Schwächen des Schwarzen auf den weißen Feldern um seine Königsstellung. Andererseits hatte auch Schwarz ja noch sein Läuferpaar, und den weißfeldrigen Läufer konnte Schwarz gut von e8 aus zur Abschreckung der weißen Dame nutzen. Das ist eben der Nachteil dieser Eröffnung: Solide, aber Schwarz kommt oft relativ leicht zu einer Blockadestellung. Georg widerspricht diesem pauschalen Vorurteil unter Hinweis darauf, dass es meist immer noch genügend Bauernhebel für Weiß gebe.

Ein Schwenk zu meiner eigenen Stellung:

In der Variante der italienischen Eröffnung, wo Weiß d3 und c3 spielt und Schwarz d5, hatte sich Weiß für ein frühes b4 entschieden. Keine seltene Stellung. Schwarz hat keine Angst vor einem Vertreiben seines c6-Springers und kann sogar oft seinen e5-Bauern opfern. Doch war ich nach Db3 in der nebenstehenden Stellung schon unsicher, ob ich Se7, Sf6 oder das forsche Sf4 ziehen sollte. Tatsächlich wäre der Rückzug nach f6 normal gewesen. Sg5 muss man wegen De8 nicht fürchten, De8 aber auch nicht mögen. Mein Sf4 beantwortete Weiß mit konsequentem Lxf4 und d3-d4, was ihm Raum verschafft und meine Aktivitäten in den nächsten Stunden einschnüren empfindlich behindern sollte. Ist ja auch klar: Ohne meinen e-Bauern kann ich im Zentrum nichts mehr machen.

Zurück zu Georgs Brett 2:

Alle Bauern haben überlebt und blockieren sich gegenseitig – na ja, fast alle. Nach Ld1, vermutlich eher ein Verlegenheitszug, bot sich Georg plötzlich die Chance, alleine darüber bestimmen zu können, ob die Stellung Remis bleibt: Bauer a3-a4 hätte, da Schwarz schlecht auf a4 schlagen kann, wenn er seinen – bei Schlagen vereinzelten – Bauer a6 langfristig behalten möchte, den schwarzen Turm erst mal zu Verteidigungsaufgaben verpflichtet. Georg war in der Partie in den letzten 20 bis 25 Züge lang in extremer Zeitnot, das sollte bei der Beurteilung seiner und der darauf folgenden Entscheidungen (siehe gleich unten Tb1)  mit berücksichtigt werden.

Mein Gegner hatte mich inzwischen auch am Damenflügel eingeengt. Mit f6 hatte ich zwar gegnerische Figurenstützpunkte auf e5 verhindern können, doch der Preis, ein Loch auf e6, war einfach zu hoch. Ein Springer drohte bereits, auf e6 zu gabeln. Mein Läufer auf g4 konnte das nicht verhindern, er hätte einfach mein Fiasko mit Le6 und nahezu erzwungenem Läufertausch vorbereiten können.

In dieser Stellung gewinnt bereits Dc3, denn ich kann f6 nicht decken, ich bin dann sogar in einem halben Dutzend weiterer Züge matt. Doch er tauscht stattdessen seinen Super-Springer gegen meinen mit seinen Ansprüchen gescheiterten Bonsai-Springer auf d6. Nun kann ich f6 mit der Dame decken, was zwar f6 verliert, aber ich habe zu viel Gegenspiel gegen seine Bauern, und seine Grundreihe ist schwach. Stattdessen decke ich gegen meine Intuition mit dem König, weil ich ja gewinnen muss, was erneut klar verliert. Denn nach Se4 kann ich aufgeben, weil er auf f6 vernichtend mit Schach schlagen kann. Bei jedem anderen Zug seinerseits hatte ich vor, das rettende Td8 zu spielen. Er muss dann den Läufer wegziehen und ich decke g7 mit Ld4. Und er tut mir den Gefallen und zieht früher als er müsste h3. Nach meinem schnell gezogenen Td8 nimmt er mit dem Läufer auf b7, womit er sogar wegen meines möglichen Doppelangriffs Df7 auf Turm und Läufer eine Figur einbüßte. Ich zog allerdings erst hastig und erleichtert Ld4 und dann erst nach dem entgegenkommenden Dc2 mein Df7 (statt einfach Dxb4 und klarem Vorteil). Das gewann nicht mehr die Figur, aber er verteidigte sich gegen meinen (jetzt zahnlosen) Doppelangriff nicht korrekt, indem er seine Qualität unnötigerweise auf e8 opferte.

Was Georgs Gegner vorhatte, kann man leicht schon dem vorherigen Diagramm entnehmen: b5-b4, was sich, wie auch die Vertripelung der Schwerfiguren auf der b-Linie nicht verhindern lässt. Georg hat seinen Bauern b2 dreimal gedeckt, er kann, zumal schon länger und bis zum Schluss in extremer Zeitnot, nur hin und her ziehen, und bleibt es wichtig, wie er ihn deckt.

Sein Tb1, was er in der Diagrammstellung zog, ist insoweit unglücklich, als es diesen Turm von der a-Linie entfernt und Schwarz dort zusätzliche Annäherungsoptionen gibt. Außerdem verschafft es Schwarz Fesselungsmotive mit c3. Die Annäherungschance nahm Schwarz dann auch mithilfe eines Läufertausches auf a4 wahr, welcher seine Dame dem Objekt der Begierde, b2, näher brachte. Ta2 wäre also besser gewesen und bei genügend Überlegungszeit auch gesehen worden. Ein paar Züge später stand Georgs Dame auf c3, wo Schwarz sie mit einem Turm auf b3 vertreiben konnte, was bedeutete: b2 würde fallen, und damit würden auch seine Schwerfiguren auf der zweiten Reihe eindringen. Georgs König stand bereits auf h3 in einer tödlichen Sackgasse und konnte sein Schicksal umrisshaft vorhersehen.

Inzwischen blieb mir das Glück weiterhin treu. Mein Gegner vernachlässigte seine Grundreihe und nahm sich stattdessen einen weiteren Bauern auf a6. Er konnte zwar meinem Turmschach mit Springer und Läufer Paroli bieten, doch waren jetzt diese beiden Figuren aufeinander angewiesen, ich griff eine davon an, und hatte somit insgesamt einen Mehrturm.

In der Diagrammstellung hat Weiß trotz seines Dxh7 kein Dauerschach, ich flüchtete hinter seine mich vor seinen Schachs schützenden Freibauern, und er war wegen meines Matt drohenden Dg1 zum Damentausch gezwungen. Zwar hatte ich jetzt noch weniger als zwei Minuten für den Rest der Partie, aber da ich den Gewinnplan klar vor Augen hatte, zog ich nun stets sofort nach seinem Uhrendrücken ohne zu zögern meinen nächsten Zug. Als Georg nebenan kurz vor dem oben angekündigten Matt aufgab, gab auch mein Gegner auf.

3,5 zu 4,5 gegen Mitternacht, teils wurden wir knapp besiegt, teils hatten wir uns wieder auch einmal selbst knapp geschlagen. Dennoch fühlt sich dieser Saisonbeginn etwas besser an als der letzte. Außerdem haben wir schlicht deswegen gute Chancen, weil wir in aller Regel vollständig und meist auch in Bestbesetzung antreten. Das kann man von der Kreisklasse an sich nicht behaupten. Diesmal sind wir sogar in einer Runde spielfrei, weil das zunächst gemeldete Billstedt/Horn sich zurückgezogen hat.

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