Hamburger Schachklub von 1830 e.V.

Königlich in Fantasie und Logik

Die Corona Einschränkungen im Sport sind beendet!
Für Spieler, Gäste und Zuschauer gibt es keine Auflagen mehr!

Einen offenen Spielbetrieb auch für Gäste gibt es jeden Freitag von 18:30 – 22:00 Uhr. Wir freuen uns über alle Interessierten , die uns kennenlernen möchten. Wir bitten um Anmeldung über schachklub@hsk1830.de.

HSK 22:  Erwartete Schlappe in der ersten Runde gegen Eidelstedt – Aber auch Lichtblicke

Zu Gast hatten wir in unserem ersten Kreisliga E-Kampf (ohne Liliana, Helmut und Andreas Wittenberg, unseren Stammspieler-Neuerwerb für 2022 an Brett 2, der aber für die ganze Saison 2022 ausfällt, sowie ohne Ersatzspieler Dr. Christian Kaven, dafür aber mit Julian Wartenberg vom HSK 23) heute die erste Mannschaft Eidelstedt. Sie kamen ungeachtet eines Stammspieler-Ausfalls mit einem um Welten besseren DWZ-Schnitt zu uns, der uns allenfalls auf ein bis eineinhalb Punkte hoffen ließ. Dabei hielt ich mich selbst überoptimistisch für einen Anwärter auf einen halben Punkt gegen den fast 200 Punkte besseren Eidelstedter Gegner und traute Julian einen halben bis ganzen Punkt zu.

Es kam anders: Julian konnte zwar die Erwartungen mit einem Remis erfüllen (danke Julian!), doch den halben Überraschungspunkt brachte nicht ich, sondern Georg zustande, der vom Mix Ergebnis/DWZ-Erwartung unser bester Spieler am heutigen Freitag war. Er muss aber auf jeden Fall zusammen mit Andreas genannt werden: Andreas verlor zwar, spielte aber von uns allen bis zum vorletzten von 21 Zügen eindeutig nicht nur am mutigsten, sondern objektiv auch am besten: Er opferte frech, aber völlig korrekt eine Figur und stand danach mit 1146 gegen einen 1500er (!) lange Zeit auf Gewinn.

Zudem fehlte Eidelstedt ihr Brett 2, so dass wir bereits nach einer Stunde vorne lagen. Doch der Reihe nach…

Vor Spielbeginn …

… gab es von mir noch die unvermeidlichen − wenn auch die in diesem Jahr wohl zu einer HMM letzten – Corona-Hinweise. Da der Hamburger Schachverband seine bis 13. Mai geltenden Durchführungsbestimmungen noch nicht den Lockerungen des Hamburger Senats vom 30. April angepasst hatte (Update: seit 9. Mai hat er es), galt für Bewegungen im Turniersaal Maskenpflicht. Außerhalb, also in den Räumen des HSK aber nicht, weil hier das Hausrecht, ungetrübt durch die Verbandskompetenz, begann. Da alle Spieler vor der offiziellen Mannschaftsaufstellung ihre doppelte Impfung bereits versichert hatten, kontrollierten wir Mannschaftsleiter auch nicht mehr die entsprechenden Nachweise.

Von den juristischen Kuriosa zu Beginn nun in die Details des Mannschaftskampfes:

Niederlagen an Brettern 4, 5 und 6

Nach dem oben erwähnten kampflosen Sieg von Peter an Brett 2 hagelte es um 20.50 Uhr herum die ersten drei Niederlagen:

Wilhelm eröffnete an Brett 4 den Reigen gegen den gut 100 Punkte stärker gelisteten Eidelstedter. Aus dem Damenbauernspiel ging er mit etwas weniger Raum ins Mittelspiel. Ein schwarzer Freibauer auf der e-Linie war die Folge. Wilhelms vorgerückter f-Bauer wurde zum Angriffsziel, und nach seiner Eroberung und Damentausch im Turmendspiel dann auch sein vorgerückter g-Bauer, da der schwarze Turm aktiver war und Wilhelm von der Verteidigung dieses Bauern abschneiden konnte.

Ihm schlossen sich kurze Zeit später Marianne und Ole an:

Marianne drang mit ihrem positionellen Opfer ihres e5-Bauern im englischen e4/c4-System nicht durch und ließ später auch ihren a2-Bauern unbeaufsichtigt. Das machtvolle Eindringen des a-Turms auf der zweiten Reihe beendete das Spiel, da die schwarze Dame auf d5 den g2-Bauern als Mattmotiv im Visier hatte. Ole hatte es heute an Brett 5 (gefolgt von Andreas und Georg, siehe gleich unten) am schwersten: Sein Gegner aus der Eidelstedter Mannschaft hatte 500 DWZ-Punkte mehr aufzubieten. Ole hielt zunächst gut mit, obwohl man gegen die weiße Eröffnung (Londoner System) wohl erst den c7-Bauern, dann Sc6 oder Sd7 zieht. Im 12. Zug übersah er die Drohung des Gegners, sowohl seine Dame auf d6 als auch den – mangels rechtzeitiger Rochade –  nur durch eben diese Dame gedeckten Bauern auf c7 anzugreifen. Da die Dame natürlich ausweichen musste, verschwand wegen der Gabel der Turm auf a8 und damit leider die Qualität unter sehr ungünstigen Umständen. Ole gelang es zwar noch, einen Bauern durch eine nette kleine Taktik zu gewinnen, aber sein König stand zu luftig. Das sah Ole genauso und gab rechtzeitig auf.

Brett 3 – Georgs Remis gegen 400 Punkte Unterschied

Gegen 21.00 Uhr bot Georgs Gegner überraschend im 21. Zug Remis an. Doch Georg hatte das vollkommen verdient. Gegen den Grand Prix-Angriff des Eidelstedters (2. f4 im Sizilianer) hielt er in jeder Partiephase mit Schwarz mit. Neben Andreas´ Partie war Georgs Spiel und Ergebnis somit die Überraschung des Tages, die die „Ehre“ unserer Mannschaft rettete.

Bretter 8 und 7

Während uns Julian an Brett 8 das zweite Remis besorgte, verlor Andreas seine Partie, die er gegen einen knapp 500 Punkte DWZ-mäßig besseren Gegner spielen musste und dennoch lange Zeit nach hervorragendem Opferspiel auf Gewinn stand, ungefähr zur selben Zeit. Folgendes war passiert: Nach von beiden Seiten fehlerlos gespieltem Guioco piano (eine ruhige Variante des Italieners), kam es im 13. Zug zu folgender Unruhe vor dem weißen König (Diagramm oben):

Hier gab es einen sehr guten Zug für Andreas (Schwarz) und einen, der laut Computer noch besser war. Andreas fand den sehr guten Zug, nämlich das Opfer auf g2 (die Engine wollte es auf h3) und spielte sein Angriffsspiel korrekt weiter bis zu seinem 17. Zug, der auf die Stellung im nächsten Diagramm folgte.

Wer würde nicht zuerst über ein Damenschach auf h3 nachdenken, doch hier verspielt es den schwarzen Gewinn. Nur e4 gewinnt – und zwar entweder den Springer (weil Weiß sich nur durch Sbd2 oder Sh2 vor dem Matt retten kann) oder schafft nach weißem dxe4 für Schwarz ein Angriffsziel für seinen Turm, der über e8 und e4 entscheidend auf die zweite offene Linie eindringt, während zwischendurch die schwarze Dame den König dorthin treibt, wo er für das Matt stehen soll. Das hätte Weiß nur durch ein Opfer der Dame gegen den schwarzen Läufer verhindern können.

Wir kommen zum vorletzten Zug der Partie (Diagramm unten):

Im Diagramm oben sieht jetzt für Andreas ein Zug verlockend aus, weil er scheinbar Material gewinnt. Dieser Zug darf aber gerade nicht gespielt werden. Frage an alle: Welcher ist es?

Genau, der – und aus. Schade, ich kann mich kaum an ein Spiel in den letzten 10 Jahren erinnern, indem ein korrektes Opfern so sehr den Sieg verdient gehabt hätte. Und das bei nahezu 500 Punkten Unterschied zum Gegner!

Brett 1

Mein Gegner spielte als Weißer die theoretisch anspruchslose, aber für Spieler ohne Kenntnis giftige Ponziani-Eröffnung (1. e4 e5 2. Sf3 Sc6 3. c3). Weiß gelangte schnell zu Zentrumsvorteil, war dafür aber unterentwickelt. Bis zum 22. Zug war die Stellung ausgeglichen. Im folgenden Diagramm

hätte ich nun einfach den Springer mit d5 zentrieren und den Damenflügel mit b5 stabilisieren können. Stattdessen bewegte ich den Springer erneut nach h5. Dort richtete er (erneut) nichts aus, da auf das geplante Sf4 ja einfach g3 folgen konnte.  Dafür animierte der Zug den Gegner aber zu Dh3 und versetzte ihn in die Lage, mit späterem c4, c5 und Lf5 Unordnung in mein Turmspiel zu bringen. Als ich dann gegen Ende der dritten Stunde auch noch in etwas Zeitnot immer stärkere Dauer-Kopfschmerzen bekam, zog ich einen Turm von der Deckung meines Springers auf e5 ab, so dass ihn sich dort ein inzwischen auf c5 stehender Turm griff und der Endstand von 2:6 schon 22.45 Uhr erreicht war.

Ich spielte heute schlicht schlechter als mein Gegner. So einfach kann ein Fazit ausfallen.

Fazit zum Mannschaftskampf insgesamt: Eine Sensation lag gegen Eidelstedt in weiter Ferne. Doch mit Georgs und Andreas‘ Partien gab es gegen deren übermächtige Gegner (zusammen neunhundert DWZ-Punkte Unterschied) auffällig strahlende Lichtblicke, die noch auf manche Überraschung durch HSK 22 in den nächsten Spielen hoffen lassen.

Dieter Floren

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